Montag, 14.10.2019

In Paradisum-Himmlische Gesänge von Sine Nomine

Sopranistin Felina Mathes, Dirigent Alexander Reuter und Pianist Johannes Möller
Sine Nomine/Hofmann
Freitag, 21. 06. 2019 - 10:36 Uhr

Virtuose Musik mit virtuosen Künstlern in der Somborner Johanneskirche Selten hat die nur zu 2/3 gefüllte Johanneskirche solche dynamischen Bandbreiten erlebt: Das 12-köpfige Frauen-Vokalensemble Sine Nomine aus Freigericht bot am vergangenen Sonntag ein Konzert mit Literatur, die nur s...

Virtuose Musik mit virtuosen Künstlern in der Somborner Johanneskirche

Selten hat die nur zu 2/3 gefüllte Johanneskirche solche dynamischen Bandbreiten erlebt: Das 12-köpfige Frauen-Vokalensemble Sine Nomine aus Freigericht bot am vergangenen Sonntag ein Konzert mit Literatur, die nur selten und teilweise noch gar nicht zu hören war. Mit der stimmgewaltigen Sopranistin Felina Mathes und dem hervorragend disponierten Pianisten Johannes Möller wurden vom zartesten Pianissimo bis zum rauschenden Fortissimo alle dynamischen Register gezogen. Geleitet wurde das Konzert von Alexander Reuter, der diesem Ensemble nun seit fast zwei Jahren musikalisch vorsteht. Auf dem Programm standen Werke von französischen oder in Frankreich wirkenden Komponisten. Mit dem bekannten „Panis angelicus“ startete das Programm, welches sich dann aber dem eher nur Insidern bekannten Requiem von Gabriel Fauré zuwandte. In seinem „Sanctus“ und „In Paradisum“ verschmolzen die Soprane zu einem geradezu engelhaft homogenen Klang. Das ist auch der Hintergrund, weshalb das Konzert den Titel „In Paradisum – Himmlische Gesänge“ trug. Im Schlussakkord dieses Stückes konnten auch die tiefen Altstimmen zeigen, dass sie durchaus mit einem gemischten Chor in dieser Lage mithalten können. Äußerst herausfordernd für den Solo-Sopran und den Pianisten ist das „Salut Printemps“ des Impressionisten Claude Debussy. Beide meisterten diese Aufgaben virtuos. Gleiches gilt für Sine Nomine, denn das gut zehnminütige „Tantum ergo“ von Rossini hatte alles vorzuweisen, was eine geistliche Oper eben ausmacht: Solostellen für die einzelnen Chorstimmen, Rezitative, Fugati und ein Finale furioso. Ähnlich dramatisch war die Lamentations-Motette „Gallia“ des Franzosen Charles Gounod, der im englischen Exil damit die Demütigung und Niederlage Frankreichs in Krieg gegen die Preußen 1871 verarbeitete. Chor und Solistin wechseln sich ab, spielen sich die Tonbälle zu, bis die Motette nach einer viertel Stunde in der berühmten „Jerusalem“-Arie endet. Das Konzert mit allen Akteuren bot dem Publikum die Möglichkeit, sich die immer weniger aufgeführten Werke aus Klassik, Romantik und Fin de siècle für Frauenchor in einer den Werken gebührenden Qualität anzuhören. Sine Nomine macht neugierig auf weitere Konzerte dieser Güte.

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