Dienstag, 21.05.2019

Glanzlichter der Aschaffenburger Baugeschichte: Der Architekt Emanuel Joseph von Herigoyen

Altstadtfreunde
Dienstag, 11. 07. 2017 - 18:46 Uhr

Die Spuren, die Emanuel Joseph von Herigoyen (1747 – 1817), der Hofarchitekt Dalbergs, in Aschaffenburg hinterlassen hat, zeigte der Experte für Denkmalpflege, Bruno Geißel, zusammen mit Josef Forman, dem Vorsitzenden der Altstadtfreunde, bei einem Stadtrundgang anlässlich der Kulturtage...

Die Spuren, die Emanuel Joseph von Herigoyen (1747 – 1817), der Hofarchitekt Dalbergs,
in Aschaffenburg hinterlassen hat, zeigte der Experte für Denkmalpflege, Bruno Geißel, zusammen mit Josef Forman, dem Vorsitzenden der Altstadtfreunde, bei einem Stadtrundgang anlässlich der Kulturtage. Geißel: „Herigoyen war einer der ganz großen Architekten seiner Zeit, der Karriere bis zum obersten Baubeamten des Königreiches Bayern machte.“

Herigoyen zeichnete die Pläne des Parks Schönbusch. Er entwarf dessen Bauten und Parkstaffagen sowie die des Hofguts Nilkheim. Unübersehbar in der Stadtsilhouette ist sein Frühstückspavillon (1782) im Schlosspark über dem Main. Schloss Johannisburg hatte er im Auftrag des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Friedrich Carl Joseph von Erthal (1719 – 1802) von 1774 – 1784 innen im modernen französischen Stil umgestaltet: Renaissancedekor wurde durch frühen Klassizismus ersetzt. Herigoyens „Kornhäuschen“ von 1805 sollte nach dem Wunsch von Carl Theodor von Dalberg dem Schlossplatz würdigen Abschluss geben. Es ist eine offene Säulenhalle nach antikem Vorbild mit Eckrisaliten, vor der früher ein Getreidemarkt abgehalten wurde.

Das heutige Sitzungssaalgebäude, Dalbergstraße 15, steht an der Stelle des alten Rathauses, das nach den Plänen von Herigoyen im Jahr 1790 im klassizistischen Stil errichtet, aber im Krieg zerstört und 1956 schließlich abgetragen wurde. Bei dem Neubau der Fassade orientierte sich der Architekt Diez Brandi dann eng an dem Entwurf Herigoyens.

Neben den höfischen Bauten und Repräsentationsbauten ist Herigoyen auch Urheber verschiedener stattlicher Wohnhäuser. Geißel hob die Karlstraße 2 (1803) neben dem Portalvorbau wegen eines besonderen Fensters hervor. Geißel: „ Bemerkenswert ist im Erdgeschoss des erhaltenen rechten Anbaues das von Andrea Palladio (1508-80) vielfach verwendete Motiv venezianischer Fenster oder einer Serliane – Rundbogenfenster mit zweiseitig anschließenden schmalen Rechteckfenstern.“

Das Haus Steingasse 20 (1804) hat 5 Fensterachsen mit einem Mittelrisalit. Der Architekturschmuck besteht im Erdgeschoss aus Bandrustika, einer Verdachung der drei mittleren Fenster im ersten Obergeschoss, deren Rahmen noch profiliert sind, und den vier Gesimsen (Sockelgesims, Gurtgesims, Brüstungsgesims und Traufgesims), letzteres mit Volutenkonsolen. Das Haus Steingasse 1 mit Eckrisaliten und Giebeldreieck hat „in der Sichtachse der Herstallstraße eine hervorgehobene städtebauliche Stellung“.
Wilfried Kaib

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