»Thema Geld als Schulfach«

Birgit Happel: Die Kleinostheimer Verbraucherberaterin über finanzielle Früherziehung

Kleinostheim
2 Min.

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Die beiden Tweets Nainas, die eine heftige Debatte auslösten.
Foto: Screenshot
Bir­git Hap­pel (Fo­to: pri­vat) ist So­zio­lo­gin und Bank­kauf­frau und be­rät Ver­brau­cher der Re­gi­on in Fra­gen der Fi­nanz­pla­nung - un­ter an­de­rem auch El­tern, wie sie ih­ren Spröss­lin­gen bei­brin­gen soll­ten, mit Geld um­zu­ge­hen. Sie wä­re al­so ei­ne idea­le Ge­spräch­s­part­ne­rin ge­we­sen für Nai­na, die mit ih­rem Tweet auf dem Kurz­nach­rich­ten­di­enst Twit­ter vom 10. Ja­nuar (sie­he Bild un­ten) hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen aus­lös­te.

Naina hat gesagt, sie könne zwar dank des Unterrichts Gedichte in vier Sprachen analysieren, aber habe keine Ahnung von Steuern, Versicherung und Miete. Werden Kinder in der Schule nicht genügend auf solche Lebensfragen vorbereitet?
Naina hat die Diskussion zwar nicht gewollt, aber sie hat etwas mit ihrer Äußerung angestoßen. Eine finanz- und wirtschaftsethische Sensibilisierung ist daher meines Erachtens ein gesellschaftspolitisches Gebot der Stunde. Grundsätzlich ist es ja auch belegt, dass Jugendliche insbesondere in der finanziellen Bildung Wissenslücken aufweisen. Finanzielle Kompetenzen zählen nicht gerade zu den selbstverständlichen Kulturtechniken, die Kindern mit auf den Weg gegeben werden, obwohl der eigene Umgang mit Geld und Finanzen das ganze Leben betrifft. Das läuft in Familien eher en passant und in der Schule ist das Thema nicht flächendeckend verankert.


Ist es nicht vielmehr Aufgabe jedes einzelnen, sich solche Kompetenzen selbst anzueignen?
Die Schule kann nicht alle gesellschaftlichen Problemstellungen lösen. Natürlich müssen wir uns immer wieder fragen, ob der Mensch der Wirtschaft oder die Wirtschaft dem Menschen dient. Die das ganze Leben betreffende Selbstoptimierung nimmt beängstigende Ausmaße an und sicher fehlt uns eine Kultur der Muße. Dennoch sollten junge Erwachsene aufgeklärt und gewappnet sein, wenn sie aus der Schule ins Leben treten. Viele Eltern können es heute aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr leisten, ihren Kindern ausreichende Unterstützung zum Erwerb von Lebenskompetenzen mit auf den Weg zu geben.


Gibt es denn schon in einigen Schulen Ansätze dazu?
Mittlerweile gibt es bundesweit vielversprechende Initiativen wie in Heidelberg das Schulfach »Glück«, welches Lebenskompetenz, Lebensfreude und Persönlichkeitsentwicklung im Schulalltag realisieren möchte oder Pilotprojekte zum Schulfach »Leben« oder in Hamburg das Schulfach »Geld«.


Sich über wirtschaftliche Zusammenhänge zu informieren und sich Gedanken zu machen, fällt vielen Menschen schwer. Was würden Sie empfehlen, wie man sich dem Thema nähern kann?
Sicher liegt es nicht jedem, seinen Tag beim Frühstück mit dem Wirtschaftsteil der Zeitung zu beginnen. Auch gibt es beim Thema Geld und Finanzen erstaunliche Vermeidungstaktiken. Erstaunlich deswegen, weil das Aufschieben oft mit echten finanziellen Verlusten einhergeht. Wenn man sich vor Augen führt, um welche Beträge es bei finanziellen Fehlentscheidungen geht, dann wundert man sich schon, wie leichtfertig oft Verträge unterzeichnet werden. Aus diesem Grund fordern Verbraucherzentralen auch »Vorbeugenden Verbraucherschutz« als Pflichtunterricht an Schulen. Als Einzelner kann ich mich heute sehr gut über das Internet informieren, es gibt gute Vergleichs- und Informationsportale.


Griechenland und der mögliche Euro-Austritt: Wäre das ein Thema, das man auch im Schulunterricht behandeln sollte?
Konkret sind wir oft erst mit den Wechselwirkungen der Währungsverflechtung konfrontiert, wenn wir in den Urlaub fahren. Der schwache Euro verteuert dieses Jahr unsere Reisen in viele Länder. Gleichzeitig profitiert die Exportwirtschaft, was wiederum Arbeitsplätze sichert. Diese Mechanismen sollten schon Schülern vor Augen geführt werden.


Sie beraten zum Thema Geld und Haushalt. Mit welchen Fragen werden Sie am meisten konfrontiert?
Bereits im Kindergartenalter ist es wichtig, dass Eltern auf Grenzen in der Konsumerziehung achten, später dann im Jugendalter geht es eher um den richtigen Umgang mit Verträgen und auch Fallen, die es zu vermeiden gilt. Aber das Erlernen des Umgangs mit Geld ist ein Prozess, da werden natürlich auch Fehler gemacht, aus denen kann man dann etwas lernen. Grundsätzlich ist es den Menschen ein Bedürfnis, offen über ihre Anliegen im Zusammenhang mit Geld zu sprechen, das ist im Alltag noch immer ein tabuisiertes Thema.


b Vortrag »Mit Kopf oder Bauch? - Mit Geld umgehen« am Dienstag, 12. Mai, 20 Uhr, Volkshochschule Marktheidenfeld, Marktplatz 24.
Bettina Kneller
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