Sonntag, 15.12.2019

„Testament gestalten – Irrtümer vermeiden“

AWO-Vorsitzender Helmut Kaufmann (vorne links) konnte bei der Info-Veranstaltung der AWO Groß-Umstadt Jürgen Engel, Rechtsanwalt und Notar a.D. aus Pfungstadt, als Experten begrüßen
HSchneberger
Sonntag, 24. 11. 2019 - 11:41 Uhr

„Testament gestalten – Irrtümer vermeiden“, so hieß es bei einer Informationsveranstaltung, zu der die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Groß-Umstadt am letzten Donnerstag eingeladen hatte. Der Clubraum der Stadthalle Groß-Umstadt war gut besucht, als AWO-Vorsitzender Helmut Kaufmann die interessierten Besucher und den Referenten Jürgen Engel begrüßte.
Jürgen Engel, Rechtsanwalt und Notar a.D. aus Pfungstadt, erläuterte in seinem Vortrag verschiedene Aspekte wie ‚muss/soll ich ein Testament machen‘ und ‚ wie macht man sein Testament‘ sowie die Frage ‚was kann man im Testament alles regeln?‘. Dabei verstand er es, mit Beispielen aus seiner Praxis das doch etwas ‚trockene‘ Thema aufzulockern.
Engel sagte eingangs, wenn jemand zu ihm käme und wolle ein Testament machen, frage er ihn zunächst, warum er dies denn wolle. Denn, so Engel, „ ein Testament ist nicht erforderlich, wenn man mit der im Gesetz vorgesehenen Erbfolge einverstanden ist.“ Für anderweitige Regelungen könne man entweder ein einfaches handschriftliches Testament oder ein notarielles Testament bzw. einen Erbvertrag erstellen. Er ließ nicht unerwähnt, dass beim Notar natürlich Gebühren anfallen würden. Eheleute würden oft ein gemeinschaftliches Testament, das sog. ‚Berliner Testament‘ bevorzugen. Hierbei setzen sich die Partner gegenseitig zunächst als Alleinerben und die Kinder als Nacherben ein. Die Vor- und Nachteile erläuterte Engel auch im Hinblick auf anfallende Erbschaftssteuer. Er wies darauf hin, dass es bei Erbschaften Freibeträge gäbe und zwar für Ehepartner einen Freibetrag von 500.000 Euro und für Kinder von 400.000 Euro. Für Schenkungen, die zu Lebzeiten erfolgen, gelten die gleichen Freibeträge.
Engel lies nicht unerwähnt, dass es in der heutigen Zeit auch wichtig sein könne, den ‚digitalen‘ Nachlass zu regeln, um Erben den Zugang zu Passwörtern und Online-Diensten bzw. Software-Lizenzen zu ermöglichen. Er wies ferner darauf hin, dass im Erbfalle der Wert von Immobilien durch das Finanzamt ermittelt werde. Banken müssten, sobald sie Kenntnis vom Tode eines Kunden erhalten, eine Zusammenstellung aller Konten und Werte an das zentrale Finanzamt übermitteln. Engel empfahl, sich eine Abschrift der Liste geben zu lassen.
Nach Meinung von Engel ist es sinnvoll, ein Testament beim zuständigen Amtsgericht in amtliche Verwahrung zu geben. Damit wird es gleichzeitig beim Zentralen Testamentsregister erfasst. Im Erbfalle erfolgt die Testamentseröffnung durch das Amtsgericht. Wurde das Testament zu Hause verwahrt, muss es im Erbfalle beim Amtsgericht abgeliefert werden. Schließlich erläuterte Jürgen Engel noch, wie man ein Erbe ausschlagen kann, wenn z.B. Überschuldung vorliegt. Viele Teilnehmer nutzten gegen Ende noch die Möglichkeit, Fragen an den Experten zu stellen, für die dieser sich viel Zeit nahm und jeweils ausführlich beantwortete.

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