Von Chaplin bis Clinton: Das Grand Hotel d'Angkor wird 90

Fernost: Die Tempel von Angkor sind schon seit Kolonialzeiten das Ziel jeder Kambodscha-Reise - Wo schon Stummfilmstars und Sultane logierten

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Zum Themendienst-Bericht von Carola Frentzen vom 5. August 2022: Das Grand Hotel d'Angkor in Siem Reap ist eines der ältesten Hotels in Kambodscha - und voller Geschichte. Foto: Carola Frentzen/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++ Bildunterschrift 2022-08-13 --> Das Grand Hotel d'Angkor in Siem Reap ist eines der ältesten Hotels in Kambodscha. Foto: Carola Frentzen/dpa-tmn
Foto: CAROLA FRENTZEN
Schon bei der An­fahrt am Grand Ho­tel d'Ang­kor wer­den Bil­der vom al­ten In­dochi­na le­ben­dig. Das Ge­bäu­de im Ko­lo­nial­s­til ver­sprüht Ge­schich­te aus al­len Po­ren - und könn­te es sp­re­chen - es hät­te viel zu er­zäh­len.

Zusammen mit dem früheren Partner Hotel des Ruines ist das 1932 in der Kleinstadt Siem Reap eröffnete Grand Hotel eines der ältesten in ganz Kambodscha. Gleichzeitig mit der Wiedereröffnung nach dem Corona-Lockdown hat das berühmte Gebäude kürzlich mit großem Pomp seinen 90. Geburtstag gefeiert - samt Feuerwerk, Lichterspielen und einem Dinner im Tempel Prasat Kravan aus dem zehnten Jahrhundert.

Während das Royal Ballet of Cambodia tanzte, das ebenso wie die Tempel selbst zum Welterbe der Unesco gehört, erstrahlte die Anlage in magischem Licht. Die geladenen Gäste wurden mit dem originalen Menü bekocht, das zu Weihnachten 1932 im Grand Hotel serviert wurde. Selbst der König ließ von einer Prinzessin des Hofes eine persönliche Botschaft verlesen.

Der Standort des Hotels könnte idealer nicht sein: Wenige Kilometer entfernt liegen mitten im Dschungel die atemberaubenden Tempelanlagen der Khmer-Könige - darunter der größte Tempelkomplex der Welt Angkor Wat, die von gigantischen Wurzeln überwucherten Überreste von Ta Prohm oder die in Stein gemeißelten Bodhisattva-Gesichter von Bayon. Das Grand Hotel hütet derweil Geheimnisse, Geschichten und Anekdoten, die alle eng mit den Angkor-Tempeln verbunden sind. »Wenn ich meine Ohren an die Wände lege, dann ist es wirklich, als spräche das Hotel zu mir, wie eine rauschende Muschel am Strand«, sagt der heutige Generalmanager Dennis de Groot. »Ganz besonders sticht für mich der Besuch von Charlie Chaplin heraus, der hier 1936 auf geheimer Hochzeitsreise mit Paulette Goddard war, seinem Co-Star aus »Moderne Zeiten«, sagt der Niederländer.

Ein Schwarz-Weiß-Foto zeigt das Paar ganz in Weiß gekleidet in den Angkor-Ruinen. Der bekannte Archäologe und Kunsthistoriker Victor Goloubew begleitete damals den Besuch des Stummfilmkomikers und der US-Schauspielerin. Später gaben sich Politiker, Prinzessinnen, Schauspieler und andere Prominenz die Klinke in die Hand. »Jacqueline Kennedy kam etwa 1967 und hat sich damit ihren langgehegten Traum erfüllt, Angkor Wat zu besuchen«, erzählt De Groot. Auch die britische Prinzessin Margaret und Lord Snowdon, Charles de Gaulle, die spanische Ex-Königin Sofia, Opernstar José Carreras, James-Bond-Darsteller Roger Moore, Bill und Hillary Clinton sowie Michelle Obama wohnten schon im »Grand Hotel d'Angkor«. Wer mehr über die bewegte Historie erfahren möchte, kann sich während des Aufenthaltes an Saravann Mouth wenden. Der hauseigene Historiker hält Vorträge und führt interessierte Gäste durch die Gänge, Hallen und Suiten des Hotels.

Seit 1994 gehört das Haus zur exklusiven Hotelkette Raffles, die nach dem Forscher und Gründer Singapurs, Sir Thomas Stamford Raffles, benannt ist. Nach einer umfangreichen Renovierung wurde das Grand Hotel 1997 feierlich wiedereröffnet. Aber in der langen Geschichte des Kolonialgebäudes gab es auch dunkle Zeiten - vor allem in den Jahren des kommunistischen Pol-Pot-Regimes, das mit seinen Roten Khmer das ganze Land in unendliches Leid stürzte und nach Schätzungen fast zwei Millionen Menschen das Leben kostete. Als das Hotel später von Raffles übernommen wurde, arbeitete Koy Savauu wieder als Feinbäcker in der Küche. Viele in der Belegschaft sind dem Hotel über Jahre und alle Krisen hinweg treu geblieben.

Auch wenn heute keine Elefanten mehr vor der Tür stehen, so wird der Zeitsprung doch für einen Moment perfekt, als der Concierge die Eingangstür öffnet. Er trägt eine golden schimmernde Kopfbedeckung und einen traditionellen Sampot, ein Tuch, das von kambodschanischen Männern bei festlichen Anlässen wie eine Hose drapiert wird. Mit einer Verbeugung reicht er den Gästen ein eisgekühltes Handtuch. Und für einen magischen Moment ist es wieder ... 1932.

Hintergrund: Siem Reap/Kambodscha

Anreise: Empfohlen wird eine Anreise über Bangkok. Direktflüge gibt es etwa mit Thai Airways von Frankfurt/Main. Von Bangkok fliegen verschiedene Fluggesellschaften Siem Reap direkt an (etwa Thai Air Asia und Bangkok Airways). Der Flug dauert etwa eine Stunde.

Einreise: Zweifach geimpfte Reisende benötigen lediglich ihr Impfzertifikat und ein Touristenvisum. Dieses kann vor Ort oder online im Voraus beantragt werden (https://www.evisa.gov.kh). Wer nicht oder nicht vollständig geimpft ist, muss bei der Ankunft einen Corona-Schnelltest machen. Die Regeln können sich je nach Infektionslage ändern, es wird empfohlen, sich genau zu informieren. (https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/kambodscha-node/kambodschasicherheit/220008#content_4)

Beste Reisezeit: Dezember und Januar, dann herrscht Trockenzeit und es ist es weniger heiß. Allerdings ist dies auch die Hochsaison für die Tempel von Angkor. Vermieden werden sollten die Monate April und Mai, wenn es besonders heiß ist.

Währung: 1000 Riel (0,24 Euro); jedoch wird fast überall mit US-Dollar bezahlt. Stand: Anfang August 2022 (dpa)

Hintergrund

Das Grand Hotel d'Angkor in Siem Reap ist eines der ältesten Hotels in Kambodscha. Foto:

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