Sonntag, 16.12.2018

„Mama, lass mich nicht allein!“ Eva Franz, Überlebende des Völkermords an den Sinti und Roma, erzählt Schülerinnen und Schülern des JEG von ihrer traurigen Kindheit während des Zweiten Weltkriegs.

Kaum zu glauben: Aus Angst vor Neonazis in ihrer Nachbarschaft hat Eva Franz darum gebeten, auf diesem Foto nicht erkennbar zu sein.
Thum
Freitag, 16. 11. 2018 - 19:10 Uhr

Am 14.11.2018 fand in der Aula des Julius-Echter-Gymnasiums in Elsenfeld eine Veranstaltung für die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe statt, wie sie es wohl nicht mehr lange geben wird: Eva Franz, geboren 1940, ist eine der letzten Zeitzeuginnen, die die Schrecken der Konzentrationslage...

Am 14.11.2018 fand in der Aula des Julius-Echter-Gymnasiums in Elsenfeld eine Veranstaltung für die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe statt, wie sie es wohl nicht mehr lange geben wird: Eva Franz, geboren 1940, ist eine der letzten Zeitzeuginnen, die die Schrecken der Konzentrationslager am eigenen Leib erlebt – und überlebt haben. Nach einer kurzen historischen Einführung durch die Moderatorin Birgit Mair hat Eva Franz das Wort, und in der nächsten Stunde wird sie die Schüler in die grausame Welt ihrer Kindheit entführen, die sie in den KZs Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen verbringen muss, bis sie und ihre Leidensgenossen von britischen Truppen im April 1945 befreit werden. Eva Franz ist gerade einmal fünf Jahre alt, aber bis an ihr Lebensende durch die grausamen Erlebnisse gezeichnet: Die in den rechten Unterarm eintätowierte Häftlingsnummer 4167 begleitet sie bis heute und ist ein Teil von ihr.Eva Franz ist sichtlich emotional berührt, die schlimmen Erlebnisse werden ihr durch das Er-zählen wieder gegenwärtig. Die Schüler lauschen gefesselt und können vieles kaum glauben, so fern von ihrer eigenen Gegenwart ist das, was sich vor über 70 Jahren ereignet hat. Im Zigeunerlager in Auschwitz-Birkenau, in das die Familie gesperrt wird, liegt die Todesrate bei 95 Prozent. Evas ältere Schwester stirbt schon vier Wochen nach der Einlieferung an Typhus. Der Vater trifft im Lager einen Freund, der in der Küche arbeitet. Mit dessen Hilfe bekommt die kleine Eva etwas zu essen, aber sowohl die SS wie auch andere Häftlinge dürfen davon nichts erfahren. Ein paar Mal geht alles gut, doch dann wird der Vater erwischt und auf dem berüchtigten „Bock“ vor den Augen der angetretenen Lagerinsassen ausgepeitscht, bis die Haut in Fetzen vom Rücken herunterhängt. Der Vater wird später von Eva getrennt und kommt ins KZ Mauthausen, während Eva bei ihrer Mutter bleibt. Sie kann sich bis heute daran erinnern, wie ihr die Mutter immer wieder ein-schärfte, sitzen zu bleiben, während sie selbst Zwangsarbeit verrichten musste. Kurz vor der Befreiung durch die Briten stirbt Evas Mama in Bergen-Belsen an Erschöpfung. Sie ist nun ganz allein. Als ihr Vater und eine Tante, die einzige ihrer großen Familie das KZ überlebt haben, von Evas Existenz hören, gelingt es ihrem Vater sein Kind ausfindig zu machen und heim nach Fulda zur Großmutter zu holen. Am Schluss ihrer berührenden Erzählungen wünscht Eva Franz allen Schülern, dass sie so etwas nie erleben müssen.
tum

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden