Die Ausbildung als Teil des lebenslangen Lernens

Schlauster Azubi: Früher galt Lehrling »wie eigener Sohn« – Heute ist es »familiäre Atmosphäre« im Unternehmen

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Lehrlinge bei der Arbeit
Lehrlinge lernen mehr, wenn sie sich bei Problemen sofort an den Ausbilder wenden.
Foto: Oliver Berg
Warum heißt es eigentlich nicht mehr – wie über Jahrhunderte hinweg – »Lehrling«, sondern »Auszubildende(r)«?


Der Grund findet sich im Berufsbildungsgesetz (BBiG), das 1969 aufgelegt wurde. Denn schon im Gesetzesnamen ist eine neue Betonung für die Zeit verankert, in denen junge Menschen für den Beruf lernen. Denn beim bloßen Lernen bleibt es eben nicht in der modernen Berufswelt: Es gilt sich zu bilden. Im BBiG wurde deshalb das Wort »Lehrling« durch »Auszubildender« ersetzt oder zumindest um diesen neuen Begriff ergänzt. Aus Lehrberuf und Lehrzeit wurde dementsprechend auch Ausbildungsberuf und Ausbildungsdauer. Vor allem im Handwerk aber hat sich der ursprüngliche Begriff »Lehrling« teilweise bis heute erhalten. Vom »Stift«, wie es früher auch hieß, spricht heute niemand mehr: Der Begriff wird eher abwertend verstanden.
Auch das BBiG wandelte sich letztlich nur durch gesellschaftliche Entwicklungen: 1968 bis etwa 1972 gab es eine starke Lehrlingsbewegung im Zuge der '68er Bewegung, die an der seit 1875 geltenden Lehrlingsausbildung rüttelte und deshalb den Zusatz ?»-ausbildung« in den Vordergrund schob. 
Kurioserweise bedeutete zunächst der Begriff »Ausbildung« eine Distanzierung zwischen Ausbildendem und Auszubildenden: Es ging nur noch um Wissensvermittlung. Die einstige – vorindustrielle – Lehrzeit dagegen war verbindlicher in der sozialen Darstellung: Die Lehrzeit begann mit der Einschreibung – vor Vertretern der Stadt – in das Zunftbuch und der Meister sollte den Lehrling erziehen »wie seinen eigenen Sohn«. (Das Lehrgeld zahlte allerdings in der Regel der Vater des Lehrlings an Meister, Zunft und Stadt.)
Aktuell entwickelt sich wieder eine stärkere soziale Komponente mit der Ausbildung: Denn in Zeiten von Fachkräftemangel und unbesetzten Ausbildungsplätzen setzen immer mehr Arbeitgeber auf die »familiäre Atmosphäre« als Anreiz für eine Bewerbung.
> Seite 23, Schlauster Azubi: Arbeitszeugnisse Stefan Reis

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