Schwere Schlappe für Merkel

Unionsfraktion:Ralph Brinkaus neuer Chef - Volker Kauder knapp abgewählt

BERLIN.
2 Min.

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Siegerlächeln: Ralph Brinkhaus (CDU) ist der neue Chef der Unionsfraktion im Bundestag. Foto: dpa
Foto: Kay Nietfeld
Kurz vor Be­ginn der Uni­ons-Frak­ti­ons­sit­zung war Horst See­ho­fer noch gu­ten Mu­tes. »Sein größ­ter Trumpf ist, man kann sich auf ihn ver­las­sen«, sag­te der CSU-Chef über Vol­ker Kau­der. Vi­el­leicht ist ihm ge­nau das zum Ver­häng­nis ge­wor­den, dass näm­lich An­ge­la Mer­kel auf ih­ren en­gen Ver­trau­ten im­mer zäh­len konn­te.

Auch dann, wenn das Murren unter den Unions-Abgeordneten über die Kanzlerin groß gewesen ist. Kauder wurde am Dienstag nach 13 Jahren als Fraktionschef abgewählt. Ein politischer Paukenschlag sondergleichen unter der Reichstagskuppel, mit dem niemand gerechnet hat.

Die Kanzlerin, berichteten Teilnehmer der Sitzung, habe die Verkündung des Ergebnisses mit »versteinerter Miene« zur Kenntnis genommen. Zuvor hatte sie vor den Abgeordneten von CDU und CSU noch einmal eindringlich für Kauder geworben; es sei der falsche Zeitpunkt für einen Wechsel, soll Merkel erklärt haben. Offenbar in Anspielung auf das schwere Fahrwasser, in dem sich die Große Koalition nach der Causa Maaßen befindet. Ähnlich äußerte sich Seehofer, er legte sich auch für Kauder ins Zeug. Doch die Mehrheit der Abgeordneten entschied überraschend anders.

125 zu 112 Stimmen

»Es wird enger, als die meisten glauben«, hatte schon ein Parlamentarier im Fahrstuhl des Reichstages auf dem Weg zur Fraktionssitzung prognostiziert. Dass es jedoch für einen Sieg des 50-Jährigen Westfalen Ralph Brinkhaus über den 69-Jährigen Baden-Württemberger Volker Kauder reichen würde, daran glaubte ernsthaft niemand. Brinkhaus erhielt 125 Stimmen, Kauder nur 112. Viele Abgeordneten meinten nach der Wahl, Brinkhaus habe sie mit seiner Rede überzeugt. »Ich denke, das hat viele noch umgedreht«, so der CSU-Mann Hans Michelbach. Denn der durchaus angesehene Finanzexperte versprach den Abgeordneten anders als Merkel einen Neuanfang. Er warb für einen »Aufbruch« der Unionsfraktion. Das kam an. Und sorgte für den entscheidenden Stimmungswechsel. Prominente Fürsprecher, gar eine Hausmacht hat Brinkhaus nämlich nicht. Seine Wahl zeige, wie tief der Wunsch nach Erneuerung nun mal sei, so der Abgeordnete Nikolas Löbel zu unserer Redaktion. Nun liege es an CDU und CSU »aus dieser Überraschung eine echte Aufbruchsstimmung für unsere Partei und unser Land zu erzeugen«.Jubelstürme gab es für Brinkhaus nicht in der Fraktion, dafür aber viel dankbaren Applaus für Kauder. Nach der Sitzung trat auch die Kanzlerin vor die Mikrofone - süßsauer lächelnd räumte sie ihre derbe Niederlage ein. Sie habe sich für Kauder eingesetzt, weil sie 13 Jahre lang »sehr, sehr gut« mit ihm zusammengearbeitet habe, meinte Merkel. Sie gratulierte Brinkhaus und sicherte zu , »wo immer ich das kann, ihn auch zu unterstützen«. Unterstützung braucht freilich jetzt auch Merkel. Sie hat ihren engsten Verbündeten in der Fraktion verloren, ihre Autorität bröckelt mehr und mehr. Linksfraktionschef Dietmar Bartsch forderte sie daher auf, im Bundestag die Vertrauensfrage zu stellen, um zu klären, »ob eine Mehrheit sie noch als Kanzlerin will«.

Abgang durch Hinterausgang

Und Kauder? Der machte sich nach der Wahl ohne ein Wort durch den Hinterausgang von dannen. Sein Nachfolger Brinkhaus stellte sich indes vor die Mikrofone zusammen mit CSU-Landesgruppenchef und seinem künftig ersten Stellvertreter Alexander Dobrindt, der sich zuvor klar für Kauder ausgesprochen hatte. Kein feiner Zug. »Ich freu mich riesig über das Wahlergebnis«, erklärte Brinkhaus. »Jetzt geht es darum, ganz schnell wieder an die Arbeit zu kommen.« Ob das nach so einem Paukenschlag in einer nun so zerrissenen Union gelingen wird, muss bezweifelt werden.

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