Dienstag, 22.01.2019

Deutschlands Bildungssystem ist besser geworden

Gesellschaft:Doch viele Jugendliche bleiben abgehängt - GEW macht Vorschläge für mehr Bildungsgerechtigkeit

BERLIN.
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Schüler melden sich am 26.01.2004 im Unterricht des Clavius-Gymnasium in Bamberg. Insgesamt sind 23 Schüler am Bamberger Clavius-Gymnasium "Versuchskaninchen" für viele tausend bayerische Mädchen und Buben. Es ist eine von 30 Klassen in ganz Bayern, die bereits seit September 2003 das achtjährige Gymnasium (G 8) erproben. Foto: Marcus Führer dpa/lby (Zu lby Korr "Zwischen Spaß und Stress: Erste Erfahrungen mit dem G 8" vom 11.02.2004) | Bildunterschrift 2018-09-12 --> Verbessert, aber noch nicht gut genug: Deutschlands Schulen. Foto: dpa
Foto: Marcus_Führer

17 Jah­re nach dem Pi­sa-Schock prä­sen­tiert sich Deut­sch­lands Bil­dungs­sys­tem in deut­lich bes­se­rem Zu­stand. Da­mals hat­te die Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) auf­ge­zeigt, dass die Leis­tun­gen der deut­schen Schü­ler un­ter­durch­schnitt­lich und stark an die so­zia­le Her­kunft ge­kop­pelt wa­ren.

Geht der Daumen hoch oder runter für das Bildungssystem?

»Es gibt sowohl Licht als auch Schatten«, sagt der Leiter des Berliner OECD-Büros, Heino von Meyer. Ein Pluspunkt ist der seit gut zehn Jahren um 20 Prozentpunkte gestiegene Anteil der Unter-Drei-Jährigen, die eine Kita oder einen Kindergarten besuchen. Der Großteil der jungen Erwachsenen hat Abitur oder einen Berufsabschluss. Die vielen Uniabsolventen und jungen Menschen mit höheren Berufsabschlüssen haben exzellente Berufschancen.

Was ist das Hauptproblem?

Der hohe Sockel an jungen Leuten mit schlechten Aussichten. So bleiben 13 Prozent ohne Abitur oder Berufsabschluss. Mehr als die Hälfte von ihnen landet erst einmal in der Arbeitslosigkeit. Auffällig sind die schlechteren Chancen junger Zuwanderer - ein knappes Viertel von ihnen ist nicht in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung.

Werden unterschiedliche Startchancen ausgeglichen?

Nicht optimal. Die OECD zeigt: Kinder mit Müttern mit Spitzenabschlüssen besuchen weit häufiger eine Kita als Kinder ohne einen solchen Bildungsstatus. Deutlich weniger Kinder aus sozial benachteiligten Milieus erreichen elementare Kenntnisse zum Beispiel in Mathe. Allerdings zeigte eine Pisa-Auswertung im Februar auch: In kaum einem anderen Land ist der Anteil sozialschwacher Schüler mit soliden Leistungen so deutlich gewachsen wie in Deutschland - von 25,2 im Jahr 2006 auf 32,3 Prozent 2015.

Wie viel gibt Deutschland pro Schüler und Student aus?

Im Schnitt knapp 9400 Euro pro Jahr - rund 1400 mehr als im OECD-Schnitt. Gemessen an der Wirtschaftsleistung sind die Bildungs- und Forschungsausgaben mit 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland aber unter dem OECD-Schnitt von 5 Prozent.

Was kann man gegen die soziale Schere bei der Bildung tun?

Die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, verlangt eine gezielte Förderung von Schulen in Brennpunktbezirken. Dort müssten mehr Lehrkräfte eingestellt werden, so dass die einzelnen Lehrer weniger Pflichtstunden unterrichten müssen. Es sind oft Kinder, die zuhause keine Bücher vorgelesen und keinen Zugang etwa zu klassischer Musik bekommen.« Für sie seien künstlerische Projekte wichtig, Rollenspiele, Theater- oder Zirkusprojekte.

Was ist wichtig für Chancengleichheit und Lernerfolg?

OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher meint: mehr Ganztagsschulen, mehr gemeinsamer Unterricht von schlechter- und bessergestellten Schülern, mehr frühe Bildung in den Kitas. Lehrer sollten mehr Zeit haben für fächerübergreifendes Lehren, für die Förderung schwächerer Kinder, für Teamarbeit.

Welche Hindernisse gibt es?

Unter anderem den Lehrermangel. Tepe sagt, die Länder täten viel zu wenig dagegen. »Dass viele Quer- und Seiteneinsteiger eingestellt werden, ist in der Not richtig«, meint sie. Diese müssten aber rasch nachqualifiziert werden. Und: Man brauche mehr Studien- und Referendariatsplätze für Lehrkräfte.

BASIL WEGENER
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