Wieder weniger Tote auf Bayerns Straßen

Verkehr: Zahl der Toten und Verletzten im Freistaat auf historischem Tiefststand - Innenminister droht: Polizei hat jetzt wieder mehr Zeit für Verkehrskontrollen

MÜNCHEN
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Ein Kreuz steht zum Gedenken an das Opfer eines Verkehrsunfalls an einer Landstraße. In Bayern ging die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr zurück. Foto: Julian Stratenschulte (dpa)
Foto: Deutsche Presse-Agentur (DPA), Julian Stratenschulte
Im ver­gan­ge­nen Jahr ist die Zahl der Ver­kehr­s­to­ten in Bay­ern wei­ter zu­rück­ge­gan­gen. Bei rund 359.000 re­gi­s­trier­ten Ver­kehr­s­un­fäl­len (plus 3,9 Pro­zent ge­gen­über 2020) ka­men 443 Men­schen ums Le­ben, teil­te Lan­de­s­in­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) am Mon­tag in Mün­chen mit. Das be­deu­tet ei­nen Rück­gang um 8,5 Pro­zent.

Damit wurde der niedrigste Stand der Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen vor 65 Jahren erreicht. Im Jahr 1970 wurden allein im Freistaat Bayern insgesamt 3897 Verkehrstote verzeichnet.

Auch weniger Verletzte

2021 ging auch die Zahl der bei Verkehrsunfällen Verletzten zurück, nämlich um 0,9 Prozent auf 56.683. Für das vergangene Jahr war mit mehr Verkehrsopfern als 2020 gerechnet worden, weil der Verkehr im ersten Jahr der Pandemie durch scharfe Lockdown-Maßnahmen und Grenzschließungen stark reduziert war. Außerdem lag 2021 die Zahl der im Freistaat zugelassenen Kraftfahrzeuge mit 10,5 Millionen wiederum über der des Vorjahres (10,3 Millionen).

Wenig geändert hat sich bei den Unfallursachen. Ein Viertel der tödlichen Verkehrsunfälle (106 von 425) wird auf zu hohes Tempo oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückgeführt. Letzteres kann bereits der Fall sein, wenn man mit Tempo 50 auf einer vereisten Fahrbahn unterwegs ist. Auch 44 Jahre nach Einführung der Gurtpflicht in Deutschland wird diese offenbar immer noch von vielen Verkehrsteilnehmern ignoriert. Anders ist nicht zu erklären, warum 59 der tödlich Verunglücktem im vergangenen Jahr nicht angegurtet waren (2020: 44). Erstmals wurde in der Verkehrsunfallstatistik »Ablenkung« als Unfallursache separat aufgelistet. Der Tod von 16 Personen wird auf die unerlaubte Bedienung des Mobiltelefons während der Fahrt zurückgeführt. Bei 34 Unfällen mit Todesfolge waren Alkohol oder Drogen im Spiel.

2021 waren unter den Verkehrstoten 189 Pkw-Insassen, 63 Radfahrer (minus 7,4 Prozent), 103 Lkw-Insassen und 57 Fußgänger (minus 0,5 Prozent). Obwohl die Zahl der tödlich verunglückten Motorradfahrer um 15 Prozent auf 108 zurückging, zeigte sich der Innenminister von dieser Zahl erneut alarmiert. Jeder vierte getötete Verkehrsteilnehmer sei mit dem Motorrad unterwegs gewesen, so Herrmann. Das sei weit mehr als dem Anteil der Kradfahrer am Verkehrsgeschehen insgesamt entspreche.

Herrmann vermutete, dass so mancher Verkehrsteilnehmer in den Zeiten der relativ leeren Straßen stärker als erlaubt aufs Gas getreten ist. »Gerade in verkehrsarmen Zeiten fahren viele zu schnell«, sagte der Minister. Diese Zeiten sollen jetzt der Vergangenheit angehören. Nach dem Wegfall der meisten Corona-Beschränkungen habe die Polizei wieder »Zeit für verstärkte Verkehrskontrollen« kündigte Herrmann an und nannte auch Schwerpunkte: Geschwindigkeits-, Gurt- und Handy-Kontrollen sowie ein verstärktes Augenmaß auf die Fahrtüchtigkeit.

Im vergangenen Jahr war die bayerische Polizei bei der Überwachung des Verkehrs nicht untätig. Wegen Geschwindigkeitsverstößen wurden 349.000 Anzeigen erstattet (plus 8,7 Prozent) und 786.000 Verwarnungen erteilt (plus 13,0 Prozent). Nicht angelegte Sicherheitsgurte wurden 31.738 mal geahndet (minus 7,9 Prozent). 31.932 Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss (plus 1,9 Prozent) wurden zur Anzeige gebracht.

SPD fordert mehr Radwege

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Inge Aures mahnte gezielte Maßnahmen zur Beschleunigung der Verkehrswende in Bayern an. Der Verkehr auf Bayerns Straßen werde immer dichter. Wo bleiben Maßnahmen, die den Ausbau der Radwege und des öffentlichen Personennahverkehrs vorantreiben und damit auch den Klimaschutz voranbringen?«, erklärte Aures. Die Verkehrspolitikerin bekräftigte ihre Forderung nach einem Ausbau des Radnetzes. Da die Staatsregierung in den vergangenen drei Jahren »läppische 220 km neue Radwege« gebaut habe, seien Beschleunigungen auf diesem Gebiet überfällig. SPD-Landtagsfraktion hatte unlängst als erste Fraktion ein Radgesetz für Bayern vorgelegt mit dem Ziel, den Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen bis zum Jahr 2030 auf 30 Prozent zu steigern.

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