Laudenbach: Osternachtsingen als immaterielles Kulturerbe

Unser Echo: Ein Beitrag der Gruppe Heimat- und Geschichtsverein Laudenbach

Laudenbach
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

016
Foto: HeribertWolf
Das Osternachtsingen von Laudenbach im Landkreis Miltenberg soll in die bundesweite Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden. Die religiöse Tradition, bei der junge Männer nachts singend durch das Dorf ziehen, gibt es nur noch dort...
Das Osternachtsingen von Laudenbach im Landkreis Miltenberg soll in die bundesweite Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen werden. Die religiöse Tradition, bei der junge Männer nachts singend durch das Dorf ziehen, gibt es nur noch dort. Der Heimat- und Geschichtsverein und die Gemeinde Laudenbach haben eine entsprechende Bewerbung bei der Unesco-Kommission eingereicht.

Junge Männer ziehen singend durch die Nacht
"Wir wollen diese besondere Form der Brauchtumspflege wertschätzen und bewusstmachen, dass dieser Brauch etwas Besonderes ist. Das Osternachtsingen ist einzigartig. In dieser Form gibt es das nur noch in Laudenbach", erklärt Horst Eilbacher vom Heimat- und Geschichtsverein Laudenbach.
Eine Gruppe von zwölf bis 16 jungen Männern im Alter von 16 bis 30 Jahren zieht in der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag und in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag durch das ganze Dorf. Vor jedem Haus verkünden sie die Kreuzigung von Jesus, die Grablegung und seine Auferstehung. Dabei singen sie dreistimmig und machen mit Ratschen – oder in Mundart "Raspeln" – auf sich aufmerksam.
Der Text zur Auferstehung lautet folgendermaßen: "Erstanden ist heut' Gottes Sohn, auferstanden ist Gottes Sohn. Christus ist erstanden von seinen Martern allen. Alleluja! Das ist das Ave Maria. Erstanden ist Herr Jesu Christ, der aller Welt Erlöser ist. Alleluja! Das ist das Ave Maria, Maria."
Bei dem Brauch geht es auch um die Gemeinschaft unter den jungen Männern. "Uns gefällt der Zusammenhalt in der Gruppe. Manche Leute trifft man nur beim Raspeln. Sie sind das Jahr über zum Studium oder beruflich weg", wird einer der aktiven Sänger in der offiziellen Bewerbung zitiert. Laudenbach ist eine überwiegend katholische Gemeinde und hat etwa 1.400 Einwohner. Das Osternachtsingen ist ein religiöser Brauch. Teil der Tradition ist es, dass die Sänger männlich und unverheiratet sind. In beiden Nächten bekommen die Sänger von den Anwohnern Verpflegung.

Der Brauch war 1908 zum ersten Mal in einem Schreiben der Gemeinde an das Bezirksamt Miltenberg erwähnt worden. In den 1920er-Jahren hatte es den Brauch noch im bayerischen Spessart und Odenwald gegeben. Der Laudenbacher Heimat- und Geschichtsverein hofft, dass auch andere Orte die Tradition wieder aufleben lassen – sollte Laudenbach in die Liste des Kulturerbes aufgenommen werden.

Nach der Bewerbung des Laudenbacher Osternachtsingens folgt nun ein mehrstufiges Verfahren, an dem unter anderem die Länder, die Kultusministerkonferenz und die Deutsche Unesco-Kommission beteiligt sind. Bis April soll entschieden werden, ob es in die bayerische Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wird. Die Entscheidung über die Aufnahme ins deutschlandweite Verzeichnis folgt erst 2021.
Im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes sind derzeit 97 Einträge gelistet. Das Verzeichnis zeigt, welche lebendigen kulturellen Traditionen es in Deutschland gibt.
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!