Donnerstag, 25.04.2019

Neue Theologie nach dem Missbrauchsskandal?

Katholische Kirche:Deutsche Bischöfe suchen Reformen, um aus der Krise zu kommen - »Synodaler Weg« - Theologen für Veränderungen

BERLIN
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Braucht es ei­ne neue Theo­lo­gie nach dem Miss­brauchsskan­dal? Die­se Fra­ge lässt die »Zeit«-Bei­la­ge »Christ & Welt« von et­li­chen deutsch­spra­chi­gen Theo­lo­gen be­ant­wor­ten. Al­le­s­amt Wis­sen­schaft­ler, die Ve­r­än­de­run­gen for­dern.

Anders als der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der argumentiert hatte, das Heil der Kirche liege vor allem in der Rückbesinnung auf Christus und seine Lehre. Sie könne sich, egal wie groß medialer Druck und öffentliche Erwartungen auch sein mögen, »keine Veränderungen ihrer Lehre abtrotzen lassen, wenn diese dem Geist des Evangeliums widersprechen«. Woelki spricht damit genau die Kernfrage an hinter dem »verbindlichen synodalen Weg«, den die Bischöfe beschlossen haben. Dabei sollen etwa Zölibat, Sexualmoral und die Macht der Kleriker zur Debatte gestellt werden. Doch sind hier Änderungen möglich? Und - wenn ja - was davon können die deutschen Bischöfe auf den Weg bringen?

Bei diesen »klassischen Reizthemen« sei die theologische Debattenlage »sehr klar«, betont der Würzburger Fundamentaltheologe Matthias Remenyi in »Christ & Welt«: »Weite Teile der akademischen Theologie fordern seit Langem mit guten Gründen neue Zugangswege zum Amt und eine Neubewertung etwa von Homosexualität.« Von kirchenamtlicher Seite aber würden theologische Forschungsergebnisse »seit Jahrzehnten schlicht ignoriert«.

Mehr Machtkontrolle gefordert

Der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff kritisiert Versuche, die Missbrauchstaten nur einzelnen sündigen Priestern oder gleich dem Teufel in die Schuhe zu schieben: »Mit der satanischen Macht des Bösen lassen sich jedenfalls weder Täterprofile katholischer Priester noch die Regie des Vertuschens erfassen.« Hoff sieht als einzigen Ausweg eine Gewaltenteilung - »durch Machtkontrolle von außen, durch kirchliche Gewaltenteilung von innen«.

Die Freiburger Theologin und Soziologin Rita Werden warnt Bischöfe davor, vor allem Vertrauen zurückgewinnen zu wollen: »Das darf nicht die erste Motivation sein. Weil es nicht um Kirche geht, sondern um das Wohl von Menschen.« Hier müsse Theologie ansetzen und »nicht in erster Linie um Kirchenräson bemüht sein«. Werden kritisiert auch das Argument, man dürfe weder Strukturen ändern noch Frauen weihen, weil dies nicht Gottes Willen entspreche: »Wir müssen Theologie anders denken und uns eingestehen: Theologie ist Interpretation. Sie ist menschenerdacht.«

»Es geht bei Macht- und sexuellem Missbrauch ja nicht einfach darum, dass einem labilen Kaplan seine Priesterrolle zu Kopf gestiegen ist«, ergänzt die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop. Solange etwa die Entscheidungsvollmacht in Lehre, Leitung und Gottesdienst an einen kirchlichen Stand gebunden sei, »tritt formale Autorität an die Stelle kompetenzbasierter Legitimation und Rollenübernahme.« Systematische Theologie, so Knop, müsse stärker auf »verhängnisvolle Verschränkungen von Theologie, Spiritualität, Gottesdienst und Struktur der Kirche hinweisen«. Dazu brauche sie aber »Wissenschaftsfreiheit und inneren Freimut«.

Neue Sexualmoral gefordert

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller spricht sich für eine »grundlegende Überarbeitung der kirchlichen Sexualmoral aus - besonders bei der Bewertung der Homosexualität«. Kirchenrechtlich fordert er bei Missbrauchsfällen ein »Klagerecht für die Betroffenen mit Akteneinsicht« sowie die Aufhebung der Geheimhaltungsverpflichtung.

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