Freitag, 22.02.2019

Florian Hahn: Söders Stimme in Berlin und kommender Mann in der CSU

Mömbris
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Leidenschaftlicher Politiker, der Ungeduld zu seinen Schwächen zählt: Florian Hahn, neuer stellvertretender CSU-Generalsekretär, in Mömbris. Foto: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich

Florian Hahn gilt als der kommende starke Mann in der CSU. Der im Landkreis München lebende Hahn ist ein sehr enger Wegbegleiter von Ministerpräsident Markus Söder und von ihm zum stellvertretenden Generalsekretär der CSU befördert worden. Wir haben mit ihm gesprochen.

Auf­ge­wach­sen ist er in Putz­brunn im Kreis Mün­chen un­ter lau­ter Löw­en-Fans, An­hän­gern des Fuß­ball­ve­r­eins TSV 1860 Mün­chen. Sein Va­ter war auch ei­ner, ein »Blau­er«.

Allein aus Opposition gegen ihn musste er ein »Roter« werden, ein leidenschaftlicher Fan des FC Bayern München, erzählt ein gut gelaunter Florian Hahn in Mömbris (Kreis Aschaffenburg) im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Politisch ist der 44-Jährige aber ein »Schwarzer« aus dem Bilderbuch - und als frischgebackener stellvertretender CSU-Generalsekretär wird der Bundestagsabgeordnete Hahn maßgeblich mit darüber entscheiden, ob die bayerische Union auf dem Weg zu alter Größe ist oder dauerhaft kleinere Brötchen backen muss.

Hahn ist am Samstagabend in Mömbris beim Neujahrsempfang der örtlichen CSU der Stargast - zeitgleich fertigt der FC Bayern die bedauernswerten Schalker in der Münchner Allianz-Arena mit 3:1 ab und verkürzt den Rückstand auf Dortmund auf nur noch fünf Punkte. Der Präsident des FC-Bayern-Fanclubs im Bundestag und Dauerkartenbesitzer nimmt das erfreut zur Kenntnis - und sieht viele Parallelen zwischen dem Fußball und der Politik: »Teamfähigkeit und Teamgeist sind gefragt, man braucht bei beidem einen langen Atem - und man muss bis zur letzten Sekunde konzentriert zur Sache gehen.«

Ziel: Mehr als fünf EU-Mandate

Hahn hat selbst in Putzbrunn in der Jugend gekickt - mit überschaubarem Talent und Können. Nur als »guter Torwart« sei er auf dem Platz aufgefallen, erinnert er sich. Sportlich wandte er sich rechtzeitig und bis heute aktiv dem Tennis zu - politisch wählte er als Schwerpunkt die Außen-und Sicherheitspolitik. Als europapolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist für ihn 2019 ein richtungsweisendes Jahr: mit der Europawahl im Mai, bei der sein CSU-Parteifreund Manfred Weber als Spitzenkandidat Präsident der EU-Kommission werden will. Und bei der Hahn »mehr Sitze im EU-Parlament als heute, mehr als fünf« für seine CSU erreichen will.

Hahn selbst ist ein überzeugter Europäer, der allen Tendenzen zu einer Renaissance der nationalistischen Kleinstaaterei eine klare Absage erteilt. Die »Populisten von links und rechts«, die »nationale, romantisierte und vergilbte Bilder der Vergangenheit« verklärten, hätten keinerlei Antworten für die großen Herausforderungen der Zukunft, ist der Europapolitiker sicher.

Er konkretisiert seine Überzeugung, dass die europäische Idee und die Europäische Union unverzichtbar für Frieden und Wohlstand seien, im Gespräch mit unserem Medienhaus: Größe spiele bei vielen Zukunftsfragen eine entscheidende Rolle. Niemand könne ernsthaft vertreten, dass 13 Millionen Bayern oder 82 Millionen Deutsche genug Gewicht mitbrächten, um etwa mit US-Präsident Donald Trump zukunftsfähige Handelsabkommen zu vereinbaren. Wenn aber 370 Millionen US-Bürger rund 500 Millionen Europäern gegenüberstehen - »dann sieht das ganz anders aus, dann reden wir auf Augenhöhe miteinander«.

Digitalisierung managen

Gleiches gelte bei den großen Zukunftsthemen Migration und Digitalisierung. Nur wenn Europa hier gemeinsam Positionen vertrete, seien echte Lösungen möglich, ist Hahn überzeugt. Auch Deutschland habe da in der jüngeren Vergangenheit - etwa bei migrationspolitischen Entscheidungen oder der Gaspipeline North Stream II - zu wenig Wert auf eine gemeinsame Linie mit den europäischen Partnern gelegt, räumt Hahn Verbesserungspotenzial im eigenen Land ein.

Grundsätzlich, davon ist der 44-Jährige überzeugt, müsse die EU bei den großen Themen besser werden und liefern - und bei den kleinen Dingen, »die wir alle als lästig empfinden«, die Ebenen machen lassen, die dafür am besten geeignet seien: die Kommunen, die Länder, die Nationalstaaten.

Hahns innerparteilicher Aufstieg hat aber nicht nur damit zu tun, dass er als Außen- und Sicherheitspolitiker eine Kernkompetenz der Union vertritt. Den neuen CSU-Parteichef Markus Söder nennt er »einen Freund«. Ihm hat er bereits als Landesgeschäftsführer der Jungen Union (JU) gedient, als Söder JU-Landesvorsitzender in Bayern war.

Als stellvertretender CSU-Generalsekretär folgt Hahn ausgerechnet auf Daniela Ludwig - und das in einer Zeit, in der sich die bayerische Union verstärkt der Frauenförderung widmen will. Bei der Frage nach Gründen für diesen Wechsel verweist Hahn an Markus Söder - und auf die Tatsache, dass die CSU inzwischen eine Hauptgeschäftsführerin habe, wo zuvor ein Mann amtierte.

Zwei Landespolitiker und Hahn

Offensichtlich ist allerdings, dass Söder einen Vertrauten von der bundespolitischen Bühne in die Landesleitung der Partei holen wollte. Die beiden Markusse an der Parteispitze, Parteichef Söder und Generalsekretär Blume, sind auf der landespolitischen Ebene zu Hause, Hahn ist seit 2009 Bundestagsabgeordneter. Er selbst sieht sich als »Stimme Söders in Berlin«, wenn dieser oder Blume wegen ihrer Verpflichtungen in München in der Bundeshauptstadt nicht präsent sein können.

Hahns Auftritt in Mömbris machte jedenfalls schon deutlich: Er ist eine leidenschaftliche, von der europäischen Idee überzeugte Stimme - und das kann der CSU nur gut tun.

Zur Person: Florian Hahn

Florian Hahn (44) vertritt seit 2009 als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter den Wahlkreis München-Land. Seit wenigen Wochen ist der Außen- und Sicherheitspolitiker außerdem stellvertretender Generalsekretär der CSU. Hahn lebt in Putzbrunn im Kreis München, dort ist er auch aufgewachsen. Der Marketing-Experte ist evangelisch, verheiratet und hat zwei Kinder.

Seine Partei kennt Hahn nach eigenem Bekunden aus dem Eff-Eff: »Seit zwei Jahrzehnten bin ich auf allen Ebenen aktiv. Politik ist meine Leidenschaft«, sagt Hahn über Hahn. Der ehemalige Gebirgsjäger war Gemeinderat, hat sich in der Jungen Union engagiert und ist Vorsitzender des CSU-Kreisverbands München-Land. Als seine Schwächen nennt Hahn »meine Ungeduld - und manchmal bin ich nicht diplomatisch genug«.

Gegenwind in der politischen Arena erntete Hahn 2016 für seinen Einsatz für die deutsche Rüstungsindustrie. Dabei wurden ihm Interessenskonflikte durch sein Engagement - etwa als Mitglied eines Aufsichtsrats - in dieser Branche vorgehalten.

»Ich stehe weiterhin hinter unserer wehrtechnischen Industrie«, sagte Hahn dazu im Gespräch mit unserem Medienhaus. Er halte es für essenziell, dass Deutschland sich in diesem Feld nicht von anderen abhängig mache - wohlwissend, dass »dieses Thema nicht wirklich sexy ist«. (msc)

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