Montag, 06.12.2021

Antigone zwischen Selbstzweifel und Verpflichtungen, Theaterbesuch des Maria-Ward-Gymnasiums

Unser Echo: Ein Beitrag der Gruppe Maria-Ward-Gymnasium

Aschaffenburg
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Foto: l.werlin
„Wird eine moderne Theatergruppe den Chor, wie er in der Tragödie des Sophokles üblich ist, auf die Bühne stellen? Wie wird die Kulisse für den Stoff aus der griechischen Mythologie gestaltet? Tragen die Personen Kostüme im Stil der Antike?“ Mit diesen und ähnlichen Fragen gingen die Oberstufenschül...
„Wird eine moderne Theatergruppe den Chor, wie er in der Tragödie des Sophokles üblich ist, auf die Bühne stellen? Wie wird die Kulisse für den Stoff aus der griechischen Mythologie gestaltet? Tragen die Personen Kostüme im Stil der Antike?“ Mit diesen und ähnlichen Fragen gingen die Oberstufenschülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums am Dienstag, dem 7.11.2017, zu „Antigone“, der Jugendtheateraufführung des „Theaterhaus Ensemble Frankfurt“ im Stadttheater Aschaffenburg.
Bereits im Eingangsprolog sprachen die vier Frauen und vier Männer den bezeichnenden Satz: „Wir wissen, dass wir alle ein Teil von Antigone sein werden.“ Und dies zeigten sie auch; denn die wichtigsten Rollen wurden im Chor oder im Wechsel von verschiedenen Personen gesprochen. Dies wirkte z. T. recht irritierend auf den Zuschauer, verwies aber auch durch die verschiedenen Stimmen auf die Vielschichtigkeit des jeweiligen Charakters und deutete die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten dieser Rolle an. Das göttliche Gesetz, das bei Sophokles Maßstab für Antigones Handeln ist und sie veranlasst, gegen König Kreons Verbot zu verstoßen, wurde nie thematisiert. Sie beerdigt ihren toten Bruder Polyneikes aus eigenem Willen, sichert ihm das Grundrecht der Menschenwürde auch über den Tod hinaus zu. Kreon muss konsequenterweise den Gesetzesbruch Antigones mit dem Tod bestrafen, deutet im Gespräch mit ihr aber an, auf die Strafe zu verzichten, wenn ihr Handeln in der Öffentlichkeit nicht bekannt wird. Antigone jedoch begeht im Verlies Selbstmord.
Manche der MWS-Schülerinnen kannten Sophokles‘ Tragödie und vermissten den Seher Teiresias oder wunderten sich über die Figur der Amme, die sich anfangs durch das Chorsprechen eher penetrant fürsorglich, dann aber auch als Vertrauensperson erwies. Spätestens im Nachgespräch, das sich an die Aufführung anschloss, wurde klar, dass das Theaterensemble die Variante des Antigonestoffes von Jean Anouilh umgesetzt hatte. Es wollte den Zuschauern einen Impuls geben, sich zeitgemäß mit dem antiken Stoff auseinanderzusetzen. Die Begleitmusik der Aufführung mit einem Kontrabass, komponiert von einem Ensemblemitglied, wirkte auf viele anfangs eher gewöhnungsbedürftig. Im Verlauf der Handlung trug sie das Geschehen stimmig und rundete es ab. Die schlichte Kulissengestaltung und die vereinheitlichenden Kostüme der Schauspieler wurden als positiv gesehen, weil dadurch der Inhalt des Stückes im Mittelpunkt stand.
Eva Hartmann, Q11
Foto: T. Gommert
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