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Lieferkettengesetz: Gesetzlicher Rahmen jetzt!

Freitag, 08. 05. 2020 - 17:18 Uhr

Weltladen Aschaffenburg macht auf die Notwendigkeit eines Lieferkettengesetzes aufmerksam.

Die weltweiten Folgen der Corona-Pandemie sind noch lange nicht abschätzbar. Schon jetzt lässt sich jedoch sagen, dass es vor allem die finanziell Schwachen hart treffen wird. Das gilt in besonderem Maße für viele Arbeiterinnen und Arbeiter am Anfang der globalen Lieferketten. „Die Menschen, die weltweit unsere Alltagsgüter wie Kakao, Bananen und Textilien produzieren, stehen enorm unter Druck“, so Berit Schurse, Info- und Bildungsreferentin im Weltladen Aschaffenburg. Vielfach werde berichtet, dass Firmen ihre Aufträge storniert haben und es dadurch zu ausbleibenden Lohnfortzahlungen und Massenentlassungen kommt. „Dieses Verhalten vieler Konzerne widerspricht den menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten, wie sie die Vereinten Nationen definiert haben!“

Auch im Kakaosektor seien die Auswirkungen der Pandemie bereits deutlich zu spüren. „Seit Beginn der Krise ist der Kakaopreis bereits um etwa 30% gesunken. Besonders für die Kleinbäuerinnen und
Kleinbauern in Westafrika, von wo ca. 70% der weltweiten Kakaoernte stammen, hat dies fatale Folgen. Gleichzeitig ist eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Süßwaren zum Beispiel bei uns in Deutschland zu verzeichnen. Man kann sich also leicht ausrechnen, wer Gewinner dieser Entwicklung sein wird“, erläutert Schurse.

Wie wichtig es ist, dass Unternehmen verantwortlich handeln und Menschenrechte respektieren, werde gerade in Krisenzeiten deutlich. Dies scheine jedoch nicht ohne verbindliche Gesetze und Vorgaben zu funktionieren. „Bereits seit Jahren fordern Nichtregierungsorganisationen, darunter auch die Weltläden in Deutschland, ein verbindliches Lieferkettengesetz. Die Bundesregierung sollte noch in dieser Legislaturperiode ein Gesetz erarbeiten, das Unternehmen verpflichtet, Menschenrechte und Umweltstandards entlang globaler Lieferketten zu achten. Wir rufen die Aschaffenburger Bürgerinnen und Bürger dazu auf, die Petition der Initiative Lieferkettengesetz online zu unterzeichnen,“ so die Inforeferentin des Weltladens. Die Corona-Krise dürfe kein Argument sein, eine dringend benötigte gesetzliche Regelung aufzuschieben. Sie reagiert damit auf die Stimmen, die ein Lieferkettengesetz als unzumutbare zusätzliche Belastung für Unternehmen kritisieren. „Fair-Handels-Unternehmen zeigen seit 50 Jahren, wie Lieferketten wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig gestaltet werden können. Gerade jetzt in der Krise unterstützen sie ihre Handelspartner und suchen gemeinsam mit ihnen nach Lösungen, statt sie im Stich zu lassen. Hier wird deutlich, dass der Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt steht.“ Auch das im Februar 2020 veröffentlichte Rechtsgutachten der Initiative Lieferkettengesetz unterstreicht: Ein Lieferkettengesetz in Deutschland ist machbar – für Unternehmen genauso wie für den Gesetzgeber.
Weitere Informationen zum Lieferkettengesetz: https://lieferkettengesetz.de

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