Samstag, 08.05.2021

Kirche von morgen soll Heimat bieten - Aschaffenburger Gemeindemitglieder interviewen ihren alt-katholischen Bischof

Unser Echo: Ein Beitrag der Gruppe Alt-katholische Gemeinde Aschaffenburg

Aschaffenburg
Kommentieren
2 Min.

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Bischof20Dr20Matthias20Ring20im20GesprC3A4ch
Der alt-katholische Bischof Dr. Matthias Ring im Gespräch.
Foto: Klaus Scherer
Weihe20von20Brigitte20Glaab20201020-201
Bischof Dr. Matthias Ring hat eine besondere Beziehung zu Aschaffenburg. Bei seiner ersten Weihehandlung im Jahr 2010 weihte er in der Aschaffenburger Christuskirche Brigitte Glaab aus Wiesen zur Priesterin.
Foto: Clemens Wombacher
Weihe20von20Brigitte20Glaab20201020-202
Bischof Matthias und die erwachsenen Töchter von Brigitte Glaab legten der neu geweihten Priesterin das Priestergewand an.
Foto: Clemens Wombacher
Weihe20von20Brigitte20Glaab20201020-203
Anschließend feierte Bischof Matthias mit Neupriesterin Brigitte Glaab die Eucharistie.
Foto: Clemens Wombacher
Viele römisch-katholische Christen hoffen nach der Amazonien-Synode auf Veränderungen beim Pflichtzölibat und der Rolle der Frau. In der alt-katholischen Kirche gibt es seit langem verheiratete Priester und Priesterinnen...
Viele römisch-katholische Christen hoffen nach der Amazonien-Synode auf Veränderungen beim Pflichtzölibat und der Rolle der Frau. In der alt-katholischen Kirche gibt es seit langem verheiratete Priester und Priesterinnen. Klaus Eisert, Rafael Pasquale und Klaus Scherer aus der Aschaffenburger Gemeinde haben mit ihrem Bischof Dr. Matthias Ring über die Kirche von morgen gesprochen.

Lieber Bischof Matthias, die Kirchen verlieren immer mehr an Bedeutung. Warum?
Nicht nur Kirche verliert an Bedeutung, Glaube insgesamt. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich sehr stark säkularisiert hat. Außerdem haben alle Institutionen das Problem, Mitglieder zu gewinnen und zu binden: Parteien, Gewerkschaften und auch viele Vereine. Es gibt einen gesellschaftlichen Trend, Religion in den privaten Bereich abzudrängen. Für einige bedeutet „Religionsfreiheit“, dass sie in ihrem Alltag von Religion nicht belästigt werden möchten.

Was ist die zentrale Aufgabe von Kirchen?
Gemeinschaft stiften. Menschen zusammenbringen. Kirchliche Gemeinden gehören zu den wenigen Orten, wo Menschen zusammenkommen, die ganz unterschiedlich ticken, Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus, Reiche und Arme, Akademiker und Arbeiter. Es ist ein wichtige Aufgabe von Kirche, Gemeinschaft erlebbar zu machen. Die meisten Menschen bleiben nicht ihr ganzes Leben an einem Ort. Wo sind dann die Wurzeln? Die Gemeinschaft der Kirche kann Heimat bieten.

Dass Kirche oft nur als moralische Instanz erlebbar wird, ist sicher ein großes Problem, oder?
Lange wurde eine Sexualmoral gelehrt, die mit dem Leben der Menschen wenig zu tun hatte. Die römisch-katholische Kirche hat bis heute das Problem, dass ihre offizielle Sexualmoral schon auf der Ebene der Pfarrer nicht mehr akzeptiert wird. In der alt-katholische Kirche setzen wir darauf, dass der einzelne vor seinem Gewissen Antworten auf die Fragen, die ihn betreffen, sucht und findet. Alt-Katholiken erwarten sich von Kirche Impulse und Orientierung, aber keine Vorschriften.

Wie sehen Sie die Entwicklung in der römisch-katholischen Kirche nach der Amazonien-Synode?
Ich würde mir wünschen, dass der synodale Weg in Deutschland einen Diskussionsprozess in der römisch-katholischen Kirche einleitet. Er sollte dazu führen, dass die Kirchen in den einzelnen Ländern in bestimmten Fragen auch eigene Wege gehen können – entsprechend ihren Bedürfnissen. Ich erwarte das aber nicht, weil die Einheitsvorstellung der römisch-katholischen Kirche Pluralität nicht zulässt. Aber es muss sich was ändern. Es ist wirklich Feuer unterm Dach.

Sie treffen jedes Jahr Jugendliche aus ganz Deutschland unter dem Motto „Ring frei!“. Warum ist Ihnen das wichtig?
Bei der Jugendfreizeit mit dem Bischof geht es darum, Gemeinschaft zu erleben, und dann kommen ganz automatisch auch Glaubensfragen vor. Und wenn die Jugendlichen dabei auch noch die Erfahrung machen, dass der Bischof nicht ganz neben der Kappe ist, dann ist das gut.

Vielen Dank für das Gespräch, Bischof Matthias.
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden