Dienstag, 27.10.2020
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Zeitzeuge Dr. Wolfgang Hamberger zu Besuch an der Maria-Ward-Realschule

p.matheis
Montag, 27. 01. 2020 - 08:35 Uhr

Mit Herrn Dr. Wolfgang Hamberger, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Fulda, durften die Schülerinnen der 8C und 10B der Maria-Ward-Realschule einen Zeitzeugen begrüßen, der aus seinem bewegten Leben erzählte und sich den Fragen der Mädchen stellen. Grundlage hierfür bot sein Buch „Faszination Amerika. Biografie einer Freundschaft von der NS-Zeit bis heute“, aus dem er einige Passagen vorlas.
Das Gespräch wurde durch die Lehrkraft Anne Lüft initiiert, die die beiden Enkelinnen von Herrn Dr. Hamberger unterrichtet. Im Rahmen des Deutschunterrichts beschäftigten sich die Schülerinnen beider Klassen bereits anhand der Lektüren „Damals war es Friedrich“ und dem „Tagebuch der Anne Frank“ mit dem Leben zur Zeit des Nationalsozialismus und waren gespannt, ihr Wissen anhand des Zeitzeugenberichts zu erweitern und persönliche Eindrücke aus erster Hand zu erfahren.
Dr. Hamberger erlebte als Kind die nationalsozialistische Diktatur, deren Philosophie völlig derjenigen seiner eigenen Familie widersprach. Diese war fest im katholischen Glauben verwurzelt und so wurde unser Gast zu Nächstenliebe, Toleranz und Achtung erzogen. Umso erschreckender muss es für ihn gewesen sein, als die jüdischen Freunde zunehmend schikaniert wurden und sich so oftmals zur Auswanderung gezwungen sahen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war er Zeuge der amerikanischen Besatzung. Hierin gründet wohl seine lebenslange Begeisterung für die amerikanischen Befreier und ihr Land, wo er auch einen Teil seiner Studienzeit verbrachte.
Alle Schülerinnen waren beeindruckt von den geschilderten Erinnerungen. Dr. Hamberger schilderte eindringlich die Suche nach Flugblättern, die von alliierten Bombern abgeworfen wurden, um die deutsche Bevölkerung über den Stand des Krieges zu informieren. Nachhaltig beeindruckt waren die Schülerinnen von einigen originalen Flugblättern, die sie sich anschauen konnten.
Nach viel zu knappen 90 Minuten verabschiedete sich Herr Dr. Hamberger, der die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft für die Schülerinnen greifbar und nachvollziehbar machte. Geblieben ist Betroffenheit und Nachdenklichkeit, wie es überhaupt zu einem solchen Unrechtsstaat kommen konnte. Geblieben ist aber auch die Erkenntnis, dass man sich gegen Unrecht und für eine offene, tolerante, demokratische Gesellschaft engagieren muss.
Der Dank für diese gewinnbringende Gesprächsrunde gilt zu allererst Herrn Dr. Hamberger, der sich sofort begeistert zeigte, unseren Schülerinnen einen Einblick in sein Leben zu gewähren und Frau Lüft, der es immer ein Anliegen ist, ihren Schülerinnen einen Blick über den schulischen Tellerrand zu gewähren.

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