Freitag, 04.12.2020
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Ein Highschool-Lehrer berichtet über die US-Wahl

Die eifrigen Schüler beim Onlinegespräch mit Keegan Hecht
Iberle
Montag, 16. 11. 2020 - 10:07 Uhr

Keegan Hecht unterrichtet Politik an einer amerikanischen Highschool in Sioux Falls, im Bundesstaat South Dakota. Wie auch für die große Mehrheit der US-Amerikaner, war die Präsidentschaftswahl am 3. November für ihn ein einschneidendes Erlebnis. Als Experte auf diesem Gebiet hat er einen guten Überblick über die politischen Verhältnisse in den USA. Gerne teilte daher Keegan Hecht, der auch schon Erfahrung als Lehrer in Deutschland gesammelt hat, sein Wissen mit den Q12-SchülerInnen des Hermann-Staudinger-Gymnasiums.
Gleich zu Beginn machte Mr. Hecht deutlich, dass er sich als Wähler der demokratischen Partei sehr über Joe Bidens Wahlsieg gefreut hat. Das änderte sich jedoch schnell, als der Highschool-Lehrer erwähnte, dass er gegenüber den eigenen SchülerInnen seine politische Präferenz für sich behält, weil diese zu 80% dem republikanischen Lager angehören. Was hierzulande für viele schwer begreifbar ist, nämlich eine Partei mit einem notorischen Lügner an der Spitze zu wählen, konnte Keegan Hecht den SchülerInnen mit durchaus nachvollziehbaren Gründen erklären.
Die Republikaner haben traditionell die Mehrheit der Bevölkerung in dünn besiedelten Gegenden der USA, zu denen auch South Dakota gehört, hinter sich. Dies läge auch daran, dass das Problembewusstsein für die Schwerpunkte der demokratischen Partei wie Migrationspolitik, Gleichberechtigung oder Klimapolitik nicht wirklich vorhanden ist. Viele Lebensbereiche im Alltag, wie eine gute Infrastruktur an öffentlichen Verkehrsmitteln oder saubere Luft , die im Leben der Großstädter an den Küsten eine große Rolle spielen, finden in den weitläufigen Regionen des Mittleren Westens schlichtweg nur wenig Beachtung. Der Staat wird von vielen Bewohnern, typisch für den individuellen und freiheitsliebenden Lebensstil der Amerikaner, eher als Bedrohung gesehen. Zudem fühlen sich viele strenggläubige US-Amerikaner dem Präsidenten und seiner Partei verbunden, da diese traditionell den rigiden Wertekanon dieses Bevölkerungsteils vertritt. Neben dieser, relativ „harmlosen“ Mehrheit der republikanischen Wählerschaft machte Keegan Hecht aber auch deutlich, dass von Teilen der Trump-Anhängerschaft vor allem aus zwei Gründen eine große Gefahr für das Land ausgeht. Zum einen gibt es eine gefährlich große Anzahl an gewaltbereiten Trump-Jüngern mit rassistischem Weltbild. Es handelt sich oftmals um frustrierte, junge, weiße Männer. Zum anderen beobachtet Keegan, dass die Gruppe derjenigen, die sich von den Lügen des Präsidenten verführen lässt, ein zunehmend gefährliches Ausmaß annimmt. Auf die Frage des HSG-Schülers Arthur Wetz, wie man denn als Lehrer damit umgehen kann, berichtet Keegan aus eigener Erfahrung, dass sich die Teenager in seinen Klassen durch einen erhobenen Zeigefinger des Lehrers kaum würden umstimmen lassen. Als erfolgversprechender sieht er die Methode „Fact-Checking“, indem er beispielsweise die Tweets des Präsidenten auf Wahrgeitsgehalt durch die Schüler untersuchen zu lassen.

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