Montag, 17.12.2018

Zwei Koffer zum Gedenken an deportierte Juden aus Schöllkrippen

HGVKahlgrund
Mittwoch, 02. 05. 2018 - 08:27 Uhr

„Ich heiße Henriette Neumann, bin 14 Jahre alt und wurde am 25. April 1942 nach Krasnystaw in Ostpolen deportiert. Ich bin nie mehr zurückgekehrt.“ Nach diesen Sätzen dreht sich die schwarz gekleidete Shannon um...

„Ich heiße Henriette Neumann, bin 14 Jahre alt und wurde am 25. April 1942 nach Krasnystaw in Ostpolen deportiert. Ich bin nie mehr zurückgekehrt.“ Nach diesen Sätzen dreht sich die schwarz gekleidete Shannon um. Auch fünf weitere Klassenkameraden stellen sich mit den Namen von deportierten jüdischen Jugendlichen vor. Zum Schluss blicken die Zuschauer auf eine Wand schwarzer Rücken. „Ich saß da mit einer Gänsehaut“, bekannte eine Zuschauerin später.
Schüler der Klasse 7cM an der Mittelschule Schöllkrippen hatten unter der Leitung ihres Klassenlehrers Jürgen Glaab einen beklemmenden Kontrast dargestellt. Eine Gruppe, Jugendliche der heutigen Zeit, schilderte voller Vorfreude ihre Pläne für den anstehenden Urlaub. Völlig anders war die Stimmung einer zweiten Gruppe. Sie berichtete von der anstehenden Deportation 1942.
Beide Schülergruppen traten in einer Veranstaltung des Heimat- und Geschichtsvereins Oberer Kahlgrund (HGV) auf. Der stellte am 25. April 2018 in der Aula der Mittelschule Schöllkrippen das Projekt ‚DenkOrte Aumühle-Schöllkrippen‘ der Öffentlichkeit vor. Hintergrund des Projekts ist der Ladebahnhof Aumühle in Würzburg. Von 1941 bis 1944 waren von dort 1.873 jüdische Menschen aus ganz Unterfranken in Vernichtungslager abtransportiert worden – nur 59 überlebten. An einem Zugang zu dem ehemaligen Ladebahnhof soll ein Gedenkort entstehen. Alle Gemeinden Unterfrankens sind aufgerufen, mit der Nachbildung eines Gepäckstücks zu dem Mahnmal beizutragen und außerdem ein gleiches Gepäckstück in ihrem jeweiligen Ort zu installieren.
Sieben der vom Ladebahnhof Aumühle deportierten Juden stammten aus Schöllkrippen. An sie will der HGV erinnern. „Aus den Fehlern anderer zu lernen ist schwer, aber nicht unmöglich. Deshalb müssen wir immer wieder an Geschehnisse erinnern, die sich nicht wiederholen sollen“, erklärte die HGV-Vorsitzende Michaela Gagola.
Die Beteiligung der Gemeinde Schöllkrippen an dem Projekt ist vorbereitet. Mit der Fertigung der aus Stahl in Edelrost-Optik gefertigten Gedenk-Koffer wurde der Kunstschmied Florian Wissel beauftragt. Der für Schöllkrippen bestimmte Koffer wird neben der Stele zur Erinnerung an die Synagoge stehen. Die Übergabe soll am 9. November sein.
Bürgermeister Reiner Pistner sicherte dem Arbeitskreis DenkOrte Aumühle-Schöllkrippen die Unterstützung der Gemeinde zu. „Es ist wichtig, dass wir die Erinnerung an dieses furchtbare Kapitel in der deutschen Geschichte auch in unserer Gemeinde wach halten“, betonte er.

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