Mister Ultraseriös wird Parteipolitiker

Bayern: Ex-BR-Moderator Dorow für CSU im Landtag

München/Landsberg
2 Min.

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Wechselt die Seiten: Moderator Alex Dorow wird CSU-Landtagsabgeordneter.
Foto: CSU
Er war bis­lang die sei­den­wei­che Stim­me aus dem Sü­den, die Ton ge­wor­de­ne jour­na­lis­ti­sche Se­rio­si­tät. Und doch soll jetzt der Sp­re­cher und Fern­seh­jour­na­list Alex Do­row als Par­tei­po­li­ti­ker vom Le­der zie­hen, denn seit An­fang April sitzt der 47-Jäh­ri­ge für die CSU als Ab­ge­ord­ne­ter im baye­ri­schen Land­tag. Doch Do­row sagt von sich selbst: »Ich bin kein Dog­ma­ti­ker und kein Pol­te­rer«.
Viele Jahre lang verlas Dorow im Hörfunk die Nachrichten und moderierte das »Rundschau-Magazin« im Bayerischen Fernsehen. die Stimme des 1,90-Meter-Mannes suggerierte: Dies ist die reine Wahrheit, soweit wir sie kennen. Dorow ist stolz darauf, dass die bayerischen Oppositionsparteien ihn als Journalisten »nie recht einordnen konnten«. Dass er daneben »seine eigene Meinung« konservativer Art hatte, wurde erst bekannt, als er für die Landtagswahl 2008 über die CSU-Liste kandidierte. Doch die Regierungspartei schnitt schlecht ab: Es reichte nicht für den Sprung ins Landesparlament.
Fahrenschons Mandat
Die politische Stunde des Journalisten schlug, als Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) zum Präsidenten des Deutschen Sparkassenverbands wurde und sein Mandat aufgab. Das war bereits im Dezember vergangenen Jahres. Als klar wurde, dass eines ihrer Aushängeschilder in die Parteipolitik wechseln würde, durfte Dorow im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur noch fremde Texte vorlesen. Inzwischen hat Dorow sein Mandat angetreten. »Mit dem Einzug in den Landtag« verschwand er aus den Radioempfängern und von den Fernsehschirmen.
Ein bisschen wundert man sich schon, dass Dorow den Status eines durchaus prominenten Politik-Beobachters mit einem von 92 Abgeordnetenplätzen in der CSU-Landtagsfraktion eintauscht. Er wäge nicht die Attraktivität beider Jobs gegeneinander ab, versichert Dorow: »Ich habe Spaß an der Politik«. Seit 30 Jahren ist Dorow Mitglied der CSU, vorübergehend war er auch Gemeinderat in seinem Heimatort Schondorf. Dort allerdings habe er oft gefehlt, ätzte kürzlich eine Münchener Zeitung.
Liebäugeln mit der Kultur
Die Politik allein füllt den verheirateten Vater von vier Söhnen, der inzwischen als Kreisvorsitzender der CSU Landsberg am Lech auch fest im Parteiapparat verankert ist, aber nicht ganz aus. Bei kulturellen Veranstaltungen, etwa mit dem Gitarrenduo Gruber und Maklar, wird man weiterhin seine geschulte Stimme hören können. »Mir ist Kultur wichtig«, sagt Dorow, der Mitglied in mehreren Kulturvereinen ist: »Das ist eine Herzensangelegenheit«.
Das klingt nach Mitgliedschaft im kulturpolitischen Ausschuss des Bayern-Parlaments, doch so schnell wird das nicht gehen. Parlaments-Newcomer werden gerne als erstes einmal in den Petitionsausschuss gesteckt, um Kärrnerarbeit zu leisten. Wie man hört, wird das auch Dorow blühen. Ihm grause es nicht davor, behauptet der neue CSU-Parlamentarier.
Schon als journalistischer Beobachter hat der 47-Jährige für die gescholtene Politiker-Kaste so etwas wie Mitleid empfunden. In der öffentlichen Meinung kämen die Politiker unter Wert weg, meint der frisch gebackene Abgeordnete. In Wirklichkeit seien Politiker »viele fleißige Menschen, die mehrheitlich einen guten Job machen«. Und das klingt dann wieder nach der samtweichen Beruhigungs-Stimme aus Funk und Fernsehen. Ralf Müller
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