Wie der Feldhamster fünf Top-Richter aufscheucht

Rechtsfindung: Minuziös legt der EuGH dar, wie »Fortpflanzungsstätten« der kleinen Nager zu schützen sind

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Feldhamster
Der Europäische Gerichtshof hat den Schutz des vom Aussterben bedrohten Feldhamsters in einem Urteil gestärkt.
Foto: Uwe Anspach/dpa
Zwar ist der November angebrochen, aber hier geht es nicht um jene »Ruhestätten«, an die wir im Totenmonat zuerst denken. Zumal die hier gemeinte »Ruhestätte« eng mit der »Fortpflanzungsstätte« verbunden ist. Wir befinden uns im Tierreich, genauer gesagt beim »Cricetus cricetus«, wie der Europäische Gerichtshof den Feldhamster in einem jetzt ergangenen Urteil beharrlich nennt.


Um die zwölf Seiten des EuGH zusammenzufassen: Das putzige Nagerchen hat gesiegt. Abgewatscht wurde eine Baufirma, die auf einem Wiener Grundstück ohne Erlaubnis herumgefuhrwerkt und »mindestens zwei Hamsterbaueingänge zerstört« hatte. Solches Wüten widerspricht der EU-Habitatrichtlinie, die bedrohte Arten wie den Feldhamster besonders stark schützt.
Dem süßen Tier wünschen sicher alle das Überleben. Aber lächeln darf man achon darüber, wie tief sich eine Kammer mit fünf EU-Spitzenrichtern in die Welt der Hamsterbaue eingegraben hat. 
Eine offene Frage war beispielsweise, wie lange eine »Fortpflanzungsstätte« geschützt ist: nur während der »konkreten aktiven Bewohnung« der Hamstereltern und -kinder – oder immer? Zu klären war zudem, wann eine »Beschädigung« der Ruhestätten endet und deren »Vernichtung« beginnt. Ebenfalls höchstrichterlich zu entscheiden war, ob der Schutz der Fortpflanzungsstätten auch für deren Umfeld gilt.
Klar, dass das Begattungsrevier weit gezogen wurde in diesem durch und durch hamsterfreundlichen Urteil. Auch nicht mehr genutzte Fortpflanzungsstätten gehören dazu, »sofern eine hinreichend hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass diese Tierart an diese Stätten zurückkehrt«.
Dies zu prüfen, verlangen die EU-Richter nun vom Verwaltungsgericht Wien, das den Fall zuvor behandelt hatte. Wir sehen die österreichischen Richter schon vor den Hamsterbauten liegen, um zu ermitteln, ob Sexlaute endgültig verstummt sind.
Hoffentlich haben sie dann noch Zeit dafür, um Kinder und arme Menschen mindestens so stark vor Unbill zu schützen wie den Feldhamster. Claus Morhart

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