Weniger Immobilien zwangsversteigert

Finanzen: Die niedrigen Zinsen haben Immobilienfinanzierungen jahrelang billig gemacht - Auch deshalb sinkt die Zahl der Zwangsversteigerungen - Nun aber Trendwende

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Blick vom Skywalk Marzahner Promenade auf Wohnhäuser im Stadtteil Berlin-Marzahn. Trotz der schwachen Wirtschaft und kräftig gestiegener Zinsen sind in Deutschland erneut weniger Immobilien zwangsversteigert worden. Foto: Carsten Koall/dpa
Foto: Carsten Koall
Trotz schwa­cher Wirt­schaft und kräf­tig ge­s­tie­ge­ner Zin­sen sind in Deut­sch­land er­neut we­ni­ger Im­mo­bi­li­en zwangs­ver­s­tei­gert wor­den. Im ers­ten Halb­jahr wur­den Ver­fah­ren für 6248 Ob­jek­te er­öff­net, zei­gen Zah­len des Fach­ver­lags Ar­ge­t­ra. Im Vor­jah­res­zei­traum wa­ren es noch 6432 Häu­ser, Woh­nun­gen und Grund­stü­cke.

Jedoch stieg der Verkehrswert der Immobilien wegen höherer Preise von 1,42 auf 1,66 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr seien viele Objekte mit Verkehrswerten von über einer Million Euro unter den Hammer gekommen, besonders in Berlin.

Die Argetra-Experten, die die Termine für Zwangsversteigerungen an allen knapp 500 Amtsgerichten in Deutschland analysiert haben, erwarten, dass bald mehr Menschen Immobilien zwangsversteigern müssen.

Lange eine gute Konjunktur

Die Zahl der Zwangsversteigerungen in Deutschland sinkt seit Jahren. Als Gründe gelten die lange Zeit gute Konjunktur und die Niedrigzinsen, die die Zinslast für Schuldner niedrig gehalten und die Nachfrage nach Immobilien angetrieben haben. Zudem boten Banken Kreditnehmern wegen der Corona-Pandemie an, Zahlungen zu stunden, statt Darlehen zu kündigen und Zwangsversteigerungen einzuleiten.

Die Argetra-Fachleute glauben aber, dass sich die Situation ändert. »Eine schwache Konjunktur, sinkende Kaufkraft und hohe Inflation mit insbesondere stark steigenden Energie- und Mietpreisen werden im laufenden Jahr zu einem deutlichen Anstieg von Privatinsolvenzen führen«, schreiben sie. Die Zahl der Zwangsversteigerungen dürfte im kommenden Jahr deutlich wachsen, da die Bearbeitungszeiten lang seien und die schwache Wirtschaft sich erst verzögert auswirke.

Dazu kämen höhere Zinsen. Viele Menschen schafften es nicht, ihren kompletten Immobilienkredit zur vereinbarten Zinsbindung in der Vertragslaufzeit abzubezahlen. »Die Anschlussfinanzierung durch einen neuen Kredit wird dann deutlich teurer. Viele Häuslebauer könnte das überfordern.« Die Bauzinsen haben sich seit Januar von 0,8 Prozent auf zuletzt rund 3 Prozent mehr als verdreifacht. Zuletzt hatten schon Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung vor mehr Zwangsversteigerungen wegen der gestiegenen Zinsen gewarnt.

Objekte aus Zwangsversteigerungen gelten als begehrt, weil auf dem normalen Markt kaum noch bezahlbare Immobilien zu finden sind. Nur etwa die Hälfte der eröffneten Zwangsversteigerungsverfahren endet Argetra zufolge im Gericht. Die anderen Immobilien würden schon vorher verkauft. Zwangsversteigert wurden laut Argetra vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen. Durchschnittlich waren bundesweit im ersten Halbjahr 15 von 100.000 Haushalten in Deutschland von Zwangsversteigerungen betroffen. Seit Jahren vorne bei der Zahl der Zwangsversteigerungen liegt NRW.

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