Vortrag von Hans Winter zum Ernsbacher Helden Heinrich List - „Geschichte ist nicht immer schön, aber wichtig!“ Der Ernsbacher Heinrich List rettete einem Juden das Leben und starb im KZ Dachau

Unser Echo: Ein Beitrag der Gruppe Heimat- und Geschichtsverein Laudenbach

Laudenbach
2 Min.

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Referent Hans Winter und Horst Eilbacher
Dank an Hans Winter für den bewegenden Vortrag
Foto: HeribertWolf
Das letzte Wort am Sonntagnachmittag hatte Horst Eilbacher, der Vorsitzende des HGV-Laudenbach. Nach dem eindrucksvollen Vortrag des langjährigen Michelstädter Stadtarchivars Hans Winter über das Schicksal des Ernsbacher Bauern Heinrich List verabschiedet er die rund 50 höchst interessierten Zuhörer...
Das letzte Wort am Sonntagnachmittag hatte Horst Eilbacher, der Vorsitzende des HGV-Laudenbach. Nach dem eindrucksvollen Vortrag des langjährigen Michelstädter Stadtarchivars Hans Winter über das Schicksal des Ernsbacher Bauern Heinrich List verabschiedet er die rund 50 höchst interessierten Zuhörer in Laudenbach mit den Worten: „Geschichte ist nicht immer schön, aber wichtig!“
Das war auch die Essenz des 90-minütigen Referats über den Fall eines Mannes aus dem Erbacher Stadtteil, der monatelang Ferdinand Strauß vor der Nazi-Verfolgung versteckt hatte und ihm das Leben rettete, weil Strauß in letzter Sekunde vor Gestapo und SS fliehen konnte. List kostete seine mutige Tat das Leben, er starb nach knapp drei Monaten Inhaftierung im KZ Dachau – ein weiteres Opfer der Nazi-Gräuel.

Engagierte Heimathistoriker aus Michelstadt, unter ihnen auch der Referent, stießen 1990 auf ein Buch über „Juden in Michelstadt“ von Martin Schmall mit der Geschichte des Heinrich List. Seither hat sich Win-ter auf die Suche nach den Spuren des Ernsbacher Bauern und seiner mutigen, humanen Aktion gemacht. In dem Buch hieß es: „Der jüdische Mitbürger Ferdinand Strauß zog 1939 von Michelstadt nach Frankfurt. Er kehrte jedoch Anfang 1942 heimlich zurück und versteckte sich längere Zeit unbemerkt in Ernsbach bei seinem Bekannten, dem Landwirt List. Vermutlich durch Verrat eines polnischen Landarbeiters wurde das Versteck der Polizei bekannt. Strauß konnte sich in letzter Minute im März 1942 vor seiner Verhaftung in Sicherheit bringen und über die Schweiz in die USA flüchten, wo er heiratete und bis 1962 lebte. Der Land-wirt List jedoch wurde verhaftet und an die Gestapo in Darmstadt ausgeliefert. Nach wochenlangen Verhö-ren wurde er nach Dachau gebracht. Drei Monate später erhielten die Angehörigen die Nachricht, dass er - vorher „ein kerngesunder Mann“ - dort an einem Phlegmon im Unterschenkel verstorben war. Er musste seine Hilfsbereitschaft mit dem Leben bezahlen.“ Lists Frau erhielt eine „strenge Verwarnung“. Sie blieb in Ernsbach und starb dort 1965.

Es gab lange viele Widerstände gegen die Aufarbeitung der Vergangenheit, bis endlich eine Erinnerungsta-fel am Fuß des Kriegerdenkmals angebracht wurde. Immerhin gibt es heute einen „Heinrich-List-Weg“ in Ernsbach. Seit einigen Jahren erinnert eine Tafel in Yad Vashem an Heinrich List, der auf Initiative von Hans Winter, nun als ein „Gerechter unter den Völkern“ gilt. Seit dem vergangenen Jahr ist der „Fall Hein-rich List und Friedrich Strauß“ in der neuen Ausstellung „Stille Helden“ im Berliner Bendlerblock zu sehen.
Am Ende erfuhren die Zuhörer noch, dass es auch verwandtschaftliche Verbindungen gibt: Horst Eilbacher „outete“ Heinrich List als „Cousin meiner Mutter aus Vielbrunn“ bevor er noch einmal eine Lanze für den ehrlichen Umgang mit der Vergangenheit brach: „Mit der Geschichte der zwölf Jahre des ‚Tausendjährigen Reichs‘ offen umzugehen ist nicht nur eine historische Aufgabe, sondern auch eine ethisch-moralische!
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