Dienstag, 21.05.2019

Kirchenruine im Schöntal: Höhepunkt eines Stadtrundgangs mit Seltenheitswert

Altstadtfreunde
Dienstag, 04. 07. 2017 - 19:26 Uhr

Da es für fast alle das erste mal war, dass sie das Innere der Ruine im Schöntal betreten konnten, war dies der Höhepunkt eines Rundgangs zur Baugeschichte Aschaffenburgs im 16. Jahrhundert, zu dem die Altstadtfreunde anlässlich der Kulturtage eingeladen hatten...

Da es für fast alle das erste mal war, dass sie das Innere der Ruine im Schöntal betreten konnten, war dies der Höhepunkt eines Rundgangs zur Baugeschichte Aschaffenburgs im 16. Jahrhundert, zu dem die Altstadtfreunde anlässlich der Kulturtage eingeladen hatten. Bruno Geißel, Experte in Fragen der Denkmalpflege, führte die Gruppe vom Schloss zum Schöntal.
Geißel: „Dass die Ruine im Park heute wie eine idyllische und romantische Situation anmutet, war Absicht, als ab 1778 ein bestehender Wildpark zu einem Landschaftsgarten im englischen Stil umgestaltet wurde.“ Tatsächlich geht das Mauerwerk aber auf die „Kirche zum Heiligen Grab“ zurück, die Albrecht Kardinal von Brandenburg 1543-45 vor den Toren der Stadt für die Beginen, einer religiös und sozial ausgerichteten Lebensgemeinschaft alleinstehender Frauen, hatte errichten lassen. Es handelte sich um eine einschiffige Hallenkirche mit rundem Abschluss. Außen sind noch die Reste dreier Strebepfeiler erhalten.
Begonnen hatte die Führung an Schloss Johannisburg, einem herausragenden Beispiel der deutschen Spätrenaissance. Gegenüber, Schlossplatz 7, steht ein Bau der Neurenaissance aus den Jahren 1904/05 mit einem Eckquader, auf dem der Vorgängerbau von 1594 zu sehen ist.
Am Gebäude Webergasse 3 bezeugt der Wappenstein das Baujahr 1592. Aufgrund des Schmuckgiebels und des Portals mit dem Wappen des Kurfürsten Wolfgang von Dalberg kann es der Renaissance zugeordnet werden. An dem Haus Pfarrgasse 8 findet sich ein schönes Renaissanceportal, das 1591 eingebaut wurde. Das Haus selbst sei, so Geißel, mindestens 150 Jahre älter. Um 1600 erbaut, beeindruckt das „Haus zum Storchennest“, Erbsengasse 2, mit einem originellen Giebelzierrat aus Delphinleibern und eine Halbfigur mit Delphinschwänzen.
Drei Häuser (Rathausgasse 4, Am Heißem Stein 4 und Sandgasse 33) zeugen mit zeittypischem Fachwerk von der Pracht stattlicher Bürgerhäuser des 16. Jahrhunderts. Geißel: „Jedes Geschoss ist statisch selbständig abgezimmert und kragt aus.“ Auf das frühe 16. Jahrhundert datiert die Maria-Schnee-Kapelle, die aus Platzmangel über der Außenhalle der Stiftskirche eingebaut und laut Weihestein im Innern am 21. Oktober 1516 von Albrecht Kardinal von Brandenburg geweiht wurde.
Josef Forman, Vorsitzender der Altstadtfreunde, zeigte sich am Ende der Führung erfreut: „Wir haben in Aschaffenburg bedeutende Baudenkmäler aus der Zeit der Reformation, die uns heute noch zeigen, dass es eine Zeit des Aufbruchs war.“
Wilfried Kaib

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