Menschenrechte und Sport. Ein Vortrag von Sylvia Schenk von Transparency International am Dalberg-Gymnasium

Unser Echo: Ein Beitrag der Gruppe Karl-Theodor-v.-Dalberg-Gymnasium

Aschaffenburg
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Transparency Deutschland am Dalberg-Gymnasium
Frau Schenk von Transparency Deutschland am Dalberg-Gymnasium
Foto: Dr. Martin Trageser
Sie war Leichtathletin, Richterin, Frankfurter Stadträtin, Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, Vorsitzende von Transparency International Deutschland – Sylvia Schenk hatte einiges zu erzählen, als sie zwei Kurse der Q11 des Dalberg-Gymnasiums besuchte...
Sie war Leichtathletin, Richterin, Frankfurter Stadträtin, Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, Vorsitzende von Transparency International Deutschland – Sylvia Schenk hatte einiges zu erzählen, als sie zwei Kurse der Q11 des Dalberg-Gymnasiums besuchte. In den 1970er Jahren waren „aus heutiger Sicht alle korrupt“, stellte sie gleich zu Beginn fest, denn wohl jeder Spitzensportler – damals offiziell alle Amateure - wurde von großen Sportfirmen auch finanziell unterstützt. Die Olympiateilnehmerin von 1972 kam allerdings erst viele Jahrzehnte nach ihrer Sportkarriere dazu, sich intensiv mit Korruption zu beschäftigten. Richtig in den Fokus geriet das Thema in Verbindung zum Sport im Herbst 2010 durch Korruptionsvorwürfe bei der FIFA vor der Vergabe der Fußball-WM 2018 nach Russland und 2022 nach Katar. Hinzu kam Kritik an der Menschenrechtslage. Doch nicht alles, was über Menschenrechtsverletzungen in Katar geschrieben wird, ist richtig. So stellt Frau Schenk in ihrem differenzierten Vortrag fest, dass bei 2,4 Millionen in Qatar lebenden Migrantinnen und Migranten 15.000 Todesfälle in zehn Jahren statistisch keine außergewöhnliche Zahl ist. Entscheidend ist, welche Todesfälle vermeidbar waren und auf einer Rechtsverletzung beruhen. Auf Stadionbaustellen gab es seit Baubeginn 37 tödliche Unfälle, aber weitere mit der WM in Zusammenhang stehende Baustellen sowie Hitzefolgen müssen einbezogen werden. Auch wenn die Gesamtzahl möglicher Menschenrechtsverletzungen damit weit unter den teilweise in den Medien dargestellten Zahlen bleibt, ist eine genaue Untersuchung aller unklaren Todesfälle nötig. Nach der Kritik an der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2022 nach China und der Fußball-WM nach Katar wurden inzwischen Vergabekriterien und Ausrichterverträge für künftige Veranstaltungen geändert. In Katar brachten der öffentliche Druck und die Anwendung der UN Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte Verbesserungen, aber es bleibt noch einiges zu tun. In Zukunft muss der Sport eine Balance zwischen universellem Anspruch unter Beteiligung aller Nationen und seiner Verantwortung für die Menschenrechte finden. Einen Boykott von Großveranstaltungen hält Sylvia Schenk für falsch. Stattdessen rät sie: „Fahrt hin, redet mit den Menschen dort und findet heraus, wie sie leben.“ „Jetzt kommen die auf den ersten Blick einfachen Länder“, meint sie hinsichtlich der Olympischen Sommerspiele Paris und der UEFA EURO 2024 in Deutschland. Auch dort sind Menschenrechtsverletzungen beispielsweise in der Lieferkette oder prekäre Arbeitsverhältnisse in Gastronomie sowie im Reinigungs- und Sicherheitsgewerbe ein Risiko. Nach kurzweiligen 90 Minuten hatten die Kurse einen spannenden Einblick in die Welt des Sportes bekommen und eine engagierte sowie inspirierende Frau kennengelernt, deren Worte zum Nachdenken anregen.
Franz Fischer und Dr. Martin Trageser
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