Karzer, Kreuze, Kelterhäuser

Kulturstiftung: Bezirk Unterfranken will noch mehr Geld in Denkmalpflege investieren - Neue Förderrichtlinien

Würzburg
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Der Bezirk Unterfranken setzt sich für den Erhalt der historischen Bausubstanz in der Region ein. Pat Christ
Foto: EXT-ChristP
Rund 8,55 Mil­lio­nen Eu­ro will der Be­zirk Un­ter­fran­ken 2018 für Kul­tur­ar­beit in der Re­gi­on aus­ge­ben. Mehr als ein Fünf­tel die­ser Sum­me fließt in die be­zirks­ei­ge­nen Mu­se­en in Sch­loss Aschach (Kreis Bad Kis­sin­gen). Aber auch die Denk­malpf­le­ge pro­fi­tiert von der Stif­tung. Mit fast 1,1 Mil­lio­nen Eu­ro möch­te der Be­zirk den Er­halt des un­ter­frän­ki­schen Kul­tur­er­bes heu­er un­ter­stüt­zen.
Das beschloss der Kulturausschuss des Bezirkstags am Dienstag in Würzburg.
 Neue Förderrichtlinien sollen ab diesem Jahr noch stärker zur Revitalisierung von Ortskernen beitragen. »Wir möchten Leerstände beseitigen und die Nutzung denkmalgeschützter Gebäude ermöglichen«, erläuterte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel (CSU). Aktuell bezuschusst der Bezirk die Sanierung denkmalgeschützter Objekte nur dann, wenn der Bauherr - zusätzlich zum normalen Erhaltungsaufwand - höchstens 40 000 Euro investiert, um die Denkmaleigenschaften des Gebäudes zu erhalten. Diese Grenze wurde nun aufgehoben, so dass ab sofort auch Maßnahmen der »Großen Denkmalpflege« gefördert werden.
Beispiele aus Bürgstadt und Lohr
»Der Unterschied zwischen der Kleinen und der Großen Denkmalpflege war ohnehin nie recht erklärlich«, betonte Bezirksheimatpfleger Klaus Reder. Auch gesetzlich existiere eine solche Unterscheidung nicht. Der Bezirk tue deshalb gut daran, die willkürlich gesetzte Schwelle von 40 000 Euro aufzuheben.
Werden mehr als 40 000 Euro in ein Denkmal, eine Befunduntersuchung oder eine Archäologische Grabung investiert, kann es rückwirkend zum 1. Januar zwischen 5000 und 8000 Euro geben. Nach Auskunft der Unteren Denkmalbehörde, die sämtliche Maßnahmen an denkmalgeschützten Objekten erlauben muss, wird die Aufhebung der Fördergrenze dem Bezirk in diesem Jahr voraussichtlich 50 000 Euro zusätzlich zur bisherigen Denkmalförderung kosten. Sollten erheblich mehr Anträge als erwartet eintreffen, könnten die Zuschusskriterien wieder geändert werden. Reder: »Wir sind nicht zur Förderung der Denkmalpflege verpflichtet.«
Der Mehraufwand bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Objekts kann zum Beispiel die Restaurierung einer historischen Decke betreffen. Auch denkmalgerechte Sanierungen von Fußböden, Türen oder Fenstern eines Fachwerkhauses oder eines Bauernhofs können Mehrkosten verursachen. Die Erneuerung eines historischen Dachs, das etwa mit Biberschwanzziegeln gedeckt ist, kostet ebenfalls deutlich mehr als eine übliche Dachsanierung.
Der Bezirksheimatpflege ist es besonders wichtig, die zahlreichen Kleindenkmäler in Unterfranken zu erhalten. Dem am Dienstag präsentierten »Denkmal-Sonderprogramm« zufolge möchte der Bezirk zum Beispiel den Erhalt von Frömmigkeitszeugnissen stärker fördern. Darunter fallen Steinkreuze, Bildstöcke, Prozessionsaltäre, Kreuzwegstationen, Feldkapellen und Mariensäulen. Neu aufgenommen wurden Grab- und Fastentücher sowie sogenannte Heilige Gräber, also fromme Nachbildungen der Grablege Jesu. Ein solches Heiliges Grab ist beispielsweise in der Martinskapelle in Bürgstadt im Kreis Miltenberg oder in Lohr (Main-Spessart) zu finden.
Für Chorforum Alzenau
Aber auch Zeugnisse des fränkisch-nachbarschaftlichen Lebens sind förderwürdig. Damit unterstützt der Bezirk den Erhalt von Back-, Brau-, Flachsbrech- und Kelterhäusern. Auch Schmieden, Brunnen, Hoftore und Tanzlinden sind im Sonderprogramm aufgelistet. Schließlich sollen Rechtsdenkmale erhalten werden. Neben Pranger, Karzer und Wappen können dies alte Maße und Verkündhallen sein. Eine solche Verkündhalle, in der früher Gemeindebeschlüsse kundgegeben wurden, ist noch im Rathaus in Iphofen zu sehen. Erhaltungsmaßnahmen aus dem Sonderprogramm, die mehr als 40 000 Euro kosten, werden ab sofort mit bis zu 8000 Euro bezuschusst.
Fast eine Million Euro fließt 2018 in das Fränkische Freilandmuseum Fladungen. Der größte Haushaltsposten danach ist die Musikpflege, die knapp 850 000 Euro erhalten soll. Das sind nahezu 70 000 Euro mehr als 2017. Rund 40 000 Euro werden in die Aus- und Fortbildung von Musikern in unterfränkischen Kapellen investiert. Das Internationale Chorforum Alzenau erhält 37 000 Euro, um im Herbst 2018 die 43. Fränkischen Musiktage auszurichten.
Pat Christ
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