Montag, 20.05.2019

Kommt doch noch Bewegung in die Frauenfrage?

Katholische Kirche:Spekulationen über Zulassung von Diakoninnen - Papst Franziskus gilt als Förderer des weiblichen Geschlechts - Kommission hat Arbeit beendet

ROM
Kommentieren
Die Direktorin der Vatikanischen Museen, Barbara Jatta, aufgenommen am 26.10.2017 in ihrem Büro in den Vatikanischen Museen (Vatikan). Jatta steht als erste Frau an der Spitze der Vatikanischen Museen. Foto: Lena Klimkeit/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit Bildunterschrift 2019-05-15 --> Barbara Jatta. Foto: Klimkeit (dpa)
Foto: Lena Klimkeit
Eva reicht Adam auf dem Bild von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553) einen Apfel vom Baum der Erkenntnis. Die Tatsache, dass die Frau im Alten Testament oft als Verführerin oder Sünderin dargestellt wird, gilt aks einer der Gründe, dass sich die katholische Kirche mit einer Wehe von Frauen so schwer tut. Foto: epd
Foto: akg-images GmbH

Es ist ei­ne der ex­p­lo­sivs­ten Fra­gen in der ka­tho­li­schen Kir­che: Wel­che Rol­le sol­len Frau­en in ei­ner der größ­ten Glau­bens­ge­mein­schaf­ten künf­tig spie­len? Auf der Rück­kehr von sei­ner Pa­s­to­ral­rei­se nach Bul­ga­ri­en und Nord-Ma­ze­do­ni­en äu­ßer­te sich Papst Fran­zis­kus zu ei­nem The­ma, das mit die­ser Fra­ge un­mit­tel­bar ver­bun­den ist.

Ein mitreisender Journalist hatte den Papst nach der Weihe von weiblichen Diakonen gefragt, wie sie in der orthodoxen Kirche vorkomme. Franziskus hatte 2016 zum Thema eine historisch-theologische Kommission eingerichtet, die die Rolle von Frauen in der Frühkirche beleuchten sollte. Nun teilte der Papst offiziell mit: Die Arbeit der Kommission ist beendet, zu einem eindeutigen Ergebnis seien die Fachleute allerdings nicht gekommen.

Die Kommission habe zwei Jahre lang beraten, die verschiedenen Ansichten der Kommissionsmitglieder hätten nur bis zu einem gewissen Punkt übereingestimmt. »Jeder hatte dann eine eigene Vision, die nicht mehr mit der der anderen übereinstimmte, und dort haben sie die Arbeit der Kommission dann beendet«, erklärte Franziskus. »Die Weiheformeln, die man bisher gefunden hat, sind nicht dieselben wie die eines männlichen Diakons, sie ähneln eher denen einer Äbtissin«, fügte der Papst hinzu. Andere hätten gesagt, dass es zu Beginn Diakoninnen gegeben habe, die etwa bei der Taufe von Frauen oder bei der Untersuchung misshandelter Frauen zum Einsatz kamen. »Aber war das auch eine sakramentale Weihe?« Darüber gebe es keine Gewissheit. Einige Forscher hätten vorgeschlagen, die Studien zu vertiefen. Ob er am Thema weiter arbeiten lasse, ließ Franziskus offen. Die Frauenfrage in der katholischen Kirche bleibt damit weiter virulent.

Die Frage der Diakoninnen ist von Bedeutung, weil es sich um ein Weiheamt handelt. Diakone bekommen dasselbe Sakrament wie Priester und Bischöfe, dürfen aber keine Messe feiern. Befürworter der Priesterweihe für Frauen argumentieren: Wenn Frauen Diakoninnen werden können, warum sollten sie dann nicht auch zu Priesterinnen geweiht werden? Ähnliche Fragen könnten auch bei der Amazonas-Synode berührt werden, die Franziskus für Oktober im Vatikan einberufen hat. Die katholischen Bischöfe wollen dort unter anderem über wirksame Mittel diskutieren, wie man dem Priestermangel in dem weitläufigen Gebiet entgegentreten kann. Was die Weihe von Frauen zu Priesterinnen angeht, hat Franziskus allerdings in der Vergangenheit bereits klar gemacht: Die Zulassung von Frauen zum Priesteramt werde es in der katholischen Kirche definitiv nicht geben. Befürworter der Frauenweihe hoffen dennoch auf eine Zulassung von weiblichen Diakonen. Allein die Tatsache, dass der Papst eine Kommission zum Thema einsetzte, macht ihnen Hoffnung.

Halb Männer, halb Frauen

Bereits die Zusammensetzung der Forschungskommission zum Frauendiakonat in der Frühkirche erregte Aufsehen. Von den zwölf Mitgliedern waren sechs Frauen. So viel Gleichberechtigung sind in der katholischen Kirche die große Ausnahme. Nach Zählungen der Journalistin und Mitarbeiterin von Vatican News, Gudrun Sailer, sind im Vatikan derzeit 934 Frauen unter den 4400 Kurienmitarbeitern, mit rund 21 Prozent seien das aber so viele wie nie zuvor. In einem Aufsatz zum Thema für die April-Ausgabe der Zeitschrift Herder-Korrespondenz schreibt Sailer außerdem: »In keinem Pontifikat waren im Vatikan so viele Frauen insgesamt und so viele Frauen in Führungspositionen vertreten wie unter Franziskus.« Der Papst aus Argentinien berief 2017 Barbara Jatta als Leiterin der Vatikanischen Museen, im vergangenen Jahr ernannte er zwei Untersekretärinnen im Dikasterium für Laien, Familie und Leben. Bereits 2015 berief Kurienkardinal Gianfranco Ravasi eine 20-köpfige Gruppe weiblicher Beraterinnen für den von ihm geleiteten päpstlichen Kulturrat ein. Seit 2016 gibt es zudem einen Verein der Frauen im Vatikan, den zwölf Papstmitarbeiterinnen selbstständig gründeten. Sailer meint, man habe im Vatikan »eine neue Bewusstseinsstufe erreicht«.

Rücktritt beim Osservatore

Zuletzt machte auch die Frauen-Beilage der Vatikan-Zeitung Osservatore Romano »Donne Chiesa Mondo« von sich Reden. Redaktionsleiterin Lucia Scaraffia erklärte Ende März ihren Rücktritt und begründete dies mit einem »Klima des Misstrauens und einem fortschreitenden Entzug der Leigitimation«. Weil die Monatsbeilage unter anderem Berichte über die Ausbeutung und Missbrauch von Ordensfrauen durch Kleriker gebracht hatte, wurde zunächst darüber spekuliert, die Zeitschrift werde vom Vatikan selbst gebremst. Offenbar spielten aber auch persönliche Motive Scaraffias eine entscheidende Rolle. Die Historikerin wollte nicht mit dem neuen Chefredakteur des Osservatore Romano Andrea Monda zusammen arbeiten.

Kirchenstreik für Frauenrechte: Große Resonanz für »Maria 2.0«

Die bundesweite Bewegung für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche stößt nach Einschätzung der Initiatoren auf große Resonanz. »Unsere Aktion »Maria 2.0« ist zum absoluten Selbstläufer geworden«, sagte Mit-Initiatorin Lisa Kötter in Münster. Wie viele Menschen sich bislang an dem einwöchigen Kirchenstreik beteiligt haben, sei schwer einzuschätzen.

Es hätten sich jedoch Hunderte Gruppen, zum Teil ganze Kirchengemeinden, unter anderem aus Berlin, Hamburg und Freiburg mit der Bewegung solidarisiert, sagte Kötter.

Die am Streik beteiligten Gläubigen, laut Kötter Frauen und Männer, wollen weiter gegen Machtstrukturen in der Kirche und die Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch Amtsträger protestieren. In einer Online-Petition an Papst Franziskus fordern sie Zugang nicht nur zu allen Ämtern der Kirche, sondern auch die Aufhebung der Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester.

Folge des Missbrauchsskandals

Die Diskussion über den Zölibat - die vorgeschriebene Ehelosigkeit von Priestern - ist durch den Missbrauchsskandal in der Kirche neu entbrannt. Die deutschen Bischöfe hatten zuletzt beschlossen, die Frage des Zölibats zur Diskussion stellen zu wollen. Eine baldige Aufhebung weltweit, die der Papst verfügen müsste, gilt aber als unwahrscheinlich. In ihrer Gründungsstadt Münster startete die Initiative, Dutzende Frauen versammelten sich dort zu einem Gottesdienst im Freien. Bundesweit fanden weitere Aktionen statt. Anhänger von »Maria 2.0« betraten in dieser Zeit keine Kirchen, ließen ihre ehrenamtlichen Ämter ruhen und feierten bewusst Gottesdienste ohne Priester im Freien.

»Geduld ist am Ende«

»Unsere Geduld ist am Ende«, sagte die frühere KDFB-Vizepräsidentin und heutige stellvertretende Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Claudia Lücking-Michel. »Wir haben nicht mehr viel Zeit.« Ihre Kinder und Freunde fragten sie, wie sie einer Organisation angehören könne, die Frauen ausschließe. Die Deutsche Bischofskonferenz zeigte sich gesprächsbereit, lehnte aber den Kirchenstreik ab. »Die deutschen Bischöfe verstehen die Unruhe« und sehen Änderungsbedarf», sagte Pressesprecher Matthias Kopp. Dies werde auch im Vatikan so wahrgenommen. Reformen könne es aber nur »Stück für Stück« geben. »Wir brauchen einen Dialog«, sagte Kopp. Streik sei nicht das richtige Mittel. Konservative Gruppierungen wie das Forum Deutscher Katholiken übten Kritik am Streik.

Hintergrund: Mahnwache in Würzburg zu Protestaktion »Maria 2.0«

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) in der Diözese Würzburg solidarisiert sich mit der Protestinitiative »Maria 2.0«. Dazu soll es an diesem Donnerstagabend eine Mahnwache vor dem Neumünster in Würzburg geben, wie der KDFB mitteilte. Alle Interessierten seien eingeladen, weiß gekleidet mit Plakaten vor der Kirche zu beten. Ausdrücklich unterstütze der Verband die Forderungen von »Maria 2.0«, wie den Zugang von Frauen zu allen Ämtern. Gefordert werde eine Aufklärung der Missbrauchsfälle und eine Sexualmoral, die der Lebenswelt von Menschen angepasst sei. (KNA)

Hintergrund

Barbara Jatta. Foto:

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!