Trotz grüner Energien heizt China das Klima auf

Umwelt: Kein Land der Erde produziert mehr Sonnenkollektoren - Ausstoß an Kohlendioxid hat sich dennoch seit 2003 sogar verdoppelt

Peking
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Rauch aus den Schornsteinen einer Chemiefabrik in Nordchina.
Foto: dpa
Chi­na ist welt­weit füh­r­end beim Aus­bau er­neu­er­ba­rer En­er­gi­en. Die Aus­zeich­nung des chi­ne­si­schen So­lar-Un­ter­neh­mers und »Son­nen­kö­n­igs« Huang Ming mit dem Al­ter­na­ti­ven No­bel­preis 2011 wirft ein Schlag­licht auf die Be­müh­un­gen der zweit­größ­ten Wirt­schafts­na­ti­on, al­ter­na­ti­ve En­er­gi­en zu för­dern, auch wenn Chi­na auf UN-Kli­ma­kon­fe­ren­zen eher als Brem­ser auf­tritt.
Auf dem UN-Klimagipfel in Südafrika im Dezember wird man wieder versuchen, China und die USA auch politisch stärker ihn den internationalen Klimaschutz einzubinden.
Dabei hat China mehr vorzuweisen als andere Staaten: Sechs Jahre in Folge hat das Land seine Kapazitäten an Wind- und Sonnenenergie verdoppelt. Kein Land der Erde produziert mehr Sonnenkollektoren, auch wenn sie meist in den Export gehen. Zwei Drittel aller solarbetriebenen Wasserheizer, wie sie Huang Mings Unternehmen als Weltmarktführer herstellt, stehen in China. Kein Land der Erde investiert mehr in erneuerbare Energiequellen, lobte jüngst ein UN-Bericht. Umweltschützer wie Greenpeace sind beeindruckt. China hat Umwelttechnologien als Wirtschaftsfaktor entdeckt. Außerdem lassen seine schiere Größe, der stetig steigende Bedarf und der Mangel an Rohstoffen dem bevölkerungsreichsten Land der Erde keine andere Wahl, als alternative Energien zu fördern.
Energiebedarf steigt stark
Hoffnungen aber, dass dadurch der Klimawandel aufgehalten werden könnte, sind illusorisch. Kein Land heizt die Erderwärmung stärker an als China. Der stark steigende Energiebedarf hat den chinesischen Ausstoß von Kohlendioxid seit 2003 sogar verdoppelt. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Emissionen um zehn Prozent - ähnlich schnell wie das Wirtschaftswachstum in China.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung verweist zudem darauf, dass der boomende Bausektor mit seinen Stahl- und Zementfabriken maßgeblich zum steigenden CO2-Ausstoß von China beitrage. Eine weitere Ursache sei das Wachstum der Städte, da ein Mensch dort mehr Energie verbrauche als auf dem Land.
Die Emissionen pro Kopf klettern in China erstmals auf das Niveau von industrialisierten Ländern. Nach einer neuen Studie der niederländischen Umweltbehörde, die von der EU-Kommission vorgelegt wurde, liegt der CO2-Ausstoß in China pro Kopf bereits auf den Stand von Italien und höher als in Frankreich - wenngleich unter dem der Deutschen. Bei den gegenwärtigen Trends könnte China in sieben Jahren sogar die Amerikaner als die größten Klimasünder gemessen an der Bevölkerungsgröße überholen, warnte die Studie.
Land verbraucht viel Kohle
So steigt auch der globale CO2-Ausstoß viel schneller als bislang erwartet. Nachdem die Wirtschaftskrise die weltweiten Emissionen 2009 um ein Prozent fallen ließ, stiegen sie 2010 sogar wieder um fünf Prozent, wie die Studie berichtet. Einen solchen Anstieg hat es in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht gegeben. Trotz des Ausbaus anderer Energien muss sich China weiter zu zwei Drittel auf Kohle stützen. Sein Kohleverbrauch stieg 2010 um 10,1 Prozent und trug damit zu zwei Drittel zum weltweiten Anstieg der Kohlenutzung bei. Mit 29,6 Prozent ist der Anteil der Kohle am globalen Energieverbrauch seit 1970 nicht mehr so hoch gewesen wie heute.
Da China mit fossilen Energien seinen Bedarf als Fabrik der Welt nicht mehr decken kann, will der neue Fünf-Jahres-Plan den Anteil von Wind-, Wasser-, Sonnen- und Atomenergie bis 2015 auf elf Prozent oder mehr steigern. Auch sind Einsparungen geplant. Als seinen Beitrag im globalen Kampf gegen den Klimawandel will China den Energieverbrauch für jeden erwirtschafteten Yuan bis 2020 um 40 bis 45 Prozent senken. Auch wenn das Ziel ehrgeizig klingt, ist es nur relativ, da der Ausstoß an Treibhausgasen in absoluten Zahlen unaufhörlich ansteigen wird, weil gleichzeitig auch die Wirtschaft weiter stark wächst. Andreas Landwehr (dpa)
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