Montag, 17.12.2018

Ministerin Judith Gerlach: Einstand beim Spitzentreffen in Nürnberg

Beim Digitalgipfel Kontakte geknüpft

Nürnberg
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Fahrt nach oben: Digitalministerin Judith Gerlach und Ministerpräsident Markus Söder (beide CSU) beim Digitalgipfel im Nürnberg. Foto: Bayerische Staatskanzlei
Fotograf: Bayerische Staatskanzlei  | Ort: Nürnberg | Datum: 04.12.2018

Beim Digitalgipfel in Nürnberg hat die Ministerin ihren ersten großen öffentlichen Auftritt. Es bleibt nicht beim Repräsentieren: Gerlach braucht die Kontakte zur Branche zum Aufbau ihres neuen Ressorts.

Wie hochran­gig ein Po­lit-Gast des Di­gi­t­al­gip­fels der Bun­des­re­gie­rung in Nürn­berg ist, er­kennt man an sei­ner En­tou­ra­ge. Mit Bun­de­s­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) pflügt sich ein gu­tes Dut­zend Be­g­lei­ter durch die Men­schen­men­ge: Mit­ar­bei­ter, Zi­vil­schutz, Po­li­zis­ten in schuss­si­che­ren Wes­ten. Bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist der Aufwand noch größer. Der Weg, den sie und ihr Stab durch das Messezentrum nehmen, wird eine halbe Stunde vorher mit einem Absperrband freigehalten.

Digitale Schulstunde

Gemessen daran gehört Judith Gerlach (CSU) mit zwei Referenten und zwei Pressesprechern im Schlepptau zu den unauffälligeren Vertretern einer Regierung. Was aber nicht bedeutet, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sein jüngstes Kabinettsmitglied verstecken will. Im Gegenteil: Er schafft Gerlach reichlich Raum, um sich der IT-Branche vorzustellen.

Am Montagnachmittag überlässt Söder der 33-Jährigen aus Weibersbrunn (Kreis Aschaffenburg) die Begrüßung bei der Präsentation des Gastgeberlandes Bayern und die Ansprache beim Besuch einer digitalen Schulstunde. Das Grußwort beim abendlichen Empfang des Branchenverbands Bitkom hat Söder ebenfalls Gerlach überlassen. Der Verein lehnt allerdings dankend ab - reden sollen nur Mitglieder der Bundesregierung und Ministerpräsidenten. Also sind Justizministerin Katarina Barley (SPD) und Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) die einzigen politischen Vertreter auf der Bühne.

Nicht nur die Bitkom fremdelt noch mit Deutschlands erster Landes-Digitalministerin, die gerade einmal drei Wochen im Amt ist. Auch das Sicherheitspersonal der Messe Nürnberg weiß nicht, wer die junge Frau ist, die durch die Einlasskontrolle will und dabei wie alle Minister kein Namensschild am Revers klemmen hat.

Es gibt an den zwei Tagen des Digitalgipfels freilich auch ganz andere Szenen. Nach der Auftaktveranstaltung zur Künstlichen Intelligenz in Bayern umschwärmen Gratulanten und Selfie-Jäger die neue Ministerin. Beim Bitkom-Empfang schnellen die Handys der Umstehenden in die Höhe, als Judith Gerlach und Dorothee Bär zusammenstehen. Vertreter größerer und kleinerer Firmen stellen sich vor. An den zwei Gipfeltagen gibt Gerlach allein dem Bayerischen Rundfunk drei Interviews.

Wissen, wer wichtig ist

Dafür, dass die neue Ministerin Kontakte zur bayerischen Digitalbranche knüpfen kann, sorgen ihre Mitarbeiter. Einige sind von der Staatskanzlei, wo die digitalen Grundsatzangelegenheiten bislang beheimatet waren, in Gerlachs Ministerium gewechselt. Die Referenten wissen, wer alles beim Digitalgipfel und wer wichtig für ihre Chefin ist. Sie organisieren die Treffen an den Ständen von Firmen, Verbänden und Institutionen, die die Ministerin immer dann besucht, wenn sie nicht gerade in den Tagungsräumen den Freistaat repräsentiert.

Gerlach spricht mit dem Präsidenten der Akademie der Technikwissenschaften über Innovationstechnologien und den 5G-Ausbau. Sie blickt bei der Münchener Firma Brainlab durch eine VR-Brille in ein Gehirn-Hologramm, das ein exaktes Modell eines Patienten darstellen kann. Sie wirft beim Verband der Game-Branche einen Blick auf eine Szene des Computerspiels »Anno 1800«, das im kommenden Jahr auf den Markt kommt. Sie erfährt beim Gründerzentrum für Absolventen der TU München, dass von seiner Starthilfe einst eine ganze Reihe der Firmen profitiert hat, die sich heute beim Digitalgipfel präsentieren.

Der Digitalgipfel beschert der Ministerin zwei lange Arbeitstage. Am Montag fährt sie direkt von der Münchener Kabinettssitzung nach Nürnberg, am Dienstagnachmittag nach dem Gipfel sofort wieder zurück nach München zu einer Gesprächsrunde zur Filmförderung.

Wiedersehen mit Merkel

Und zwischendurch geht es noch schnell zu einer Nürnberger Schule. Die Achtklässler absolvieren gerade ein Digitaltraining. Ein Thema: Medienstress, der durch ständiges Bedienen der Sozialen Medienkanäle entstehen kann. Die Botschaft: Das Handy ruhig auch mal für ein paar Stunden weglegen. Die Digitalministerin kann sich das an diesen Tagen nicht leisten.

Wenn Judith Gerlach ein paar terminfreie Minuten hat, hält sie mit ihrem Presseteam die Öffentlichkeitsarbeit in Schwung. Auf Facebook präsentiert sie das Gipfel-Gruppenfoto, auf Twitter und Instagram zeigt sie Fotos von sich mit Ministerpräsident Söder und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CSU). Arbeitsnachweise für die Netzgemeinde.

Lohnt sich der Aufwand? Auf jeden Fall, findet Gerlach. »Ich konnte in den zwei Tagen viele Kontakte knüpfen und Impulse für meine Arbeit mitnehmen«, sagt sie im Nachhinein. Und nur drei Wochen nach der Vereidigung auf dem Digitalgipfel zu sprechen, sei schon ein vielversprechender Auftakt gewesen.

Als sie hinter dem Absperrband den Rundgang der Bundeskanzlerin abwartet, empfängt sie eine Handy-Nachricht ihrer Mutter: Im Sommer 2013, erinnert die Mama, hatte die damals 27-Jährige im Bundestagswahlkampf Angela Merkel auf dem Aschaffenburger Schlossplatz die Hand gegeben. Jetzt, fünfeinhalb Jahre später, posiert Judith Gerlach inmitten der Gipfelteilnehmer fürs Familienfoto.

SABINE DREHER
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