CSU ist sich uneins im Umgang mit Grünen-Kanzlerkandidatin

Partei: Seehofer findet Kritik an Baerbock überzogen

BERLIN
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Andrea Lindholz. Archivfoto: Friedrich
Foto: Björn Friedrich

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hält die Kritik an der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock für überzogen, die sein Parteikollege, CSU-Generalsekretär Markus Blume, zuletzt angeheizt hatte. Nach den jüngsten Äußerungen aus den Reihen der CSU bleibt der Eindruck, dass sich die Christsozialen nicht einig sind im Umgang mit den Grünen, dem erklärten Hauptgegner in diesem Wahlkampf. »Klar geht es hier nicht um eine Doktorarbeit, aber gerade in der Politik geht es um Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Das sollten wir immer im Auge behalten«, sagte der stellvertretende CSU-Generalsekretär Florian Hahn mit Blick auf die Plagiatsvorwürfe gegen Baerbock wegen ihres Buches »Jetzt. Wie wir unser Land erneuern«. Laut dem EVP-Fraktionschef im EU-Parlament und CSU-Präsidiumsmitglied Manfred Weber gebe es bei der Bundestagswahl »große Weichenstellungen für unser Land«. Weber betonte: »Die Kandidaten müssen überzeugen. Annalena Baerbock hat dabei einige Fragen aufgeworfen, die sie beantworten muss.« Zuvor hatte Innenminister Seehofer Baerbock vor überzogener Kritik in Schutz genommen. »Ich halte das einfach für übertrieben«, sagte Seehofer. Zudem plädierte Seehofer für mehr Gelassenheit im Wahlkampf.

Es sei zwar angemessen, ein oder zwei Tage über ein solches Buch zu diskutieren, doch dann »muss es auch mal wieder gut sein«. Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und Ex-SPD-Außenminister Sigmar Gabriel hatten die Kritik als unangemessen dargestellt.

CSU-Generalsekretär Blume hatte Baerbock hingegen die Glaubwürdigkeit abgesprochen. »Man fragt sich, was bei Baerbock als Nächstes kommt«, so Blume nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe. Er bezeichnete die Grünen-Kanzlerkandidatin als »Schummel-Baerbock« und sprach davon, dass vorsätzliche Täuschung und Hochstapeln bei der eigenen Leistung bei Baerbock »scheinbar System« habe.

»Keine Kampagne«

Die CSU-Innenpolitikerin Andrea Lindholz aus Goldbach (Landkreis Aschaffenburg) hält Blumes Äußerungen für gerechtfertigt. »Die Kritik des CSU-Generalsekretärs war zweifellos begründet und hatte nichts mit dem Geschlecht zu tun«, sagte die Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag. Im Wahlkampf müsse man auch zuspitzen dürfen. »Ich kann grundsätzlich keinen Unterschied im Umgang mit den männlichen und weiblichen Kandidaten erkennen.« Sachliche Kritik an der Qualität der Autorenarbeit sei »keine Kampagne oder Propaganda«, so Lindholz. »Jetzt wurde fest gestellt, dass dieses Buch nur einen sehr geringen eigenen Mehrwert hat. Damit ist die Sache aus meiner Sicht erstmal erledigt«, betonte die CSU-Politikerin.

Baerbock selbst hat inzwischen einen Fehler bei ihrem Buch eingeräumt. »Rückblickend wäre es sicherlich besser gewesen, wenn ich doch mit einem Quellenverzeichnis gearbeitet hätte«, sagte sie. Sie habe bewusst auf öffentlich zugängliche Quellen zurückgegriffen, gerade wenn es um Fakten gehe, erklärte sie.

EVP-Fraktionschef Weber beteuerte, dass in den kommenden Wochen »die Diskussion über die großen Schicksalsfragen und die richtige Richtung für Deutschland« im Mittelpunkt stehen werde. »Das nächste Jahrzehnt ist aufgrund der vielen Veränderungen und Herausforderungen entscheidend dafür, ob Deutschland eine gute Zukunft haben wird.«

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