»Plakate zeigen keinen Lungenkrebs«

Rauchen: Bund diskutiert weitere Werbeverbote

BERLIN
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.


Es war ein langer und schwieriger zweiter Anlauf - aber jetzt soll es mit weiteren Werbebeschränkungen fürs Rauchen schnell gehen: Vier Jahre nach einem gescheiterten ersten Versuch will die große Koalition in der neuen Woche ein schrittweises Verbot der Plakatwerbung durchs Parlament bringen. Wirksam werden soll es ab 2022. Ins Visier kommen auch Elektro-Zigaretten.

Weitere Beschränkungen sind für Kinowerbung und Marketingaktionen geplant. An diesem Montag steht eine Expertenanhörung an, am Donnerstag soll der Bundestag die Pläne beschließen. Ärzte fordern das seit langem. Es gibt aber auch Kritik.

Mit 15 Griff zur Zigarette

Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU) sagt: »Die Werbung richtet sich an jugendliche Nichtraucher. Und sie wirkt.« Der Griff zur ersten Zigarette erfolge im Schnitt mit 14,8 Jahren. Dabei seien Tabak und Nikotin »einmalig in ihrer Gefährlichkeit und Suchtpotenz - auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch«. Doch welcher Jugendliche wisse das und könne es wissen? »Plakate zeigen keine Lungenkarzinome, sondern suggerieren Lebensgefühl.« Es gehe bei der Ausweitung der Werbebeschränkungen also um die Gesundheit junger Menschen. »Diese ist unverhandelbar.«

Dass striktere Reklameregeln nun auf die Zielgerade kommen, war nicht von vornherein klar. »Dafür hat die SPD lange gekämpft«, sagte SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch bereits bei der Einbringung des Entwurfs Ende Mai. Denn ein erster Versuch war in der vorigen Wahlperiode an der Union gescheitert. Das Kabinett stimmte zwar 2016 Plänen des zuständigen Ernährungsministeriums zu. Das Gesetz wurde im Bundestag aber nie beschlossen. Im Dezember 2019 gab die CDU/CSU-Fraktion dann doch den Weg für Neuregelungen frei.

Gestaffelte Maßnahmen

Konkret sollen Reklamemöglichkeiten gestaffelt unterbunden werden. Zuerst soll ab 1. Januar 2022 ein Werbeverbot auf Außenflächen wie Plakatwänden oder Haltestellen für herkömmliche Tabakprodukte kommen. Für Tabakerhitzer soll es ab 1. Januar 2023 greifen, für E-Zigaretten ab 1. Januar 2024. Schon ab 1. Januar 2021 tabu sein soll Kinowerbung fürs Rauchen, wenn der Film für unter 18-Jährige freigegeben ist.

Für viele Gesundheitsexperten sind solche Schritte überfällig - doch wie ist es mit Lücken im Kompromiss? »Wesentliche Werbekanäle« seien vom Verbot nicht umfasst, heißt es in der Stellungnahme des Deutschen Krebsforschungszentrums. Das zielt auf die Ausnahme, dass Außenwerbung an Fachgeschäften möglich bleiben soll. Zumindest sei eindeutig zu definieren, was »Fachhandel« bedeutet. Denn ohne Automaten gebe es 104 900 Verkaufsstellen für Tabak, darunter Tankstellen und Supermärkte.

Anderen gehen die Pläne zu weit. FDP-Fraktionsvize Frank Sitta sagt: »Das Verbot, für legale Produkte zu werben, ist nicht nur völlig unverhältnismäßig, sondern könnte sich im Endeffekt im Hinblick auf den Gesundheitsschutz als kontraproduktiv erweisen, wenn auf risikoärmere Erzeugnisse nicht mehr hingewiesen werden darf.«

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!