Donnerstag, 27.02.2020
75 Jahre Main-echo Main-Echo Startseite

Biber – Nagen für den Artenschutz

Wolfgang Neuberger
Donnerstag, 13. 02. 2020 - 20:24 Uhr

Granteln, schimpfen und fluchen tun sie gern die Bayern – auch über ihre „Problembiber“ und deren vermeintliche Schäden in der Natur! Doch spätestens seit dem Vortrag von Ulrich Meßlinger, der vom Bund Naturschutz am vergangenen Dienstag 11.02 im Restaurant Centgraf in Bürgstadt veranstaltet wurde, wird´s Zeit für ein Umdenken. Zumindest was den aktiven Artenschutz angeht, ist der Biber den meisten von uns um Längen voraus.

Mit zahlreichen Beispielen veranschaulichte der Biologe, der schon viele Publikationen, Vorträge und sogar ein Kinderbuch über den Biber verfasst hat, welch enorm positiven Einfluss das possierliche Tierchen, und sein selbst geschaffener Lebensraum, auf andere Arten hat.
So sind Biberteiche, mit ihren Dämmen und vielfältigen Strukturen wertvolle Brutstätten für viele gefährdete Libellenarten. Mit Daten aus Langzeitstudien zeigte Meßlinger, dass ein starker Bibereinfuss die Artenzahl an Libellen sogar steigen lässt. Dieser positive Effekt lies sich auch für Amphibien nachweisen, für die Biberteiche in Trockenjahren oft die letzte Chance zum Überleben sind.

Auch Fledermäuse und Vögel der Agrarlandschaft, die immer weniger werden, profitieren vom Biber. Meßlinger sprach sich deshalb klar dafür aus, dem Biber wieder mehr Raum in unserer Kulturlandschaft einzuräumen. „Nachhaltig hohe Biodiversität braucht Platz für Entwicklung und Dynamik!“, betonte Meßlinger. Oft fehle es jedoch am politischen Willen, dies umzusetzen. Er hofft, dass sich mit dem Volksbegehren Artenvielfalt, und den damit verbundenen Änderungen im Naturschutzgesetzt, bald etwas tut. Der bessere Schutz von Uferrandstreifen wäre ein erster Anfang!

Für den Biber, und die mit ihm wiederkehrenden Tier- und Pflanzenarten, sind Uferrandstreifen ein Zugewinn an Lebensraum und eine Möglichkeit um Biotope untereinander zu vernetzen. Mit ihnen könnten viele Konflikte zwischen Bibern und Landnutzung vermieden werden und Schadstoffeinträge in Gewässer verringert!

„Auch volkswirtschaftlich betrachtete, ist der Nutzen vom Biber weitaus größer als die Kosten, die er verursacht“, so Meßlinger. Die lauten Klagen von Betroffenen würden politisch jedoch oft ernster genommen, als das Interesse der Allgemeinheit.

Es wird also Zeit, das Image des Bibers auch in Bayern aufzupolieren! Mit einem Schmunzeln auf den Lippen erzählte Meßlinger vom Bibertourismus und einem Biberhotel in Schottland. Vielleicht findet sich ja auch in Spessart, Rhön und Odenwald ein Hotelier der Tourismus und Umwelt- und Naturschutz in Einklang bringt? Der Erholungswert von natürlich geschaffenen Biberlandschaften ist schließlich nicht zu unterschätzen!

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden