Neue Töne, vertrautes Programm

Nato-Generalsekretär: Der Norweger Jens Stoltenberg löst den Dänen Anders Fogh Rasmussen ab

Brüssel
2 Min.

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Der Neue: Jens Stoltenberg.
Foto: Thierry Charlier (AFP)
Der Alte: Anders Fogh Rasmussen.
Foto: Soeren Stache (dpa)
Nord­lich­ter und Ex-Re­gie­rungs­chefs sind sie bei­de, aber an­sons­ten hat der neue Na­to-Ge­ne­ral­se­k­re­tär Jens Stol­ten­berg aus Nor­we­gen mit sei­nem Vor­gän­ger An­ders Fogh Ras­mus­sen we­nig ge­mein. Der rechts­li­be­ra­le Dä­ne war als Ma­na­ger des Bünd­nis­ses ein Vor­ne­ver­tei­di­ger mit Schneid­b­ren­ner-Rhe­to­rik. Der So­zial­de­mo­k­rat Stol­ten­berg gilt als Dia­log-Künst­ler.
Am gestrigen Mittwoch trat er in Brüssel sein Amt an und leitete zum erstenmal die wöchentliche Sitzung der 28 Verbündeten.
Von einem Kurswechsel kann natürlich keine Rede sein. Der sanfte Mensch Stoltenberg schlug zur Premiere leisere Töne an als der schnarrende Rasmussen, aber was er sagte, war dasselbe: Auf drei Dinge komme es an: Starke Allianz, stabile Verhältnisse in ihrer Nachbarschaft, felsenfestes Bündnis mit den Amerikanern.
Nur Reihenfolge umgekehrt
Und wie geht das? »Wir brauchen eine starke Nato - politisch stark und militärisch stark.« Da wäre bei Anders Fogh Rasmussen allenfalls die Reihenfolge umgekehrt gewesen. So wollte denn auch der neue Mann von Unterschieden zum Vorgänger nichts wissen. Der Job sei derselbe: 28 Mitgliedstaaten repräsentieren und deren Entscheidungen in die Tat umsetzen. Zu dieser Einsicht war Rasmussen seinerzeit freilich erst allmählich gelangt.
Es dauerte, bis er begriff, dass er als oberster Nato-Angestellter Dienstleister und nicht Kommandant, in erster Linie Sekretär und kaum General war. »Der dachte, er ist immer noch Chef«, berichtet ein Bündnis-Diplomat, der nicht genannt werden wollte. Stoltenberg ist schon in seinen fast zehn Jahren als Ministerpräsident in Oslo ohne großes Chef-Gehabe ausgekommen. Sein Ansehen, auch international, gründet auf einer Geste des Trostes und der Versöhnung. Er war der Mann, der 2011 nach dem Sommer-Massaker des Rechtsterroristen Breivik Angehörige in die Arme nahm und gelobte, Norwegen werde ein offenes Land bleiben.
Das hat offenbar auch die Bundeskanzlerin beeindruckt. Mit der Bestallung des norwegischen Kollegen konnte Angela Merkel einen personalpolitischen Erfolg verbuchen, wie er ihr zuletzt in der EU versagt geblieben war. Der Generalsekretär Stoltenberg ist ihre Erfindung, sie hat ihn mit Hilfe der USA durchgesetzt. Den Berlinern - Christ- und Sozialdemokraten gleichermaßen - ging der kantige Rasmussen in der Russland-Krise mächtig auf die Nerven. Im Umgang mit Wladimir Putin war der Däne stets darauf bedacht gewesen, auf jeden groben Klotz aus Moskau einen entsprechenden Keil zu setzen. Die Dialog-Bereitschaft kam für deutschen Geschmack zu kurz.
Wie stark Stoltenberg hier die Akzente verschiebt, lässt sich noch nicht sagen. Zum Auftakt hielt er sich an die zuletzt auf dem Nato-Gipfel in Wales bekräftigte Linie, dass Russland fortgesetzt internationales Recht breche und folglich »den Kurs ändern« müsse, dass der Rückweg zur Diplomatie aber prinzipiell offen sei.
Guter Diplomat
Und von Diplomatie versteht er etwas. O-Ton Stoltenberg zu den aktuellen deutschen Problemen mit Gammel-Rüstung: »Ich begrüße die offene Debatte über solche Mängel in zahlreichen Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland!«
Knut Pries
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