»Jetzt ist nicht die Zeit für politische Ambitionen«

Jewgenija Timoschenko: Hoffnung auf Neuwahlen

Kiew
2 Min.

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Will ihre Mutter Julia Timoschenko in Freiheit sehen: Jewgenija Timoschenko.
Foto: dpa
Die ukrai­ni­sche Op­po­si­ti­ons­füh­re­rin Ju­li­ja Ti­mo­schen­ko rea­giert auch aus der Haft her­aus auf die po­li­ti­sche Kri­se in der Ukrai­ne. »Sie lebt jetzt ganz in Ge­dan­ken mit den Men­schen auf dem Mai­dan, die dort ge­gen Prä­si­dent Vik­tor Ja­nu­ko­witsch pro­tes­tie­ren«, sagt ih­re Toch­ter Jew­ge­ni­ja der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Kiew.
Die Ex- Regierungschefin, die wegen fadenscheiniger Begründungen inhaftiert ist, hofft auf Neuwahlen - und will daran teilnehmen.

Wie erlebt Ihre inhaftierte Mutter im Krankenhaus die Ereignisse in der Ukraine?
Sie lebt jetzt ganz in Gedanken mit den Menschen auf dem Maidan, die dort gegen Präsident Viktor Janukowitsch protestieren. Sie bekommt von uns alle Informationen. Und sie übermittelt uns Botschaften für die Menschen auf dem Maidan. Ihre Gesundheit und der Zustand im Krankenhaus treten natürlich in den Hintergrund. Priorität hat die Lösung der politischen Krise.

Wie bewertet sie die Verhandlungen der Opposition mit Janukowitsch?
Sie hält die Gespräche für unzulässig. Nach dem Tod von Menschen ist die rote Linie überschritten. Die Hauptforderung des Volkes ist der Rücktritt des Präsidenten und die Bildung einer Übergangsregierung aus den verschiedenen Gruppierungen der Opposition. Die Opposition geht nicht in eine Regierung unter Janukowitsch, weil er seit 2010 so viele Vollmachten hat, dass er im Grunde alles machen kann. Außerdem ist bisher niemand für den Mord an den Demonstranten bestraft worden.

Wie kann es nun weitergehen?
Alles hängt nun von den Machthabern ab. Wenn es vorgezogene Wahlen gibt, muss meine Mutter aus der Haft kommen und an diesen Wahlen teilnehmen. Wir brauchen neue rechtmäßige politische Prozesse. Und sie muss an diesen Prozessen teilnehmen und um Unterstützung kämpfen können. Sie bleibt die wichtigste Opponentin der Machthaber. Und ihre Popularität wächst in dieser Situation - als politische Gefangene.

Die Opposition ist gespalten, es gibt mehrere Anführer - wie soll das ausgehen?
Jetzt ist nicht die Zeit für politische Ambitionen. Was jetzt alle vereint, ist der Kampf gegen das Regime von Janukowitsch. Deshalb hat meine Mutter auch gesagt, dass die einzelnen Anführer der oppositionellen Gruppen alle an den Wahlen teilnehmen sollen. Der erste Wahlgang zeigt dann, wie viele Stimmen jeder bekommt - und hinter denjenigen mit den meisten Stimmen könnte sich die Opposition vereinigen. Die Stimmung im Moment ist so, dass die Regierungsgegner 70 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen könnten.

Welche Rolle spielt Russland aus Ihrer Sicht - und was kann der Westen tun?
Ich bin keine Politikerin. Aber wir haben alle den Druck aus Moskau erlebt, als es daran ging, ein Abkommen mit der Europäischen Union über eine engere Partnerschaft zu unterzeichnen. Der Westen - dort gibt es bisweilen die Meinung, dass Janukowitsch ja durch demokratische Wahlen legitimiert sei. Er hat aber 2010 im Zuge einer Verfassungsänderung seine Vollmachten so ausgeweitet, dass das einem Staatsstreich gleichkommt. Dafür hat niemand gestimmt in der Ukraine. Wir haben es zu tun mit einem Diktator.
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