Respekt - für Impf- und Pflege-Helden

Hingeschaut: Warum wir nicht nur in Pandemiezeiten Dankbarkeit äußern sollten

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Main-Echo Aschaffenburg - Chefredakteur Martin Schwarzkopf Fotograf: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich
Re­spekt - mit die­sem Schlüs­sel­be­griff hat Bun­des­kanz­ler Olaf Sc­holz er­folg­reich Wahl­kampf ge­macht. Der frisch ge­wähl­te Chef der Bun­des­re­gie­rung ver­spricht uns da­mit et­was, was selbst­ver­ständ­lich sein soll­te: Re­spekt vor der Le­bens­leis­tung ei­ner je­den Bür­ge­rin, ei­nes je­den Bür­gers.

Das bedeutet natürlich nicht, dass jedem ausgelebten Irrsinn in diesem Corona-Winter mit devotem Respekt begegnet werden muss, aber: Man kann auch respektvoll sein, wenn man in aller Deutlichkeit kruden Meinungen und falschen Tatsachenbehauptungen entgegen tritt.

Respektvoll zu sein ist prägend für die Haltung, wie man mit seinen Mitmenschen umgeht. Es ist das Gegenteil von Geringschätzung und egozentrischer Überheblichkeit. Wir sind alle soziale Wesen, als Einzelkämpfer stehen wir auf verlorenem Posten - im Beruf wie im Privaten.

Übermenschliche Leistungen

Nie ist das so augenscheinlich geworden wie in diesen Pandemie-Monaten. Ohne die übermenschlichen Leistungen von Menschen, die dafür eher mäßig mit Geld honoriert werden, hätte es noch mehr Tote gegeben, gäbe es noch viel tiefere Risse in unserer Gesellschaft. Beispielhaft seien an dieser Stelle erneut die Pflegefachkräfte - nicht nur auf den Intensivstationen - genannt, die in Kliniken und in der Altenpflege tätig sind. Oder die Mitarbeiter in den Rettungsdiensten. Oder die medizinischen Fachangestellten, die in den Arztpraxen mit ihren Chefinnen und Chefs eine schon fast zwei Jahre andauernde Ausnahmesituation bewältigen.

Was viel zu oft vergessen wird: Bereits vor der Pandemie handelte es sich dabei um Knochenjobs, die eine ausgeprägte Stressresistenz und viel Idealismus verlangten. Respekt für diese unersetzliche Arbeit - und ein herzliches Dankeschön!

Genau ein solches, laut ausgesprochenes Dankeschön haben ebenso die vielen Impf-Helden redlich verdient, die an der Front gegen die Covid-19-Pandemie ankämpfen. Wieder sind die Praxisteams zu erwähnen, die kreativ und motiviert einen erheblichen Teil der Impf-Kampagne stemmen. Ganz wichtig sind Logistik-Fachkräfte, die dafür zu sorgen haben, dass der Impfstoff quer durch die Republik verteilt wird.

Reanimation der Impfzentren

Es war ein gigantischer politischer Fehler, die öffentlichen Impfzentren in Teilen der Republik dicht zu machen oder bis kurz vor der Nulllinie herunter zu fahren. Denn spätestens im Sommer zeichnete sich ab, dass es ohne dritte Impfdosis für viele nicht gehen wird. Es ist den hoch motivierten Führungskräften in den Impfzentren vor Ort zu verdanken, dass innerhalb weniger Wochen die Wiederbelebung dieser Zentren gelang. Mehr als 1000 Impfungen pro Tag in kommunalen Impfzentren gab es in dieser Woche in unserer Region wieder - diese Führungsleistung der ärztlichen und Verwaltungsleiter verdient Respekt.

Diese Führungskräfte ständen allerdings auf verlorenem Posten, wenn sie nicht Mitarbeiter hätten, die ganz konkret bei jedem Impfling die nötigen Dokumentationsschritte übernehmen, die Impfspritzen aufziehen, den Piks in den Arm setzen und anschließend in Warteräumen darauf achten, dass niemand aus den Latschen kippt. Viele Hundert dieser Impf-Helden sorgen in unserer Region und im ganzen Land dafür, dass die Pandemie nicht noch weiter und schneller eskaliert.

Was das konkret heißt, davon habe ich mich bei einem privaten Anlass in dieser Woche im Impfzentrum in Hösbach (Kreis Aschaffenburg) überzeugt: Der Andrang war groß - und dennoch wirkte alles durchdacht organisiert, sortiert und zutiefst menschlich. Das begann bei den beiden Frauen vom Sicherheitsdienst am Eingang, die mit Engelsgeduld und voller Freundlichkeit den Andrang managten.

Das ging weiter an den Stationen im Impfzentrum, wo mittelalte Männer und Frauen gemeinsam mit Bundeswehrsoldaten, kaum älter als Teenager, den Laden am Laufen halten. Die Unterstützung der Männer in Uniform kann ohnehin gar nicht genug wertgeschätzt werden. Und das hört noch lange nicht auf beim Krankenhaus-Chefarzt im Ruhestand, der nicht nur fast täglich seinen Impfdienst tut, sondern außerdem noch die notfallmedizinische Absicherung auf höchstmöglichem Niveau garantiert.

Tiefe Überzeugung

Wer sieht, mit welch tiefer Überzeugung und großem Engagement hier gegen das unselige Virus angekämpft wird, dem darf schon einmal warm ums Herz werden. Und dieser positive Eindruck von einer am Nächsten orientierten Gemeinschaftsleistung wird durch weitere Ereignisse gestützt: Etwa durch den Impf-Marathon, der an diesem Wochenende in Hanau stattfindet und vor allem von Ehrenamtlichen getragen wird.

Ich ziehe meinen Hut voller Respekt und bin all meinen Mitmenschen dankbar, die mit Tat und Mut gegen diese Covid-19-Pandemie ankämpfen. Sie machen unsere Gesellschaft aus und verdienen noch viel mehr (mediale) Beachtung - jedenfalls mehr als diejenigen, die nur dummes Zeug von sich geben.

Und nicht nur in der Adventszeit gilt: Wir sollten uns mehr Zeit für Dankbarkeit nehmen, zum Beispiel für den Mann an der Pforte unseres Arbeitsplatzes, für die Fachkraft für Arbeitssicherheit, die Covid-19-Tests im Betrieb organisiert, oder für die Reinigungskraft in unserem Unternehmen - denn ohne sie alle läuft nichts, gar nichts in unserem Land.

»Hingeschaut« ist die Kolumne der Main-Echo-Chefredaktion

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