Nicht jede Erbschaft ist willkommen

Auf alle Fälle vorgesorgt (Folge 10):Die Serie zum Vorsorge-Ordner des Medienhauses Main-Echo - Das Erbe lässt sich ausschlagen

3 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Mehr zum Thema: Vorsorgeordner
Erben bedeutet nicht immer Zugewinn - manchmal können auch Schulden hinterlassen sein. Foto: pixabay
Foto: pixabay

Da ist die Trauer, die alles andere vergessen lässt - und eben das sollte bei aller Emotionalität, die ein Todesfall hervorruft, so nicht sein. Denn in aller Regel gilt für die Hinterbliebenen: Neben der Trauer gilt es doch zeitgleich finanzielle Fragen zu bewältigen. Dabei gibt es zwei wichtige Aspekte: Soll unter Umständen das Erbe ausgeschlagen werden, um das eigene Vermögen zu schonen? Und was ist mit der Wohnung des Verstorbenen: Kann die übernommen werden?

Die Frage nach dem Ausschlagen des Erbes ist gar nicht so abwegig: Denn was ist, wenn der Verstorbene nichts außer Schulden hinterlässt? Denn die erben die Hinterbliebene zunächst. Allerdings können sie dieses spezielle Erbe ausschlagen: Das müssen sie beim Nachlassgericht tun. Ist das Erbe ausgeschlagen und gibt es kein Testament, geht die Erbschaft über auf die Person, die nach der gesetzlichen Erbfolge als nächste an der Reihe ist.

Was aber für den gar nicht so unwahrscheinlichen Fall, dass unerwartet ein Vermögen auftauchen? Dann allerdings hat der ausschlagende Erbe keinen Anspruch mehr darauf. Deshalb sollte gründlich überlegt sein, ob eine Erbschaft ausgeschlagen wird.

Für die Entscheidung, ob

man ein Erbe annimmt oder ausschlägt, gibt es eine Frist von sechs Wochen. Dieser Zeitraum sollte ausreichen, um herauszufinden, ob Vermögenswerte oder Schulden vorhanden sind.

Und eine weitere Sicherung: Damit Erben nach der Annahme einer überschuldeten Erbschaft damit möglicherweise ihre eigene Existenz aus Spiel setzen, sieht das Gesetz die Möglichkeit der Nachlassinsolvenz vor.

Wer die Erbschaft annimmt, erhält den Erbschein und kann sich in Ruhe einen Überblick verschaffen. Ist der Nachlass tatsächlich überschuldet, kann beim Amtsgericht einen Antrag auf Nachlassinsolvenz gestellt werden. Damit wird das eigene Vermögen vom Nachlassvermögen getrennt: Man haftet nicht mit seinem Vermögen für die Schulden des Erblassers.

Um sich einen Überblick über den Nachlass zu verschaffen, ist es auch hilfreich, die Kontobewegungen der letzten Monate durchzugehen. Auf diesem Weg lässt sich sehen, wo welche Zahlungen überwiesen oder eingezogen wurden. Bei Bedarf lässt sich dann der jeweilige Vertrag kündigen.

Ein Spezialfall ist der Mietvertrag. Die hier geltenden Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches sind besonders wichtig. Was ist beispielsweise mit der Mietwohnung, wenn der Mieter stirbt?

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Bewohnte der Verstorbene die Wohnung mit einem anderen Mieter und hatten beide den Vertrag unterzeichnet, wird das Mietverhältnis mit dem überlebenden Mieter fortgesetzt. Der Tod eines Mieters ist für den Vermieter kein Kündigungsgrund.

Will der noch lebende Mieter nicht in der Wohnung bleiben, muss er selbst kündigen.

War der Verstorbene alleiniger Vertragspartner, hatte also keiner der Mitbewohner den Vertrag unterzeichnet, können seine Hinterbliebenen den Mietvertrag übernehmen. Ein solches Eintrittsrecht haben Ehepartner und gleichgeschlechtliche Lebenspartner. Machen diese von ihrem Eintrittsrecht keinen Gebrauch, so steht dieses anderen Personen zu: Kindern oder anderen Familienangehörigen, wenn sie mit dem Mieter in einem gemeinsamen Haushalt lebten.

Auch ein nichtehelicher Lebenspartner kann auf diesem Wege zu einem Mietvertrag kommen. Der Vermieter darf diesen Eintrittsberechtigten nicht kündigen - es sei denn, er hat einen Kündigungsgrund.

Gibt es niemanden, der in den Mietvertrag eintritt, muss der Erbe des Mieters die Miete zahlen. Beide Seiten - Vermieter und der Erbe des Mieters - können den Vertrag aber mit dreimonatiger Kündigungsfrist kündigen.

Die Serie zum Ordner

Dienstag, 8. Juni: Gesetzliche Rente

Freitag, 11. Juni: Geförderte Modelle der privaten Altersvorsorge

Dienstag, 15. Juni: Ungeförderte Modelle der privaten Altersvorsorge

Freitag, 18. Juni: Pflegegrade

Dienstag, 22. Juni: Pflegekosten

Freitag, 25. Juni: Vorsorgevollmacht

Dienstag, 29. Juni: Patientenverfügung

Freitag, 2. Juli: Das Testament

Dienstag, 6. Juli: Zehn Dinge, die nach dem Todesfall zu regeln sind

In dieser Ausgabe: Was passiert mit der Wohnung?

Dienstag, 13. Juli: Tabu Sterbehilfe, die Rechtslage in Deutschland

Freitag, 16. Juli: Das digitale Erbe

Dienstag, 20. Juli: Wie Trauerredner trösten

Freitag, 23. Juli: Was kostet die Bestattung?

Dienstag, 27. Juli: AlternativeFormen der Bestattung

Freitag, 30. Juli: Wenn der Partner stirbt, wann zahlt welche Versicherung?

Dienstag, 3. August: Im Hospiz soll niemand allein sterben

bAlle Beiträge zu dieser Serie imOnline-Dossier www.main-echo.de/vorsorge

Der Vorsorge-Ordner

Im Vorsorge-Ordner des Medienhauses Main-Echo finden alle wichtigen Dokumente ihren geordneten Platz. Außerdem enthält der Ordner Links, wichtige Adressen, praktische Tipps und ergänzende Informationen zu den Themenbereichen • Persönliches • Finanzen• Vollmachten • Medizinische Daten• Nachlassregelung.

Abonnenten bezahlen für den Vorsorge-Ordner 22,90 Euro, zzgl. 5,90 Euro Versandkosten. Nicht-Abonnenten zahlen 28,90 Euro plus 5,90 Euro Versandkosten.

Der Ordner kann unter main-echo.de/vorsorgeordner oder unter 06021/ /396-405gekauft werden.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!