Montag, 19.11.2018

Lustig, laut und »unzertrennlich«

Vogelhaltung:Kleine Papageienart der Agaporniden ist nichts für geräuschempfindliche Mitbewohner

BONN. Mittwoch, 12.09.2018 - 20:52 Uhr

Cle­ver sind sie, die an­geb­lich so »Un­zer­t­renn­li­chen«. Sie kön­nen so­gar Kunst­stü­cke ler­nen wie ei­nen klei­nen Fuß­ball mit dem Schna­bel ins Tor zu schub­sen, Sal­ti zu schla­gen oder auf Kom­man­do ei­nen Be­cher um­zu­kip­pen. Auch Tier­arzt Klaus Kut­sch­mann aus Mag­de­burg weiß aus Er­fah­rung, dass die­se Pa­pa­gei­en sehr in­tel­li­gent sind.

Er hat sie früher gehalten und kennt daher ebenso die Nachteile dieser Tiere, die ihren Namen ihrer meist lebenslangen Treue zum Partner verdanken. »Sie sind unheimlich laut. Sobald es hell wird, geht es los - also im Sommer ab halb fünf Uhr morgens.«

Nichts für zarte Ohren

Das deckt sich mit der Einschätzung der Bundesanstalt für Landwirtschaft in Bonn. »Es sind sehr lebhafte, neugierige und durchaus auch laute Papageien«, heißt es dort. Deshalb sollte ihnen der Halter einiges zur Beschäftigung bieten. Von Vorteil ist auch, wenn er selbst unempfindlich gegen Lärm ist und tolerante Nachbarn hat.

»Unzertrennliche« (Agaporniden) leben unter anderem auf der Vogelburg im Taunus. Dort haben sie wie viele andere Papageien ein neues Zuhause gefunden. Jeden Tag treten sie zur Gaudi der Besucher in der »Vogelschule« auf und zeigen ihr Können. »Ursprünglich kommen die Unzertrennlichen aus Afrika«, sagt der Eigentümer der Vogelburg, Hans Gerd Steiner. Im Englischen heißen sie »Lovebirds«. Denn die Vögel verbringen täglich viel Zeit mit ihrem Partner. Sie kuscheln mit ihm und pflegen das Gefieder. Meistens werden sie zwischen 10 und 12 Jahre alt, im günstigsten Fall können es sogar 20 Jahre werden.

Für die Privathaltung sind vor allem Rosen-, Schwarz- und Pfirsichköpfchen geeignet. Weil die Tiere gerne und schnell fliegen, brauchen sie trotz ihrer geringen Körpergröße von etwa 15 Zentimetern viel Platz. Eine Voliere sollte es mindestens sein, besser ist noch ein Vogelzimmer. Denn die Lovebirds leben nicht nur gerne mit ihrem Partner zusammen, sondern auch noch mit weiteren Artgenossen.

Ansonsten ist die Haltung dieser Vögel nicht sehr schwierig. An das Klima stellen die Tiere keine besonderen Ansprüche, am wohlsten fühlen sie sich bei Temperaturen zwischen 18 und 25 Grad. »Sie sind sehr robust, typische Krankheiten gibt es nicht«, erklärt Kutschmann. Das Gefieder von gesunden Tieren ist glatt und glänzend. Sieht es anders aus, sollten die Vögel auf Wurmbefall getestet werden. Auch wenn der Kot flüssig ist, steht ein Tierarztbesuch an.

Immer was zu Knabbern

Ein wichtiger Punkt bei der Haltung dieser Tiere: Sie brauchen unbedingt etwas zum Knabbern. Wird ihnen das nicht angeboten, suchen sie sich selbst ein Betätigungsfeld - meist Möbel und Türen. »Da Agaporniden mit ihren kräftigen Schnäbeln alles annagen, muss die Behausung stabil sein«, rät Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn.

Bei Käfighaltung eignen sich daher am besten Volieren aus unbeschichtetem Metall. Sie lassen sich außerdem leicht reinigen. Groß genug kann eine solche Voliere gar nicht sein. Sie sollte mindestens ein Maß haben, in dem die Vögel von Ast zu Ast fliegen können, ohne dabei mit den Flügeln anzustoßen. Zusätzlich müssen die Tiere auf jeden Fall die Möglichkeit zum Freiflug im Zimmer haben.

Dabei müssen mögliche Gefahrenquellen natürlich beseitigt werden. »Dazu gehören gekippte Fenster, Spalten hinter Schränken oder giftige Zimmerpflanzen«, sagt Schmitz. Eigens eingerichtete Spielplätze wie Kletterbäume oder miteinander verbundene Leitern und Stangen erfreuen nicht nur das Vogelherz, sondern sind auch für den Halter praktisch. Denn so sammelt sich der meiste Kot an einer Stelle.

Auch in der Voliere brauchen die Tiere Beschäftigungsmöglichkeiten. Hier bieten sich frische Blätter, Äste und Zweige an, zum Beispiel von Obstbäumen, von der Buche oder der Birke. Natürlich brauchen die Tiere auch Futternäpfe und einen Wassernapf. Außerdem baden die Unzertrennlichen sehr gerne, hierzu sollten Halter am besten eine flache Tonschale auf den Boden oder etwas erhöht auf einen Baumstumpf stellen.

Futter selbst erarbeiten

Um die Unzertrennlichen zu beschäftigen, kann man ihnen leere Klo- oder Küchenpapierrollen geben. Diese werden von den Vögeln gerne getragen, herumgerollt und auch zerstört. Sehr beliebt sind bei ihnen auch Schaukeln und Ringe.

Außerdem kann der Halter den Tieren die Möglichkeit geben, sich ihr Futter selbst zu erarbeiten. »Kolbenhirse, Salat oder Kräuter können zum Beispiel in Gitterbällen oder Papprollen versteckt werden«, sagt Schmitz. Hirse oder andere Leckerchen kann man an schwer zugänglichen Stellen aufhängen, zum Beispiel an Schaukeln oder hängend an Seilen.

SABINE MAURER
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