Regionale Wasserknappheit in Deutschland nicht ausgeschlossen

Klimakrise: Zeitlich und örtlich begrenzte Engpässe bei Wasserversorgung denkbar - Dafür braucht es Vorkehrungen - Und die Zeit drängt

BERLIN
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Auch hierzulande kann eine regionale und zeitlich befristete Wasserknappheit nicht ausgeschlossen werden. Foto: Julian Stratenschulte (dpa)
Foto: Julian Stratenschulte
Die Er­d­er­wär­mung sch­rei­tet voran. Dür­re Bö­den und sin­ken­de Grund­was­ser­spie­gel sind nur zwei von vie­len Fol­gen die­ser Kri­se, die sich längst auch in Deut­sch­land be­merk­bar macht. Es geht nicht mehr nur dar­um, ei­ne wei­te­re Ver­sch­lim­me­rung des Kli­ma­wan­dels zu ver­hin­dern.

Inzwischen geht es auch darum, einen Umgang mit seinen Folgen zu finden und Klimaanpassung zu betreiben. Doch auch hier gibt es großen Nachholbedarf.

Immerhin, nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums (BMUV) steht Deutschland nicht vor einer allgemeinen Wasserknappheit. »Aber der Klimawandel nimmt uns die Gewissheit, dass wir zu jeder Zeit und überall in Deutschland Wasser im Überfluss haben«, sagt ein Ministeriumssprecher. Ähnliches gilt für die Trinkwasserversorgung in Deutschland. Zwar sieht man diese im Ministerium absehbar nicht grundsätzlich gefährdet. Allerdings schließt man regionale und temporäre Knappheiten keineswegs mehr aus. Ein sorgsamer Umgang mit den Wasserressourcen sei dringend nötig. »Wir müssen künftig besser darauf vorbereitet sein, dass es längere Trockenphasen mit einem deutlichen Rückgang der Bodenfeuchte und der Grundwasserstände geben wird«, so der Sprecher.

Dabei hängen Niederschläge, Grundwasser und Trinkwasser eng miteinander zusammen. So speist sich das Grundwasser über den Niederschlag. Wenn es über lange Zeit zu trocken ist, sickert zu wenig Wasser durch die Böden und kann sich kein Grundwasser neu bilden. Laut Umweltbundesamt (UBA) sind etwa in den Jahren 2018 und 2019 wegen der lang anhaltenden Trockenheit in einigen Regionen die Grundwasserstände deutlich gefallen und bis heute nicht wieder aufgefüllt. »Etwa 70 Prozent des deutschen Trinkwassers stammt aus Grund- und Quellwasser. Deshalb müssen wir ein besonderes Augenmerk auf Menge und Qualität des Grundwassers richten«, sagt UBA-Vizepräsidentin Lilian Busse.

Aktuell jedenfalls herrscht keine akute Trockenheit der Böden. »Die Bodenfeuchtesituation ist aktuell entspannt«, sagt Bianca Plückhahn vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Grund dafür sei ein leicht überdurchschnittlich feuchter Winter und ein überdurchschnittlich nasses erstes Monatsdrittel im April, gemittelt über ganz Deutschland. Bisher seien im April mehr als Dreiviertel der mittleren Aprilniederschläge gefallen. »In vielen Regionen wurde das Monatssoll der Niederschläge bereits überschritten«, so die Meteorologin. Die obersten Bodenschichten seien derzeit gut aufgefüllt, verbreitet auch gesättigt.

Zwar gibt es laut Plückhahn auch Regionen in Deutschland, in denen die tieferen Bodenschichten in den vergangenen Monaten nicht komplett aufgefüllt worden sei. So zum Beispiel im Rheinland, vom Rhein-Main-Gebiet bis zur Südpfalz, in Teilen der nordhessischen Beckenlagen sowie großflächiger vom Thüringer Becken bis nach Sachsen-Anhalt und in Teilen Brandenburgs und Sachsens. Insgesamt aber kommt sie zu dem Schluss, dass »aktuell von einer Dürresituation nicht die Rede« sein könne.

Dringender Handlungsbedarf

Ein Grund zur Entwarnung ist das allerdings noch nicht. Im Umweltbundesamt sieht man dringenden Handlungsbedarf, um sich auf mögliche regionale Probleme bei der Wasserversorgung vorzubereiten. Die Trockenheitsjahre 2018 bis 2020 hätten deutlich vor Augen geführt, dass sich der Klimawandel auch in Deutschland auswirke, heißt es aus dem UBA. Wetterextreme wie Trockenheit und Starkregen würden weiter zunehmen. »Auch wenn in Deutschland noch kein Mangel an Trinkwasser herrscht und es bisher keine flächendeckenden negativen Auswirkungen auf Trinkwasser aus Grundwasserressourcen gibt, müssen wir bereits jetzt Maßnahmen einleiten, um auf die erwartbaren zumindest regionalen und saisonalen Knappheitssituationen vorbereitet zu sein«, sagt Lilian Busse. Da viele Wassernutzungen betroffen seien - neben der Trinkwassernutzung etwa die Industrie, die landwirtschaftliche Bewässerung, die Schifffahrt - fordert man im UBA ein »integriertes Wassermanagement«.

Ähnlich sieht man das im zuständigen Umweltministerium, auch dort wird für einen sektorübergreifenden Ansatz plädiert. Man will an vielen Stellschrauben ansetzen: Infrastruktur weiterentwickeln, den natürlichen Wasserhaushalt wieder in Balance bringen und halten, Städte wassersensibel gestalten sowie die Landwirtschaft an die Klimakrise anpassen. Bereits im Sommer 2021 wurde die »Nationale Wasserstrategie« vorgestellt, damals noch von der früheren Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Nachfolgerin Steffi Lemke (Grüne) will nun daran anknüpfen. Bis Ende dieses Jahres will man die Wasserstrategie verabschieden und gemeinsam mit Ländern und Kommunen umsetzen. Die Zeit drängt, denn die Klimakrise ist in vollem Gang.

Hintergrund

» Wir werden in Deutschland nicht zu jeder Zeit und überall Wasser im Überfluss haben. «

Ministeriumssprecher

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