Mittwoch, 20.02.2019

Kaum Neubauten durch Baukindergeld

Zuschüsse:Die meisten Familien nutzen das Geld zum Kauf von Immobilien - Linke: Modell verfehlt seinen Zweck

BERLIN
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Das Baukindergeld heizt den Immobilienmarkt weiter an. Foto: D. Karmann (dpa)
Foto: Daniel Karmann

Das Bau­kin­der­geld soll­te den Neu­bau an­kur­beln - doch in den ers­ten Mo­na­ten lockt die be­gehr­te Leis­tung vor al­lem Fa­mi­li­en, die sich ein be­ste­hen­des Haus oder ei­ne Woh­nung kau­fen.

Für Neubauvorhaben gehen deutlich weniger Anträge ein, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Linken-Abgeordneten Caren Lay hervorgeht. Demnach wurde bis Ende November nur etwa jeder achte Antrag für ein Neubauvorhaben gestellt, 87,7 Prozent der Anträge betrafen den Erwerb von Bestandsimmobilien.

»Keine Entspannung in Städten«

»Das Baukindergeld verfehlt klar seinen Zweck«, kritisierte Lay. Statt den Neubau von Wohnungen anzukurbeln, subventioniere es den Kauf bestehender Häuser. Gefördert werde damit vor allem die Mittelschicht auf dem Land. Für Entspannung auf dem städtischen Wohnungsmarkt für Geringverdiener sorge es dagegen nicht.

Das Baukindergeld soll Familien in Zeiten steigender Bau- und Immobilienpreise beim Erwerb von Eigentum helfen. Für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Immobilie winkt ein staatlicher Zuschuss von 1200 Euro je Kind und Jahr, gezahlt über zehn Jahre: also 12 000 Euro pro Kind.

Der Run ist groß: Bis Jahresende wurden bereits 56 435 Anträge von Familien bewilligt. Die meisten kamen aus den bevölkerungsreichen Flächenländern Nordrhein-Westfalen (12 606), Baden-Württemberg (7562), Niedersachsen (7099) und Bayern (6941). Aus den Stadtstaaten Berlin (861), Hamburg (589) und Bremen (492) dagegen gingen nur wenige Anträge ein. Hier aber sei eine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt dringend nötig, sagte Lay.

Auch rückwirkend

Verantwortlich für die hohe Antragszahl zum Start ist vor allem die Tatsache, dass der Zuschuss zu Beginn auch rückwirkend zum 1. Januar 2018 beantragt werden konnte Das Baukindergeld läuft über drei Jahre.

Gewährt wird das Baukindergeld für Familien und Alleinerziehende bis zu einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von 90 000 Euro im Jahr bei einem Kind. Bei größeren Familien darf die Grenze pro Kind 15 000 Euro höher liegen. Man muss mit den Kindern in dem Haus oder der Wohnung selbst wohnen, der Zuschuss kann nur einmal beantragt werden. Umstritten ist das Baukindergeld vor allem wegen seiner hohen Kosten. Pro Jahr gibt es ein Fördervolumen von rund drei Milliarden Euro. > Seite 3

Baukindergeld: Gefragt von kleinen Familien auf dem Land

Das neu eingeführte Baukindergeld nutzen vor allem Familien mit wenigen Kindern und Wohneigentum in ländlichen Regionen. Die Antragsliste wird laut Bundesregierung von den Flächenländern angeführt (siehe Hauptartikel). Wie die FDP-Bundestagsfraktion unlängst mitgeteilt hatte, wurden bis Ende November die meisten Anträge von Familien mit einem Kind gestellt: 17 727 Anträge. Familien mit zwei Kindern fragten den Zuschuss 17 425 Mal nach. 4472 Anträge gingen von Eltern mit drei Kindern ein.

»Gerade dort, wo die Wohnpreise jetzt schon am höchsten sind, wirkt das Baukindergeld nicht - in den Metropolen«, kritisierte FDP-Baupolitiker Daniel Föst. Für die meisten Familien in den Großstädten sei Eigentum schon lange nicht mehr finanzierbar: »Es kommt ausschließlich zu Mitnahmeeffekten, es wird kaum Eigentum zusätzlich geschaffen und die Baupreise werden durch die Förderung weiter enorm steigen.« Familien können das Baukindergeld bei der KfW-Bankengruppe online beantragen. (epd)

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