Wenn Kinder im heißen Auto bleiben

Hitzealarm im Auto: Jedes Jahr sterben Minderjährige - Deutsches Verkehrsministerium prüft Warnsysteme

BERLIN
2 Min.

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Es kommt im­mer mal wie­der vor, dass Kin­der bei gro­ßer Hit­ze im Au­to zu­rück­b­lei­ben, weil sie von ih­ren El­tern ver­ges­sen wer­den. Dann be­steht Le­bens­ge­fahr. Kann ein Alarm­si­g­nal am Kin­der­sitz dies ver­hin­dern? Das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um prüft.
Abgelenkt, gestresst, müde

Die erste Hitzewelle rollt durchs Land. Wenn Eltern dann nicht achtsam sind, könnte dies tödlich enden für ihre Kinder. Denn immer wieder kommt es dazu, dass sie im Auto einfach vergessen werden. Einer kanadischen Studie zufolge aus dem vergangenen Jahr ist es bei über der Hälfte der Eltern ein Versehen, entstanden durch Ablenkung, weil das Handy klingelt, durch Alltagsstress, durch Müdigkeit. Das Bundesverkehrsministerium lässt nun prüfen, inwieweit ein verpflichtendes Alarmsignal am Kindersitz wirksam helfen kann.

Auch, wenn man nur kurz etwas besorgen will, bei sommerlichen Temperaturen sollten Eltern ihre Kinder keinesfalls im Auto warten lassen. Die Fahrzeuge heizen sich extrem schnell auf. Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, warnt: »Im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen haben Kinder eine geringere Körperoberfläche, somit kommt es schneller zu einem Hitzschlag oder anderen Kreislaufproblemen, die letztendlich zum Tode führen können.« Eltern sollten daher auch bei längeren Standzeiten ihren Nachwuchs aus dem Wagen herausnehmen. »Auch ein geöffnetes Fenster ist nicht ausreichend«, betont Maske.

Unglücksfälle kommen vor, in den USA sollen im Schnitt 40 pro Jahr tödlich enden. Auch in Deutschland sind tragische Fälle bekannt. Allerdings wird nicht erfasst, wie viele Kinder jährlich betroffen sind.

Die Verkehrssicherheit von Kindern sei »ein wichtiges Anliegen des Bundesministeriums«, so eine Sprecherin des Verkehrsministeriums zu unserer Redaktion. Das Ressort habe daher die Bundesanstalt für Straßenwesen beauftragt, die Verwendung von Warnsystemen an »Kinderrückhaltesystemen« zu untersuchen und technische Anforderungen zu erarbeiten. Die Ergebnisse sollen im nächsten Jahr vorliegen. Dann muss man laut Ministerium allerdings europäisch aktiv werden. Denn Maßgaben für Kindersitze sind auf EU-Ebene harmonisiert. Die bisherigen Regelwerke enthielten Anforderungen zum Schutz der darin sitzenden Kinder vor Verletzungen bei Verkehrsunfällen, so die Sprecherin von Minister Volker Wissing (FDP). »Sie enthalten jedoch derzeit keine Anforderungen an ein Alarmsignal, dass das Vergessen von Kindern in Fahrzeugen verhindern soll.«

Nationaler Alleingang?

Das könnte sich dann aber ändern. Gleichwohl wäre ein nationaler Alleingang offenbar durchaus möglich. Laut ADAC ist etwa in Italien bereits ein Warnsystem für Kinder bis drei Jahren im Auto Pflicht. Es warnt den Fahrer, wenn das Kind im Wagen zurückgelassen wird. Auch in Deutschland sind nach Angaben des Automobilclubs solche Systeme bereits erhältlich, die zum Beispiel per App oder mit Sensoren funktionieren. Doch technisch überzeugt haben sie die Experten des ADAC bisher noch nicht. Auch befürchteten die Tester, dass sich Eltern zu sehr auf das Alarmsystem verlassen könnten.

Patientenschützer: Heimbewohner sind Hitze oft ausgeliefert

Viele alte Menschen in Heimen sind hohen Temperaturen wie an diesem Hitze-Wochenende nach Angaben von Patientenschützern »weitestgehend schutzlos ausgesetzt«. Im öffentlichen Dienst solle ab 26 Grad die Kühlung der Büros beginnen, für die Hilfsbedürftigen in den Heimen fehle eine solche dringend erforderliche Vorschrift aber weiterhin, kritisierte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. »Die Politik ist gefordert, das Hitze-Leiden der 810.000 Pflegebedürftigen in den Heimen zu beenden.« Es fehle eine ministerielle Vorschrift, um die Hitze in den Räumen der Seniorenheime zu begrenzen, bemängelte Brysch. »Der Klimawandel macht vor der Altenpflege nicht halt.« Bundesklimaminister Robert Habeck (Grüne) und die Länder sollten für eine sofortige Anpassung der Bauvorschriften für Pflegeheim-Neubauten sorgen. ()

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