Deutsche vertrauen ihrem Staat wieder mehr

Demoskopie: Offenbar hat Corona-Pandemie mehr Menschen von Leistungsfähigkeit des öffentlichen Diensts überzeugt

BERLIN
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Die Deutschen haben wieder eine höhere Meinung von ihrem Staat. Foto: Johannes Neudecker (dpa)
Foto: Deutsche Presse-Agentur (DPA), JOHANNES NEUDECKER
Co­ro­na, der Kampf des Staats ge­gen die Pan­de­mie und Ver­ach­tung für die Po­li­tik bei De­mon­s­tran­ten - Deut­sch­land im Som­mer 2020 wirkt manch­mal wie im Aus­nah­me­zu­stand. Was macht die Kri­se mit dem Ver­hält­nis der Bür­ger zum Staat? Ei­ne neue Um­fra­ge zeigt deut­li­che Trends.

Wie hat sich das Vertrauen in den Staat entwickelt?

Der Anteil derjenigen, die meinen, der Staat sei in der Lage, seine Aufgaben zu erfüllen, hat im Vergleich zum Vorjahr von 34 auf 56 Prozent zugenommen. Als überfordert sehen den Staat noch 40 Prozent an - nach 61 Prozent 2019. Das Institut forsa befragte für die Studie im Auftrag des Beamtenbunds dbb im August mehr als 2000 repräsentativ ausgewählte Bürger. dbb-Chef Ulrich Silberbach schlussfolgert daraus: »Dieser Staat ist handlungsfähig - und wird als handlungsfähiger Staat geschätzt.«

Wer vertraut in den Staat - und wer nicht?

Ost und West unterscheiden sich hierbei kaum noch. So sehen 57 Prozent der Menschen im Osten und 56 im Westen den Staat als fähig an, seine Aufgaben zu erfüllen. Auch Altersunterschiede spielen bei dieser Bewertung kaum eine Rolle. Wohl aber Bildung: 61 Prozent der Menschen mit Abitur halten den Staat für handlungsstark - aber nur 44 Prozent der Menschen mit Hauptschulabschluss. Größere Sorge und eine größere Erwartungshaltung gegenüber dem Staat bei den Menschen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen sind für Silberbach ein Weckruf.

Die Anhänger welcher Parteien halten mehr vom Staat?

Hohes Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staats haben vor allem Anhänger von Union, SPD und Grünen - jeweils zu zwei Dritteln. Von den FDP-Anhängern sind es 55 Prozent, von denen der Linken 37 - und bei der AfD nur 5 Prozent. Die Spaltung hat sich vertieft. 2019 waren immerhin noch 11 Prozent der AfD-Anhänger überzeugt, dass der Staat seine Aufgaben erfüllen kann - und 38 bis 45 Prozent jener von CDU/CSU, SPD und Grünen.

Ist das gestiegene Vertrauen in den Staat überraschend?

Zumindest wird seit Jahren das Gegenteil beklagt. Etwa dass das Vertrauen in die demokratischen Institutionen gesunken sei, wie es etwa Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schon 2018 zum Jahrestag der Grundgesetz-Unterzeichnung sagte. »Distanz zur Politik ist für viele »schick« geworden«, sagte Steinmeier damals. Neue politische Kräfte machten massiv Stimmung gegen das sogenannte »Establishment«. Damals mobilisierte die Neonazi-Szene immer wieder in deutschen Städten. Heute zeigen Bilder von Rechtsextremen auf den Stufen des Parlamentes und verächtliche Sprüche von Wortführern der Proteste gegen Corona-Maßnahmen an die Adresse der Politik: Viele lehnen den Staat und seine Repräsentanten rundheraus ab.

Wie ist die positivere Sicht auf den Staat dann zu erklären?

Durch die Mehrheitsmeinung. Andere Umfragen zeigen auch viel Zustimmung zum aktuellen Krisenmanagement der Regierung. Silberbach meint, die Corona-Pandemie habe vielen zudem die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Diensts vor Augen geführt. Er meint sogar: »Der Kern unserer Demokratie ist gesund und sehr stabil.« Zuletzt hatte der »Populismusbarometer« der Bertelsmann Stiftung einen antipopulistischen Wandel festgestellt - gestützt durch die politische Mitte. Ansichten, nach denen Volk und Elite gegeneinander stünden und staatliche Institutionen gegen die Bevölkerung gerichtet seien, sind nach Ansicht von Forschern heute weniger weit verbreitet als noch vor wenigen Jahren.

Mit was sehen viele Menschen den Staat am ehesten als überfordert an?

Eine Überforderung des Staates bei der Bewältigung der derzeitigen Corona-Krise sehen 16 Prozent derjenigen Befragten, die den Staat für überfordert halten. Deutlich mehr, nämlich 22 Prozent dieser Befragten, sind der Ansicht, vor allem bei Schulen und Bildung sei der Staat überfordert. 20 Prozent von ihnen sehen den Staat in der Asyl- und Flüchtlingspolitik überfordert. Andere Bereiche folgen dahinter.

Welche Berufsgruppen schneiden besonders gut ab?

Seit der ersten Ausgabe der dbb-Bürgerbefragung 2007 wird dies gefragt - und wieder wird das Beruferanking von den Feuerwehrleuten angeführt. Sie genießen bei 93 Prozent aller Bürger ein hohes Ansehen. Es folgen: Ärzte (87 Prozent), Kranken- und Altenpfleger (87 und 86 Prozent) und Polizisten (82 Prozent). Von Beamten haben zwar nur 37 Prozent der Befragten ein hohes Ansehen - das sind aber mehr als 2019, als es nur 34 Prozent waren. Auf den letzten Rängen wie auch in den Vorjahren: Versicherungsvertreter (8 Prozent), Mitarbeiter von Werbeagenturen (11 Prozent) und von Telefongesellschaften (13 Prozent). Verbessern konnten sich Politiker: Von 16 auf 24 Prozent.

Welche öffentlichen Einrichtungen bekommen die besten Noten?

Straßenreinigung und Müllabfuhr schneiden am besten ab - bei Schulnoten von 1 bis 6 mit einer durchschnittlichen Bewertung von 1,8. Es folgen die Bibliotheken (2,0), Museen (2,0) und die Kindergärten (2,2). Schlechter bewertet werden etwa Landes- und Bundesministerien (3,1 und 3,2) sowie Sozial- und Arbeitsämter (3,2 und 3,3).

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