Im Krieg Notlösung – und Wegbereiter des Vegetarischen

Krieg und Nahrung (14): Steckrüben im Kriegswinter 1916/17 und fleischlose Würste als Lebensmittel

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Scharfer Aufstrich: Aus Steckrüben und Curry eine Creme machen
ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht vom 1. Dezember 2020: Steckrüben lassen sich vielfältig in der Küche einsetzen - zum Beispiel als Püree oder Aufstrich. Foto: Holger Hollemann/dpa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Foto: Holger Hollemann (dpa)
Der Kriegswinter 1916/17 ist in die deutsche Geschichts-Schreibung als »Steckrübenwinter« eingegangen: Denn wegen vorangegangener Missernten und des massiven Getreidemangels musste Brot vor allem aus Steckrüben hergestellt werden. 


Krieg bedeutet immer, dass Menschen sich Alternativen zu ihren herkömmlichen Lebensmitteln suchen müssen. Das zeigt vor allem auch, wie wichtig eine eigenständige Landwirtschaft und damit die Unabhängigkeit von Einfuhren ist: Das Beispiel Steckrüben beweist, dass der Ausfall von Nahrungsmitteln durch andere Produkte ausgeglichen werden kann. Und: Was damals als Not- oder Verlegenheitslösung galt, setzte sich im besten Fall sogar durch. Viele Bäckereien haben Kartoffelbrötchen in ihrem Sortiment: Tatsächlich war die Kartoffel vor über 100 Jahren notgedrungen neben der Steckrübe ein weiteres Produkt als Ersatz für das fehlende Getreidemehl. Und auch das im Steckrübenwinter benutzte Mehl aus Kastanien, Eicheln und Nüssen findet sich heute als Zutat in Backwaren. 

Und gar nicht kurioserweise erlebte die vegetarische und die vegane Ernährungsweise einen ersten großen Schub: Lebensmittel – und da vor allem tierische Produkte – wurden ganz einfach gestreckt oder ganz ersetzt. So wurden beispielsweise Wurst Wasser und pflanzliche Rohstoffe – bisweilen allerdings auch unverdauliche tierische Abfälle – beigemischt. Sogenannte Wurstprodukte hatten einen Wasseranteil von bis zu 80 Prozent bei maximal 5 Prozent Fettanteil. Fleischbrühwürfel bestanden aus gewürztem Salzwasser, Ei-Ersatz aus gefärbtem Mais- und Kartoffelmehl, Koteletts ebenfalls aus Steckrüben. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) gab es im Deutschen Reich etwa 11.000 verschiedene Ersatzlebensmittel, darunter 837 Sorten fleischlosen Wurstersatz. und etwa 1000 Suppenwürfelsorten auf rein pflanzlicher Basis.

Stefan Reis
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Mit Blick auf den Ukraine-Krieg wollen wir in loser Folge die politische Bedeutung von Lebensmitteln darstellen.

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