Mittwoch, 22.05.2019

Der Klassizismus von Herigoyen in Aschaffenburg: Höhepunkte eines europäischen Baustils

Aus Hochachtung vor dem Architekten wurde die Fassade des zerstörten und abgetragenen Rathauses in den 1950er Jahren wieder nach den Plänen von Herigoyen aus dem Jahr 1790 rekonstruiert.
Wilfried Kaib
Montag, 09. 07. 2018 - 10:27 Uhr

Europa in Aschaffenburg erleben? „Ja das geht, auch dank des Architekten Emanuel Josef von Herigoyen, dem Hofarchitekten der Mainzer Kurfürsten Erthal und Dalberg“, erläutert Bruno Geißel, ausgewiesener Kenner der Aschaffenburger Baugeschichte, bei einem Rundgang anlässlich der diesjährigen Kulturta...

Europa in Aschaffenburg erleben? „Ja das geht, auch dank des Architekten Emanuel Josef von Herigoyen, dem Hofarchitekten der Mainzer Kurfürsten Erthal und Dalberg“, erläutert Bruno Geißel, ausgewiesener Kenner der Aschaffenburger Baugeschichte, bei einem Rundgang anlässlich der diesjährigen Kulturtage. Nicht nur, fährt er fort, weil Herigoyen in Portugal als Sohn eines Franzosen und einer Österreicherin geboren wurde und in Paris und Wien studierte, sondern weil mit dem sich auf die Antike beziehendem Baustil des Klassizismus, in dem er baute, eine neue Zeit in das noch mittelalterlich geprägte Stadtbild Aschaffenburgs einzieht.
In der etwa von 1750 bis1850 dauernden Epoche des Klassizismus wirkte Herigoyen ab 1774 30 Jahre lang in Aschaffenburg. Deshalb kann man den ganzen Verlauf der Epoche mit ihren verschiedenen Ausprägungen in seinem Werk beobachten. Zunächst hatte Herigoyen unter Erthal sämtliche Parkstaffagen und das Schlösschen im Schönbusch im Stil des Klassizismus errichtet. Um 1782 beauftragte der Kurfürst seinen Architekten, einen Frühstückspavillon im Schlossgarten zu bauen. Der runde Kuppelbau mit einem vorgesetzten Eingangsbereich, geplant nach Kupferstichvorlagen aus England, ist ein Beispiel dafür, dass klassizistische Einflüsse nicht nur aus Südeuropa und Frankreich kamen. Normalerweise kann man nur durch die Fenster in das Innere schauen, aber Geißel öffnete die Tür, und die Gruppe der Altstadtfreunde und weiterer Besucher konnten die Pracht der Inneneinrichtung direkt bewundern.
Herigoyen baute nicht nur im Auftrag des Kurfürsten, sondern prägte auch mit repräsentativen Wohnhäusern in schlichtem Dekor das Stadtbild. An fünf herausragenden Beispielen erläuterte Geißel die Stilelemente des klassizistischen Wohnhauses. Auch das Sitzungssaalgebäude des Rathauses aus den 1950er Jahren ist eine Nachbildung des früheren klassizistischen Rathauses nach den Plänen von Herigoyen von 1790.
„Klassischen Klassizismus“ nennt Geißel das „Kornhäuschen“ Herigoyens von 1805, eine freistehende, offene Säulenhalle mit Eckrisaliten nach den Vorbildern antiker griechischer Bauten, die nach dem Wunsch von Carl Theodor von Dalberg dem Schlossplatz einen würdigen Abschluss geben sollte.
Der Rundgang endete mit einem Blick auf das Pompejanum, einem abschließenden Höhepunkt des Klassizismus in Aschaffenburg, diesmal erbaut auf Wunsch des italienbegeisterten bayerischen Königs Ludwig I. von dem Architekten Friedrich von Gärtner 1840 bis 1848.

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