Was macht eigentlich eine Schadenreguliererin?

Beruf: Katja Burglin hat einen ungewöhnlichen Job, der nicht nur Akribie verlangt - Manchmal auch in die Rolle der Seelsorgerin - Die Flut vom Ahrtal

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Zuhören, erklären, Trost spenden: Katja Burglin, Schadenreguliererin bei der Axa Versicherung, hat häufig mit Menschen in emotionalen Situationen zu tun. Foto: Prautzsch/dpa
Foto: Alexander Prautzsch
Die sch­lim­men Bil­der der Schä­den, die nach der Flut im Ahr­tal 2021 ent­stan­den sind, ha­ben vie­le noch vor Au­gen. Wann im­mer es dar­um Leis­tungs­an­sprüche von Ver­si­cher­ten zu prü­fen und die Scha­dens­re­gu­lie­rung ab­zu­wi­ckeln, sind Scha­den­re­gu­lie­re­rin­nen und Scha­den­re­gu­lie­rer im Ein­satz.

Was im ersten Moment abstrakt klingt, bekommt durch Katja Burglin erst ein Gesicht.

Im Job-Protokoll erzählt die 39-Jährige, warum sie sich als Schadenreguliererin nicht nur mit Richtlinien und Gesetzen auskennt, sondern auch Erklärerin, Zuhörerin und Trösterin ist.

Der Weg in den Job: Ich habe Versicherungskauffrau gelernt und nach meinem Abschluss nebenberuflich BWL studiert. Das Studium ist für den Job nicht unbedingt notwendig. Es werden auch Quereinsteiger eingesetzt. Wer etwa Bau-Ingenieur oder Projektleiter ist, wer sich damit auskennt, was passiert wenn Wasser in ein Haus strömt, hat gute Chancen. In der Regel aber haben die Schadenregulierer eine kaufmännische Versicherungsausbildung. Manche haben sich auch zum Fachwirt weitergebildet.

Diese Aufgaben stehen an: Ich kümmere mich als Schadenreguliererin bei der Axa Versicherung um ein Gebiet in Thüringen und West-Sachsen. Ich bearbeite Schadensfälle, bei denen der Sachverhalt nicht eindeutig ist. Ich entscheide über Leistungsansprüche, berechne Versicherungsleistungen und kann Zahlungen anweisen. Viele Sachlagen kläre ich vor Ort im Kontakt mit den Kunden. Zur Schadenaufnahme nutze ich ein Tablet. Für meine Arbeit am Computer muss ich mit fachspezifischer Software umgehen können. Außerdem müssen wir viele Gesetze, Richtlinien sowie Handbücher und interne Arbeitsanweisungen kennen und beachten.

So sieht ein typischer Arbeitstag aus: Ich mag es, dass ich morgens nicht immer weiß, was mich erwartet. Jeder Schadenfall entwickelt sich etwas anders. Oft fahre ich zu den Kunden, schaue mich vor Ort um. Ich führe Gespräche, bekomme Einblick in diverse Lebenssituationen.

Es gibt natürlich ähnliche Abläufe und wiederkehrende Arbeitsblöcke. Was mir gefällt ist, dass ich mir den Tag so organisieren kann, wie ich will. An Bürotagen erledige ich viele organisatorische Dinge und verfasse Mails. Ich genieße es aber auch, wenn ich im Auto zu den Kunden unterwegs bin, dabei Musik höre und die Region erkunde.

Das persönliche Rüstzeug für den Job: Empathie und ein Gespür für Menschen sind wichtig in diesem Beruf. Man sollte sich mit Versicherungsverträgen auskennen, Bedingungen lesen und anwenden können sowie einen Sinn für rechtliche Sachverhalte haben.

Es hilft auch, sich in Wort und Schrift gut auszudrücken und mit dem Computer umgehen zu können. Eine gewisse Offenheit für neue technische Entwicklungen und permanente Veränderungen ist von Vorteil. Wer flexibel und gleichzeitig strukturiert arbeiten kann, bringt gute Voraussetzungen für diesen Beruf mit. Wichtig ist übrigens auch, dass man einen Führerschein hat.

Die schönen Seiten des Berufes: Wir können Menschen in Ausnahmesituationen helfen. Die sind nicht immer so extrem wie beim Hochwasser im Ahrtal 2021. Aber wir haben häufig mit Menschen in emotionalen Situationen zu tun. Hier signalisieren zu können, dass der finanzielle Schaden abgesichert ist, ist natürlich ein gutes Gefühl.

Was mir gefällt ist, dass durch mich ein abstraktes, unsichtbares Produkt ein Gesicht bekommt. Und schön ist, wenn man am Ende ein Danke hört. Als Schadenreguliererin bin ich vieles: Erklärerin, Zuhörerin, auch Seelsorgerin und Trösterin.

Die weniger schönen Aspekte im Job: Ich habe mit Emotionen zu tun, das kann auch belasten. Ich spüre Mitleid mit verzweifelten Menschen, die weinen, wenn ihr Haus zum Beispiel durch einen Wasserschaden unbewohnbar geworden ist. Oder wenn durch ein Feuer alles vernichtet wurde, auch liebgewordene Erinnerungen.

Zu den weniger schönen Seiten meines Berufes gehört, Menschen sagen zu müssen, wenn etwas durch die Versicherung nicht abgedeckt ist. Da geht es manchmal um Details, etwa eine nicht mitversicherte Garage oder eine Teilablehnung, weil die Schadenursache selbst nicht versichert ist, der Folgeschaden aber schon - zum Beispiel verursacht durch ausgetretenes Wasser.

Wir haben in den meisten Fällen mit ehrlichen Kunden zu tun. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Versicherungsbetrug vorkommt, und das ist kein Kavaliersdelikt. Ich achte darauf, ob eine Schilderung schlüssig ist. Bei einem Einbruch ohne Einbruchspuren werde ich entsprechend aufmerksam. Aber ich bin keine Detektivin. Ich kläre einen Sachverhalt.

Hintergrund: Gehaltsaussichten

Für die Angestellten der Versicherungsbranche gibt es Tarifverträge. Für den Innendienst etwa sind Angaben des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen (AGV) zufolge insgesamt acht Vergütungsstufen vorgesehen.

Abhängig von der Art der Tätigkeit, der jeweiligen Berufserfahrung, den Fähigkeiten und Entscheidungsbefugnissen kann die monatliche Brutto-Vergütung entsprechend variieren zwischen 2800 Euro und rund 5400 Euro (ab September 2022).

Laut Entgeltatlas liegt das mittlere Brutto-Monatseinkommen für Schadenreguliererinnen und Schadenregulierer bei 4695 Euro. Der Median ist der Wert, der genau in der Mitte einer Datenverteilung liegt. Er gibt somit den Wert an, bei dem die Hälfte der Beschäftigten mehr verdient, die andere Hälfte weniger.

Der Axa Versicherung zufolge beläuft sich ein durchschnittliches Jahresgehalt für die Fachkräfte auf etwa 65.000 Euro, je nach Alter und Erfahrung kann es auf 73.000 Euro im Jahr steigen. Hinzu kommen Extras sowie ein Dienstwagen inklusive Tankkarte. (dpa)

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