Montag, 20.05.2019

Der Niederwald bei Rüdesheim als Beispiel und Vorbild für den Godelsberg in Aschaffenburg

Altstadtfreunde
Montag, 30. 10. 2017 - 12:37 Uhr

Die Belange der Gartendenkmalpflege, des Naturschutzes und der Forstwirtschaft können durchaus erfolgreich in Einklang gebracht werden, selbst bei Sichtachsen im Wald oder im Landschaftsschutzgebiet. Diese Erkenntnis haben die Aschaffenburger Altstadtfreunde im Osteinschen Parkwald oberhalb von Rüde...

Die Belange der Gartendenkmalpflege, des Naturschutzes und der Forstwirtschaft können durchaus erfolgreich in Einklang gebracht werden, selbst bei Sichtachsen im Wald oder im Landschaftsschutzgebiet. Diese Erkenntnis haben die Aschaffenburger Altstadtfreunde im Osteinschen Parkwald oberhalb von Rüdesheim gewonnen. Josef Forman, Vorsitzender der Altstadtfreunde, zeigte sich beeindruckt: „Die Schönheit der Natur ist behutsam mit wenigen Mitteln hervorgehoben, sodass die Rheinromantik für uns heute wieder erlebbar wird.“

Graf Ostein, 1735 in Sankt Petersburg geboren und gestorben 1809 in Aschaffenburg, hatte den Niederwald über dem Rhein zwischen 1764 und 1791 zum Zierwald gestaltet. Von ihm gingen wesentliche Impulse für die Romantik aus. Ein Landschaftsgarten im englischen Stil wird von einem Planer entworfen, der eine künstliche Landschaft so imaginiert und in Plänen darstellt, dass der Garten später wie natürlich anmutet. Als Ostein den Parkwald gestaltete, ging er umgekehrt vor. Ausgangspunkt sind die vielfältigen Besonderheiten der vorgefundenen Natur: dichter, dunkler Wald, mächtige, knorrige Eichen, lichte Wiesen und Aussichtspunkte, von denen die Blicke auf den Rhein und in die Ferne schweifen, vergleichbar der Sicht in Aschaffenburg vom Godelsberg auf die Stadt und über die Mainebene, ein Blick, der ursprünglich möglich war, heute aber durch den Wald versperrt ist.

Als die Aschaffenburger Stadtväter in der Mitte des 19. Jahrhunderts Godelsberg und Büchelberg parkartig mit Wegen und Aussichtsterrassen gestalteten, könnten sie den damals weithin berühmten Osteinschen Zierwald vor Augen gehabt haben. Und Adam Kipp, der Chauseebaumeister, der 1839 auf dem Godelsberg eine Ruinenstaffage im gotischen Stil als Weinberghäuschen und Aussichtsturm errichtete, kannte er die Burgruine Rossel im Niederwald über dem Rhein? War dies das Vorbild für die Kippenburg?

Von dem Leiter des Parkwaldes, Steffen Domschke von den Staatlichen Schlössern und Gärten in Hessen, geführt, konnten die Altstadtfreunde die Rossel von außen und innen begutachten. Muster für die Kippenburg? Bruno Geißel, Aschaffenburger Denkmalexperte, wollte die Frage noch nicht entscheiden: „Wir werden die gemachten Fotos und Notizen noch auswerten, aber auf den ersten Blick gibt es viele Gemeinsamkeiten.“ Die Ruine Rossel jedenfalls wurde vorbildlich restauriert, als romantische Ruine versteht sich. Forman: „Wir wünschten uns solches auch für die Kippenburg.“

Text und Fotos: W. Kaib

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