Montag, 18.03.2019

Interessiert und aufgeweckt

Werner Kolhoffzur Aktion »Fridaysfor future«

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Was soll Schu­le jun­gen Men­schen bei­brin­gen? Klar, das ABC, das Ein­ma­l­eins und so et­was. Dar­über hin­aus aber vor al­lem so­zia­le Kom­pe­ten­zen. In­ter­es­se für die ei­ge­ne Zu­kunft und für die Ge­sell­schaft. Al­len Schü­le­rin­nen und Schü­l­ern, die für »Fri­days for Fu­tu­re« auf die Stra­ße ge­hen, ge­bührt da schon mal ei­ne gu­te Kopf­no­te.

Sie sind weit interessierter und aufgeweckter als ihre Altersgenossen, die die Tage verdaddeln. Und sicher als ihre Eltern, die morgens gedankenlos den SUV starten.

Eigentlich sollten die jungen Leute ihr junges Leben unbeschwert genießen und nicht an globale Katastrophen denken, die nur Angst machen. Eigentlich müssten die Erwachsenen aktiv werden, die die Klimakrise mit ihrer Lebensweise verbockt haben. Doch die Alten versagen in dieser Sache komplett. Es wäre ein Witz der Geschichte, wenn sie nun auch noch die Jungen dafür bestrafen würden, dass sie einspringen.

Natürlich ist die Teilnahme an einer Demonstration an einem Freitag ein Verstoß gegen die Schulpflicht. Aber wie lächerlich kleinlich ist dieses Argument gegen die große Sache. Man könnte es auch so sehen: Jeder, der an den Aktionen teilnimmt, nimmt im Grunde an einem selbst gestalteten Gemeinschaftskundeunterricht teil. Er übt politische Argumentation. Er lernt Kommunikation und Medienmechanismen. Er erkundigt sich über naturwissenschaftliche Zusammenhänge der Erderwärmung. Nicht die Schule ist hier die beste Schule. Die Demonstration ist es. Trotzdem steht niemand über dem Gesetz. Auch die Schüler nicht. Also muss der Verstoß irgendwie festgehalten werden. Die Klassenlehrer sollten die Sache auf den Zeugnissen vermerken. Formulierungsvorschlag: »Hat sich während der Schulzeit mehrfach freiwillig für eine gute Sache engagiert.« Setzen. Eins. Der Billigflug zur Abifete in Lloret de Mar entfällt allerdings.

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