Robotik im Aufwind - auch am Untermain

Branche: Boll Automation und Robot Technology verwandeln Basis-Roboter in Spezialmaschinen - Kräftiges Wachstum

Kleinwallstadt
2 Min.

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Stefan und Monika Maier von Robot Technology.
Foto: Blume-Esterer
Entlastet von schweren Arbeiten: Der »Bin-Picker«, der »Kistenleerräumer« von Boll Automation in einem Daimler-Werk.
Foto: Daimler
André Peters, Geschäftsführer von Boll Automation.
Foto: Breitenbach
Die Au­to­ma­ti­sie­rung und da­mit die Nach­fra­ge nach In­du­s­trie­ro­bo­tern sch­rei­tet voran. 2016 wuchs die Bran­che um fünf Pro­zent, heu­er sol­len es sie­ben Pro­zent wer­den. Das liegt da­ran, dass die see­len­lo­sen, aber flei­ßi­gen Kol­le­gen aus Stahl im­mer mehr kön­nen. Dar­auf spe­zia­li­siert ha­ben sich auch Un­ter­neh­men am Un­ter­main:
Zum Beispiel Kuka (einst Reis-Robotics) in Obernburg, Boll Automation in Kleinwallstadt (Kreis Miltenberg) und Robot Technology in Großostheim (Kreis Aschaffenburg).
Gerade mal 23 Mitarbeiter hat Boll, zumeist Ingenieure. Und auch die Produktion ist überschaubar: Nur fünf bis zehn High-Tech-Maschinen zum Preis von 300 000 bis 400 000 Euro verlassen jährlich die Werkshalle. Sehend und fühlend sind die Industrieroboter von heute. Noch entscheidender aber ist, »der Roboter passt sich dem Menschen an«, sagt Geschäftsführer André Peters.
Ein Stichwort heißt: »kollaborative Roboter«. Fachleute umschreiben damit Maschinen, die mit dem Menschen zusammenarbeiten. Ganz anders also als die bekannten Ungetüme, die eingeschlossen hinter Glaswänden vor sich hinarbeiten müssen, weil die Gefahr besteht, dass sie Menschen verletzen.
Wie die neue Generation arbeitet und wie sie angelernt werden können, das zeigte Boll Automation jetzt bei einem »Tag der Robotik«. Sensoren sorgen dafür, dass sich die Roboter automatisch abschalten sobald ein Hindernis auftaucht.
Job-Vernichter oder Helfer?
Geschäftsführer Peters führt diesen Typ von Robotern gern als Argument ins Feld, wenn davon die Rede ist, dass Maschinen den Menschen aus der Fabrik drängen. Und: »Die Autoindustrie wäre nicht so erfolgreich« sagt er, »wenn sie nicht die Roboter hätte«. Einen solchen hat Boll Automation zum Beispiel für Daimler entwickelt - eine »Bin-Picking«-Anlage, bei der ein mächtiger Roboter eine Kiste mit Material leer räumt. Dabei hilft der Maschine eine Kamera, die über der Box angebracht ist und am Rechner Bild und Daten erzeugt. Der Roboter sieht gewissermaßen und weiß genau, in welcher Reihenfolge er - auch schwere - Bauteile aus der Kiste holen kann. »Damit entlastet er Menschen vor strapazierender, stupider Arbeit«, lobt Peters.
Die Anlage liefert außerdem ein Beispiel dafür, wie sich moderne Maschinen in die »Smart Factory«, die schlaue Fabrik, einreihen. Der Roboter erkennt, wann die Kiste fast leer geräumt ist und ordert automatisch Nachschub aus dem Lager. Diese Fortschritte führt der Geschäftsführer vor allem auf die enorm gestiegene Rechnerleistungen zurück.
Peters sieht in der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine den Idealfall: »Da kommen die Ausdauer und Genauigkeit des Roboters und die Fähigkeit des Menschen, flexibel und komplex zu entscheiden, zusammen«, lobt der Geschäftsmann.
Schlaue Laserroboter
Ähnlich sieht man das bei Robot Technology (RT) in Großostheim, die erst vor kurzem umgezogen sind und inzwischen über 70 Mitarbeiter beschäftigen. Die Stärke von RT sind Laserroboter, die ebenso mit Kameras ausgestattet sind und so nicht nur erfassen können, welches Kunststoffteil gerade bearbeitet wird. Wie der »Bin-Picker« melden auch diese Maschinen ihre Daten in den laufenden Prozess. »Das, was die Roboter machen, könnte ein Mensch einfach nicht - oder es entlastet von schweren Aufgaben«, heißt es bei Robot Technology, »dafür gibt es Bereiche, da ist der Mensch unschlagbar«.
Was beide Aufsteiger verbindet, ist, dass sie Basisroboter von Marktführern wie Kuka oder ABB kaufen, die zunächst gar nicht so schlau sind. Erst mit den Aufbauten - Greifern, Lasern, Schleifautomaten -, Software, Sensoren, Kameras und Steuerungen werden sie zu klugen Maschinen.
Hauptabnehmer der Branche sind die Autobauer und deren Zulieferer: VW, BMW, Mercedes sowie TRW, Magna und Takata.
Andre Breitenbach
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