Dienstag, 25.09.2018

Inter Paartherapeuth: Finden Horsti

und Angie wieder zusammen?

BERLIN. Dienstag, 03.07.2018 - 20:59 Uhr

Lässt sich das zer­rüt­te­te Ver­hält­nis von An­ge­la Mer­kel und Horst See­ho­fer nach der jüngs­ten Es­ka­la­ti­on über­haupt noch kit­ten? Dar­über sprach un­se­re Ber­li­ner Re­dak­ti­on mit Ljub­ja­na Wü­ste­hu­be (Fo­to:

hoffotografen), geschäftsführende Gesellschafterin des Instituts inmedio Berlin, das auf Konflikte und Dialogprozesse in Unternehmen und Friedensprozesse sowie Mediationsausbildung spezialisiert ist.

Frau Wüstehube, an wen oder was hat Sie die jüngste Fehde zwischen Horst Seehofer und Angela Merkel erinnert?

Grundsätzlich würde ich den politischen Streit nicht zu sehr auf die Personen abstellen. Aber beispielsweise zwischen Boris Jelzin und Michael Gorbatschow gab es eine lange Geschichte der gegenseitigen Tiefschläge und öffentlichen Demütigungen. Die Art und Weise, wie die Sowjetunion aufgelöst wurde mit ihren negativen Begleitumständen, hat vermutlich sehr viel mit diesen persönlichen Demütigungen zu tun.

Da kann einem ja angst und bange werden.

Beängstigend ist in der Tat, wie sehr demütigende öffentliche Auftritte und persönliche Angriffe Einzug in diese Auseinandersetzung gehalten haben.

Wären Merkel und Seehofer ein Ehepaar, dann hätte sie ihren Gatten wegen der vielen seelischen Grausamkeiten wohl schon rausgeworfen. Warum läuft das in der Politik so ganz anders?

Weil es in der Politik nicht um persönliche Beziehungen geht, sondern darum, Positionen zu schärfen und so zu verkaufen, dass sie nicht nur die eigene Partei, sondern auch möglichst viele Wähler ansprechen. Deswegen ist der Konflikt in der Politik ein gängiges und vernünftiges Muster. Die Frage ist, ob man dabei auch die eigene Wählerschaft überzeugt, dass es sinnvoll ist, Kompromisse zu machen.

Ein Kompromiss wurde ja gefunden. Aber unter großen persönlichen Verletzungen.

Ja, gefährlich ist eine gegenseitige Politik der Selbstbindung, wie wir Mediatoren sagen. Öffentliche Festlegungen auf bestimmte Forderungen sollen dabei die eigene Verhandlungsposition stärken. Wenn es dann aber anders kommt, ist der Gesichtsverlust so gut wie unumgänglich, wie wir jetzt am ›Drehhofer‹-Ausspruch sehen können. Auch Merkels Ruf als europäische Problemlöserin steht auf dem Spiel.

Brauchen Merkel und Seehofer einen Mediator?

Besser geeignet sind an dieser Stelle gute politische Berater und die Einsicht, dass Leadership nicht bedeuten darf, sich quasi Schläge unter der Gürtellinie zu verpassen. Auch darauf können Berater Einfluss nehmen. Viele von ihnen sind übrigens durchaus in Mediation geschult.

Wie lange kann die Beziehung noch halten?

Die Beziehung Merkel-Seehofer kann noch sehr lange halten. Nach der Bayernwahl dürfte es erst mal etwas ruhiger werden. Nur wenn es einer Seite strategisch schlauer erscheint, auszusteigen, kann es auch ganz anders kommen.

Und wann wäre ein solcher Punkt erreicht?

Wenn einer von beiden den Nutzen eines Bruchs als größer einschätzt als den Schaden. Momentan ist das offenbar nicht so. Oder wenn die persönliche Komponente so stark überhand gewinnt, dass sie bei aller Professionalität nicht mehr gebändigt werden kann.

STEFAN VETTER

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