Montag, 25.03.2019

Mensch und Maschine

F. Mayer-Kuckuküber Risiken der Flugzeugbranche

Kommentieren
Korrespondent Finn Mayer-Kuckuk,
Foto: privat

Vor ei­nem Mo­nat war die La­ge noch ge­nau um­ge­kehrt: Air­bus lag am Bo­den, Bo­eing er­schi­en als Über­f­lie­ger. Der eu­ro­päi­sche Flug­zeug­bau­er hat­te die Ein­stel­lung sei­nes Pres­ti­ge­pro­jekts A 380 be­kannt­ge­ben. Ana­lys­ten lob­ten zu­g­leich die Ame­ri­ka­ner da­für, auf mit­tel­gro­ße, ver­brauchs­spa­ren­de Jets ge­setzt zu ha­ben. So wie die 737 Max.

Jetzt klingen die Experten anders. Seit die 737 Max weltweit am Boden parken, erscheinen Entscheidungen von Airbus weise und zukunftsorientiert. Das direkte Konkurrenzmodell der neuen 737, der A320 neo, ist schon länger auf dem Markt. Airbus konnte dafür mehr Bestellungen einsammeln. Das Image-Desaster um ein möglicherweise allzu eigenwilliges Verhalten der Flugsteuerung wird den Absatz des Boeing-Modells übel bremsen - und bringt Airbus einen riesigen Schub fürs Geschäft. Dabei war es ein hochaktuelles Konstruktionsziel, das am Anfang der Probleme zu stehen scheint. Die Boeing-Ingenieure hatten den Auftrag, bei der Runderneuerung der 737 für die Max-Reihe den Spritverbrauch zu senken. Die besonders großen Triebwerke, die dafür nötig waren, machten wiederum mehr aktive Sicherheitsfunktionen in der Steuersoftware nötig.

Umfangreichere Tests hätten die Nöte, die ganz reale Piloten mit den Funktionen haben können, vermutlich vor Auslieferung zutage gefördert. Doch Boeing stand unter Zeitdruck. Neue Technik am Kunden testen und dann per Update nachzubessern scheint ohnehin ein Trend in der Industrie zu sein.

Vermutlich hat die 737 Max keinen grundsätzlichen Baufehler, sondern allenfalls Besonderheiten. Kein Flugzeug ist perfekt. Die Max fliegt im Wesentlichen normal. Die Branche muss jedoch tief über das Verhältnis von Pilot und Software nachdenken. Wenn Mensch und Maschine im Cockpit ein schlechtes Team sind, drohen weitere Katastrophen - auch mit anderen Flugzeugmodellen; und auch bei Airbus.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!