Sonntag, 28.11.2021

Ab wann arbeiten und wie viele Stunden?

Auszubildende: Rechte und Pflichten - Über Arbeitsvertrag, Arbeitszeit, Urlaub und Überstunden - Ein Berichtsheft muss sein

Aschaffenburg
Schlauster Azubi
2 Min.
Azubis
Auszubildene beim Autohersteller Skoda: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) warnte, junge Menschen, die jetzt nicht ausgebildet würden, fehlten künftig als Fachkräfte.
Foto: Skoda Auto Deutschland GmbH/obs
Wie vie­le Ta­ge Ur­laub ha­ben Aus­zu­bil­den­de? Wie lan­ge muss man täg­lich ar­bei­ten? Was be­sagt die Schwei­gepf­licht? Wel­che Rech­te und Pf­lich­ten ha­ben Azu­bis? Ei­ne Über­sicht: Wo sind Rech­te und Pf­lich­ten fest­ge­hal­ten?

Wesentliche Quellen sind das Berufsbildungsgesetz (BBiG), die Handwerksordnungen, das Jugendarbeitsschutzgesetz und die Ausbilder-Eignungsverordnung.

 

Wie sind die Arbeitszeiten geregelt?

Auszubildende dürfen maximal 40 Stunden in der Woche arbeiten. Für die einzelnen Tage bedeutet das, dass man im Durchschnitt acht Stunden arbeitet. Ausnahmen beispielsweise in der Landwirtschaft sind möglich. Grundsätzlich darf man als Minderjähriger nicht zwischen 20 und 6 Uhr arbeiten; für diese Zeit gilt Nachtruhe. In der Ausbildung zum Bäcker gelten Sonderregelungen, sie beginnen früher mit der Arbeit.

 

Dürfen Unternehmen Überstunden von den Auszubildenden verlangen?

Laut Gewerkschaft ist die Zustimmung des Betriebsrates nötig. Die Überstunden müssen dem Ausbildungszweck dienen. Außerdem muss ein entsprechender Zeitausgleich vereinbart werden.

 

Welchen Urlaubsanspruch haben Auszubildende?

Festgelegt wird dies im Ausbildungsvertrag oder Arbeitsvertrag. Per Gesetz stehen Unter-18-jährigen Azubis 25, unter 17-Jährigen 27 Werktage und unter 16-jährigen Azubis 30 Werktage Urlaub pro Jahr zu. Volljährige haben Anspruch auf 24 Werktage. »Das sind Mindeststandards«, schreibt die IG Metall.

 

Was hat es mit dem Berichtsheft auf sich?

Als Azubi ist man dazu verpflichtet, ein Berichtsheft zu führen. Es dokumentiert die gesamten Ausbildungsinhalte und dient als Nachweis für die erlangten Kenntnisse und Fähigkeiten. Bei der Abschlussprüfung muss man das vollständig ausgefüllte Berichtsheft vorlegen. Es kann sogar die Endnote beeinflussen.

 

Was besagt die Schweigepflicht?

Auszubildende sind wie andere Arbeitnehmer verpflichtet, über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Stillschweigen zu wahren. Wer unsicher ist, sollte fragen, was vertraulich ist und was nicht.

 

Was verdient man als Auszubildender?

Die Vergütungen richten sich nach Angaben der IG Metall nach dem Wirtschaftsbereich, zu dem der Ausbildungsbetrieb gehört und der Region, in der er liegt. Der Mindeststandard ist gesetzlich geregelt. Für alle ab 2020 begonnenen Ausbildungsverhältnisse gilt die Mindestausbildungsvergütung von 515 Euro, die in den kommenden Jahren stufenweise erhöht wird.

 

Gelten überall tarifliche Ausbildungsvergütungen?

Nein. Es gibt Bereiche, in denen laut Gewerkschaft bisher keine Tarifverträge zustande gekommen sind - vor allem im Handwerk. Wenn ein Arbeitgeber nicht Mitglied im Arbeitgeberverband ist, ist er an die Tarifverträge nicht gebunden. In diesem Fall greifen manchmal so genannte »Allgemeinverbindlichkeitserklärungen«, mit denen das Bundesarbeitsministerium bestimmte Tarifverträge für allgemein verbindlich erklärt.

 

Wer trägt die Kosten der Ausbildungsmittel?

Auszubildende haben Anspruch auf kostenlose Ausbildungsmittel, wie zum Beispiel Werkzeuge, die der Betrieb zur Verfügung stellen muss. Werkzeuge, Maschinen und sonstige Einrichtungen wie beispielsweise dein Computer müssen pfleglich behandelt werden.

 

Gibt es ein Kündigungsrecht?

Ja, auch Azubis haben eine Kündigungsmöglichkeit und können das Ausbildungsverhältnis mit einer 4-wöchigen Frist beenden.

(Quellen: IG Metall, www.aubi.de)

Hintergrund: Schulpflicht

Als Azubi ist man berufsschulpflichtig. Das bedeutet auch, dass der Betrieb für die Berufsschule freistellen muss. Die Unterrichtszeit gilt dabei voll als Arbeitszeit. Die Freistellung gilt für den Unterricht inklusive Pausen und für die Wegstrecke zwischen dem Betrieb und der Berufsschule.

Wenn der Unterricht vor 9 Uhr beginnt, muss man vorher nicht mehr zur Arbeit. Und für alle unter 18-Jährigen gilt einmal pro Woche: Dauert die Schule länger als fünf Stunden, braucht man danach nicht mehr in den Betrieb. Solche Regelungen können auch für über 18-Jährige gelten, wenn der Betrieb an einen Tarifvertrag gebunden ist.

Die einzelnen Bundesländer haben verschiedene Regelungen.

(Quelle: IG Metall)